Dahme-Spreewald,
28
Oktober
2026
|
14:41
Europe/Amsterdam

"Wir können Frauen mit Brustkrebs die Hoffnung auf Heilung geben"

KDS-Brustkrebs-Expertin Dr. Jutta Krocker über Vorsorge, Brustgesundheit und die Chancen moderner Medizin

Mit rund 70.000 Neuerkrankungen im Jahr ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Dr. Jutta Krocker, Leiterin des zertifizierten Brustkrebszentrums im Achenbach-Krankenhaus Königs Wusterhausen, erklärt im Interview, warum Früherkennung so wichtig ist, was jede Frau für ihre Brustgesundheit tun kann, welche Chancen die moderne Medizin heute bietet und was neue Hoffnung gibt.

Frau Dr. Krocker, viele Frauen haben Angst davor, Brustkrebs zu bekommen. Was kann jede Frau präventiv für ihre Brustgesundheit tun?

Das fängt dabei an, ein Brustbewusstsein zu entwickeln. Jede Frau sollte regelmäßig auf Veränderungen der Brust achten: Das können Knoten, Einziehungen, Hautveränderungen oder Sekretionen aus der Brustwarze sein. Ideal ist es, sich einmal im Monat am besten nach der Regel bewusst Zeit zu nehmen und die Brust abzutasten und anzuschauen – entweder vor dem Spiegel oder in der Badewanne. Dadurch können Frauen eine Beziehung zu ihrer Brust aufbauen und werden so sensibler für Veränderungen.

Porträt Dr. Jutta Krocker


Dr. Jutta Krocker leitet das Brustzentrum im Achenbach-Krankenhaus Königs Wusterhausen.
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Welche Faktoren kann Frau eventuell selbst beeinflussen, um das Brustkrebsrisiko zu senken?

Es ist auf jeden Fall ratsam, die Risikofaktoren im Blick zu behalten: Frauen sollten auf ein gesundes Körpergewicht achten, sich regelmäßig bewegen und mediterrane Mischkost zu sich nehmen. Alkohol sollte man stark begrenzen oder meiden. Wir wissen heute auch, dass Rauchen definitiv nicht nur ein Förderer von Lungenkrebs, sondern ebenso von Brustkrebs ist.

Wer die Möglichkeit hat, sein Kind zu stillen, sollte auf jeden Fall damit beginnen. Denn auch Stillen senkt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, geringfügig.

Bei familiären und genetischen Risiken kann man in der Prävention leider wenig tun. Familien, die dieses Risiko haben, können in Berlin-Brandenburg gezielt in das FBREK- Zentrum an der Charité gehen. Das ist ein spezialisiertes Zentrum für Brust- und Eierstockkrebs.

Welche Vorsorge- und Früherkennungsangebote gibt es und für wen sind sie wirklich sinnvoll?

Unser Ziel ist es, durch die Mammographie, also das Früherkennungsprogramm für Brustkrebs, schon Befunde zu erkennen, die noch gar nicht tastbar sind. Das Screening ist vor zwei Jahren auf die Altersspanne vom 50. bis zum 75. Lebensjahr erweitert worden. Es ist zu erwarten, dass wir ab 2027 schon bei 45-jährigen Frauen anfangen. Jede Frau in Deutschland, die sich in dieser Altersspanne befindet, bekommt alle zwei Jahre eine Einladung und kann dann einen Termin in der nächsten Screeningeinheit wahrnehmen. Bei uns in Königs Wusterhausen befindet sich diese Einheit glücklicherweise direkt am Achenbach-Krankenhaus. Die Einladung kommt automatisch über die Meldestelle, man muss also nicht extra über eine Frauenarztpraxis einen Termin vereinbaren.
Dieses Screening hat über die vergangenen 20 Jahre eindeutig Beweise erbracht, dass wir damit Früherkennung gewährleisten und die Überlebenschancen noch einmal verbessern können, wenn die Frauen aller zwei Jahre daran teilnehmen.

Viele Frauen haben Angst davor, dass die Mammographie schmerzhaft ist. Gibt es eine Alternative?

Die Brust muss für einen kurzen Moment etwas stärker komprimiert werden, denn je weiter man das Gewebe zusammendrücken kann, desto besser ist die Bildgebung. Einmal kurz tief einatmen und sich einen schönen Moment vorstellen: Dann ist eine Mammographie wirklich gut zu überstehen. Zum Zahnarzt gehen wir ja auch regelmäßig.

Wir bekommen im Moment in Kombination mit Ultraschall mit keiner anderen Methode ein besseres Ergebnis. Wenn sich in diesen Ergebnissen etwas darstellt, kann man das mit einer Magnetresonanztomographie kombinieren. Aber ein solches MRT kann derzeit auf keinen Fall eine Mammographie und Ultraschall ersetzen. Nur mit dieser Komplexdiagnostik können wir die Brust auf drei verschiedene Weisen abbilden und daraus ein Gesamtergebnis erheben.

