Wenn die Klappe schlapp macht
Sana-Herzzentrum Cottbus schenkt Patienten neue Hoffnung mit innovativem Verfahren
- Innovative Implantation einer neuen Trikuspidalklappe über einen kleinen Schnitt in der Leiste markiert Meilenstein in der interventionellen Kardiologie
- Multiprofessionelles Team meistert erste Prozeduren im modernen Hybridsaal nach intensiver Vorbereitung
- Leitende Oberärztin: „Geschenk für Patienten, für die es bisher keine Hoffnung auf neue Lebensqualität gab“
Das Sana-Herzzentrum Cottbus setzt erneut Maßstäbe in der interventionellen Kardiologie. Ein multiprofessionelles Team aus Kardiologen, Herzchirurgen, Kardiotechnikern und OP-Pflegekräften hat jüngst erstmals eine Trikuspidalklappe mit Hilfe eines Katheters über einen kleinen Zugang in der Leiste implantiert. Ein Geschenk für Patienten mit schwersten Undichtigkeiten der Trikuspidalklappe, für die es bisher keine Hoffnung auf neue Lebensqualität gab.
Wenige Millimeter, die über Lebensqualität entscheiden. Das gilt für alle Herzklappen – denn jedes noch so leichte und kleine Gewebestück im Herzen erfüllt eine wichtige Aufgabe. Undichte Aortenklappen ersetzt das interprofessionelle Team des Sana-Herzzentrum Cottbus bereits seit 16 Jahren minimalinvasiv. Kurz darauf folgte die interventionelle Versorgung von defekten Mitralklappen mit einem Clip. Der jetzt erstmals angewandte vollständige Ersatz einer Trikuspidalklappe am schlagenden Herzen über einen kleinen Zugang über die Leiste markiert den nächsten Meilenstein in der Therapie von degenerierten Herzklappen.
Doch der Reihe nach: Die Trikuspidalklappe ist ein sehr zartes, meist dreizipfliges Klappenventil zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Herzkammer. Sie verhindert, dass das Blut aus dem Kreislauf wieder in die Herzkammer zurückfließt. Mehr als 100.000-mal am Tag. Doch wenn sie nicht mehr richtig schließt, staut sich sauerstoffarmes Blut in den venösen Kreislauf zurück. Eine Fehlfunktion mit schweren Folgen.
Patienten mit einer solchen Klappeninsuffizienz – also einer verminderten Leistungsfähigkeit der Trikuspidalklappe - leiden oft unter Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen und im Bauch, kämpfen mit Atemnot, Völlegefühl und Appetitlosigkeit. Sie ermüden schnell und sind wenig belastbar. Gleichzeitig leiden Betroffene häufig an Vorhofflimmern, weil sich die Struktur und Belastung des rechten Vorhofs verändert. Was als Herzklopfen beginnt, wird schnell zu einer spürbaren Symptomatik. „Der Körper kann eine Undichtigkeit der Trikuspidalklappe oft lange kompensieren, so dass sich eindeutige Symptome meist erst spät zeigen. Dann allerdings ist die Erkrankung häufig schon weit fortgeschritten. Viele Patienten, die in die Klinik kommen, haben bereits eine erhebliche Rechtsherzschwäche entwickelt“, erklärt Dr. Kristin Rochor aus Erfahrung und fügt hinzu: „Für sie wäre ein herzchirurgischer Eingriff unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine viel zu riskant.“ Die Leitende Oberärztin der Klinik für Kardiologie ist Spezialistin für die interventionelle Therapie der Mitral- und Trikuspidalklappen. Nahezu jede einzelne Versorgung von undichten Mitralklappen mit einem Clip ist unter ihrer Leitung erfolgt.
Die künstliche, biologisch gefertigte Trikuspidalklappe wird in den Katheter eingesetzt, um sie für die minimalinvasive Operation vorzubereiten, bei der sie später hochpräzise am schlagenden Herzen positioniert wird. Ein anspruchsvolles Verfahren, welches erstmals im Sana-Herzzentrum in Cottbus erfolgreich angewandt wurde.
Mit dem Evoque-Trikuspidalklappenersatz geht das Team aus interventionellen Kardiologen, Herzchirurgen, Kardiotechnikern, Kardioanästhesisten und OP-Pflegekräften nun den nächsten großen Schritt. So umständlich wie der Name, so anspruchsvoll ist auch das Verfahren selbst. Die Vorbereitung für das multiprofessionelle Team war alles andere als ein Kinderspiel. Quer durch die Republik ist das Team gereist, um in Kliniken, in denen das Verfahren bereits Anwendung findet, zu lernen. Mit Erfolg.
Seit Dezember 2025 sind bereits mehrere Patienten im Cottbuser Herzzentrum mit der innovativen Evoque-Klappe therapiert worden. Damit kann im Sana-Herzzentrum nun neben der Aortenklappe auch die Trikuspidalklappe auf minimalinvasivem Wege komplett ersetzt und Patienten neue Lebensqualität geschenkt werden, während sie anderenorts als austherapiert gelten, weil eine Operation am offenen Herzen zu risikoreich wäre und das interventionelle TriClip-Verfahren aus anatomischen Gründen nicht bei allen Patienten angewandt werden kann.