Brustzentrum


Starkes Team: speziell geschulte Pflegeprofis begleiten die Patientinnen auf ihrem Behandlungsweg. Sie sind Teil des interdisziplinären Teams aus Fachärzten und Therapeuten. 
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Viele Frauen sind bei einem Verdacht auf Brustkrebs verunsichert und ängstlich: Was sollte frau tun, wenn sie bei der Selbstuntersuchung eine Veränderung der Brust festgestellt hat?

Bei einem Verdacht führt der erste Weg immer zu der Frauenarztpraxis, bei der man in Behandlung ist. Dort kann in vielen Fällen neben einer Tastuntersuchung auch schon ein erster Ultraschall der Brust vorgenommen werden. Wenn die Ärztin oder der Arzt zu dem Ergebnis kommt, dass es sich um einen abklärungsbedürftigen Befund handelt, ist der nächste Weg entweder zur Mammographie in einem Krankenhaus oder – wenn das entsprechende Alter erreicht ist - zur Screeningeinheit.

Mit welchen diagnostischen Mitteln können die Experten im Klinikum Dahme-Spreewald die Erkrankung feststellen bzw. ausschließen?

In unserer Radiologie im Achenbach-Krankenhaus sind sowohl Brustultraschall als auch Mammographie möglich. Unser Team arbeitet ganz eng mit der Abteilung zusammen. Wenn sich der Verdacht erhärtet, kann sofort eine Gewebeentnahme unter lokaler Betäubung vorgenommen werden, das durch einen Pathologen untersucht wird. In dem Moment, in dem ein sicheres Ergebnis vorliegt, besprechen wir die Befunde gemeinsam mit der Radiologie und der Pathologie und legen in diesem Dreierteam die weiteren Schritte der Diagnostik und Therapie fest.

Wie geht es für die Patientin weiter, wenn aus dem Verdacht Gewissheit geworden ist?

Wir erläutern im Erstgespräch mit der Patientin die Diagnose und erklären, welche Möglichkeiten der Therapie es gibt. Anhand des biologischen Musters des Krebses können wir auch schon die unterschiedlichen Therapieoptionen besprechen. Dann kann die Patientin entscheiden, ob sie im Brustzentrum weiter betreut werden möchte, oder ob sie mit diesen Ergebnissen zu ihre Frauenarztpraxis zurückgeht und dort das weitere Vorgehen bespricht.

Wie läuft der Start in die Therapie im Brustzentrum ab und wie sehr können dabei Bedürfnisse und Lebenssituation der Patientin berücksichtigt werden?

Der Start in die Therapie ist immer ein Vier- oder Sechs-Augen-Gespräch zwischen Arzt, Patientin und meist einer Vertrauensperson. Wir stellen der Patientin im Rahmen einer Tumorkonferenz die verschiedenen Therapieoptionen vor. Es gibt heute immer mehr als eine Behandlungsmöglichkeit und im gemeinsamen Gespräch muss man ermitteln, für welche Option sich die Patientin entscheiden kann.

Das Gespräch dauert meist recht lange, weil wir das operative Vorgehen, die Bestrahlung und die gesamte medikamentöse Therapie besprechen. Alle drei Säulen beeinträchtigen ja – zumindest vorübergehend – die Lebensqualität der Patientin. Dementsprechend gehört dazu, dass wir das Ausmaß der Nebenwirkungen gemeinsam erörtern und erklären, warum wir die Reihenfolge der Therapiesäulen manchmal verschieben. Anhand der Merkmale der Tumorzellen können wir der Patientin die drei Therapiesäulen und die drei Säulen der medikamentösen Optionen – also Chemotherapie, endokrine Therapie und Immuntherapie – vorschlagen. Dann kann sie mit uns gemeinsam entscheiden, ob die dieser Empfehlung folgt, ob sie bestimmte Schritte nochmal überlegen möchte.

Brustzentrum Achenbach-Krankenhaus


Ganzheitliche Begleitung: Das Brustzentrum bietet Patientinnen die Möglichkeit beispielsweise auch die Chemotherapie in der vertrauten Umgebung zu erhalten.
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Wie hat sich die Medizin in den vergangenen Jahren entwickelt? Welche großen Fortschritte gibt es bei der Behandlung von Brustkrebs? Was gibt neue Hoffnung?

Das Neue ist wirklich, dass wir heute Brustkrebs unterteilen. Es gibt den absolut prognostisch günstigen Krebs, der zu 100 Prozent hormonrezeptorpositiv ist, ganz langsam wächst und eher ein lokales als metastasierendes Wachstum hat. Eine Erkenntnis der vergangenen zehn Jahre ist, dass wir in diesem Fall keine Chemotherapie benötigen, sondern eine antiöstrogene Therapie die heilende, systemische Therapie ist. Je kleiner der Tumor ist, desto wahrscheinlicher kann man brusterhaltend operieren. Das wird mit einer dreiwöchigen Bestrahlung kombiniert. Die anschließende medikamentöse Therapie läuft über fünf Jahre. Diesen Patientinnen kann man Heilung sicher versprechen.