Ein kleines Meisterwerk der Extraklasse
Wieder einmal mehr zählt das Team der Kardiologie im Sana-Herzzentrum Cottbus damit zu den Pionieren in der Klappentherapie, denn der interventionelle Trikuspidalklappenersatz ist ein noch sehr junges Verfahren. Erst im Oktober 2023 erhielt das Evoque-System als weltweit erste Trikuspidalklappen-Ersatztechnologie die CE-Kennzeichnung in Europa. Das ist wichtig, denn Herzklappen gehören zu den sensibelsten Medizinprodukten überhaupt. Die CE-Kennzeichnung bestätigt, dass das Produkt die europäischen Anforderungen an Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Qualität erfüllt. Das umfasst unter anderem Materialverträglichkeit, Haltbarkeit und Funktionssicherheit im menschlichen Körper. Bevor ein Implantat tatsächlich das CE-Zeichen erhält, muss es durch klinische Daten belegen, dass es tatsächlich funktioniert und den Patienten einen medizinischen Nutzen bringt. Gerade bei innovativen Verfahren wie der kathetergestützten Herzklappenimplantation ist das entscheidend.
Pioniere in der Klappentherapie und multiprofessionell in der Zusammenarbeit: das Team um Operateurin und leitende Oberärztin Dr. Christin Rochor (vorn) aus interventionellen Kardiologen, Herzchirurgen, Kardiotechnikern, Kardioanästhesisten und OP-Pflegekräften ersetzt nun neben der Aortenklappe auch die Trikuspidalklappe auf minimalinvasivem Wege komplett und schenkt neue Lebensqualität.
Durch die Leiste direkt ins Herz
Über einen kleinen Zugang in der Leiste wird ein Katheter schonend über die Vene bis zum Herzen geführt. In dem Katheter befindet sich die zusammengefaltete, künstliche Trikuspidalklappe – ein filigranes Meisterwerk, bei dem eine aus Rinderperikard geformte, biologische Klappe in ein selbstexpandierendes, komplex aufgebautes Nitinolstentgerüst eingepasst wurde. Direkt an der Trikuspidalklappe angekommen, setzen die Spezialisten die neue Klappe millimetergenau ein – ohne große Operation am offenen Herzen.
„Die Kapsel mit der Evoque- Klappe wird exakt in der erkrankten Trikuspidalklappe ausgerichtet, dann Schritt für Schritt freigesetzt, so dass sich das neue Klappengerüst unter den kranken Segeln entfaltet und verankert und sich dann bis zur Herzwand aufspannt. Das Herz schlägt während der Prozedur normal weiter“, erklärt die Leitende Oberärztin das anspruchsvolle Verfahren. Besonders ist dabei aber nicht nur das Verfahren selbst, sondern vor allem die Lage der Klappe im Herzen. „Die zarte Trikuspidalklappe ist unter Durchleuchtung nicht sichtbar, so dass jeder der vielen kleinen Teilschritte der Klappenimplantation einer exakten echokardiografischen Darstellung durch die Speiseröhre oder den Magen hindurch bedarf“, berichtet Dr. Kristin Rochor. Das Team des Cottbuser Herzzentrum setzt auch dabei auf eine multiprofessionelle Zusammenarbeit: Die ersten Verfahren hat die versierte Kardiologin gemeinsam mit Oberarzt Dr. Volker Herwig als interventionell spezialisierten Herzchirurgen und Oberarzt Dr. Ahmed Elagamy Musa mit seiner hohen Expertise in der interventionellen Echokardiographie absolviert.
Hoffnung auf neue Lebensqualität
Sobald die neue Prothese richtig sitzt, ersetzt sie die Funktion der defekten Herzklappe komplett – der Lebensmotor kann wieder beginnen, effektiv zu arbeiten. „Einige Patienten verspüren sofort eine Verbesserung ihres Befindens. Bei anderen dauert es einige Zeit, ehe sich das geschwächte Herz erholt und der Körper wieder belastbarer wird, vor allem wenn die Folgeschäden durch die Insuffizienz schon sehr ausgeprägt waren“ erklärt Dr. Kristin Rochor und betont: „Der Evoque-Trikuspidalklappenersatz ist ein wirkliches Geschenk, weil wir jetzt endlich auch Herzpatienten behandeln können, für die es bis vor kurzem noch keine Hoffnung auf neue Lebensqualität gab.“
Über das Sana-Herzzentrum Cottbus
Das Sana-Herzzentrum Cottbus im Herzen der Lausitz bietet medizinisch-pflegerische Leistungen auf höchstem Qualitätslevel. Jährlich lassen sich mehr als 4.500 Patienten herzchirurgisch und kardiologisch stationär durch die versierten Mediziner behandeln. Moderne Technik und innovative Therapiekonzepte für den Patienten gewährleisten größtmögliche Sicherheit und beste Langzeitergebnisse. Seit der ersten Operation am offenen Herzen am 7. Juni 1995 erbringt ein interdisziplinäres Team Tag für Tag Herzmedizin auf europaweitem Spitzenniveau.
Das Sana-Herzzentrum Cottbus ist nicht nur ein Krankenhaus in der Versorgungslandschaft. Es ist der Geburtsort der modernen Herzmedizin in Brandenburg. Seit der ersten Operation am offenen Herzen im Land Brandenburg am 7. Juni 1995 haben interdisziplinäre Teams tausenden Patienten geholfen. Mehr als 100.000 behandelte Patienten, eines der leistungsstärksten TAVI-Zentren in Europa, mehrfach ausgezeichnet als beste Kardiologie im Land Brandenburg, ausgezeichnet als beste Herzchirurgie in Deutschland, höchste Weiterempfehlungsquote aller Herzzentren. Alle diese Fakten stehen für die außergewöhnliche Leistung, die hier seit mehr als 30 Jahren erbracht wird.