Dann gibt es zwei, drei andere Typen, die biologisch anders aussehen und sich anders verhalten. Dafür haben wir verschiedene Medikamente für eine Immun- bzw. Antikörpertherapie, die in Kombination mit einer Chemotherapie deutlich bessere Therapiechancen als noch vor ein paar Jahren aufweisen.

Deshalb kommt es darauf an, im Rahmen der Diagnostik die besonderen Merkmale der Tumorzelle zu analysieren und daraufhin gezielt zu behandeln. Wenn wir also über eine personalisierte, individualisierte Therapie sprechen, dann ist diese genau auf die Tumorzelle zugeschnitten.

Viele Frauen haben Angst davor, ihre Brust zu verlieren. Wann ist eine brusterhaltende Operation möglich und welche Möglichkeiten bietet das Brustzentrum, falls eine Brust entfernt werden muss?

Grundsätzlich gilt: Je kleiner der Tumor, umso wahrscheinlicher ist die Brusterhaltung. Zudem gibt es verschiedene Sonderformen wie einen Brustkrebs, der selten metastasiert, aber dafür die Brust nicht nur an einer Stelle erwischt, sondern multizentrisch in mehreren Bereichen der Brust gleichzeitig wächst. Damit kann zwar die Drüse nicht erhalten werden, aber der Hautmantel. Daher kann man die Kontur der Brust mit einem Implantat erhalten.

Zwischen 80 und 85 Prozent können wir heute brusterhaltend operieren. In den verbleibenden 15 bis 20 Prozent muss aufgrund der Tumorgröße, der Biologie oder des besonderen Wachstums die Brustdrüse entfernt werden. Aber wenn die Frau das möchte und keine Bestrahlung notwendig ist, lässt sich die Drüse mit einem Implantat ersetzen.

Wir bieten am Achenbach-Krankenhaus alle brusterhaltenden Verfahren sowie alle rekonstruktiven Verfahren mit körperfremdem Gewebe an. Für Rekonstruktionen mit körpereigenem Gewebe sind wir in Kooperation mit plastischen Chirurgen, sodass wir auch dieses Verfahren innerhalb des Sana-Verbundes anbieten können.

Was raten Sie einer Patientin, die erst vor kurzem die Diagnose Brustkrebs bekommen hat und nun viele Fragen und Ängste hat?

Mein Rat ist: Melden Sie sich in einem Brustzentrum und holen Sie sich dort bei einer onkologischen Fachschwester einen ersten Rat sowie einen Termin für den Start in die Therapie. Es ist wichtig, den Prozess aktiv mitzugestalten und sich selbst zu informieren, statt sich von Angehörigen oder Arbeitskollegen verunsichern zu lassen. Jeder Krebs ist so individuell wie jeder Mensch und es hilft, sich Wissen anzueignen. Lassen Sie nicht die Angst siegen, sondern akzeptieren Sie die Erkrankung und übernehmen Sie Selbstfürsorge. Wir werden eine Patientin im Brustzentrum niemals wegschicken, sondern immer einen Ansprechpartner finden und einen Termin für ein Erstgespräch anbieten.

Alle Zahlen belegen: Wir können Frauen mit Brustkrebs die Hoffnung auf Heilung geben. Die Konsequenz muss sein: Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern für sich sorgen, aktiv an Gynäkologen oder ein Brustzentrum herantreten und sich um die Therapie kümmern. Wir sind nicht nur operativ, sondern auch in der Heilung an einem ganz anderen Punkt als vor 30 Jahren.

Über das Klinikum Dahme-Spreewald

Unter dem Dach des Klinikums Dahme-Spreewald vereinen sich die beiden Standorte Spreewaldklinik Lübben und das Achenbach-Krankenhaus Königs Wusterhausen. Die beiden Krankenhäuser versorgen jährlich mehr als 25.000 stationäre und mehr als 50.000 ambulante Patientinnen und Patienten. Dafür stehen in den beiden Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung insgesamt 433 Betten in neun Fachbereichen zur Verfügung. Die jährlich steigende Zahl an versorgten Patienten belegt die Bedeutung und die Akzeptanz einer kompetenten und qualitativ hochwertigen Versorgung in der Region. Besondere Expertise beweist das Klinikum Dahme-Spreewald in der Weichenstellung von zukünftig wichtigen Bereichen. So gehören Palliativmedizin und Spezielle Schmerztherapie schon heute zum fest etablierten Behandlungsspektrum. In der Gesundheitsakademie Heinz-Sielmann, die ebenfalls unter der Trägerschaft des Klinikum Dahme-Spreewald steht werden mehr als 130 Schülerinnen und Schüler auf den Berufsalltag in der Pflege vorbereitet. Die Gesundheitsakademie zählt zu den größten Einrichtungen dieser Art im Land Brandenburg. Ergänzend bestehen seit 2019 ambulante Versorgungsmöglichkeiten. Zunächst durch das Medizinische Versorgungszentrum Dahme-Spreewald in Königs Wusterhausen in den Bereichen Allgemeinmedizin/Innere Medizin, Chirurgie und Kinder- und Jugendmedizin sowie seit 2022 im MVZ Poliklinik Lübben in den Bereichen Allgemeinmedizin, Gynäkologie und Chirurgie.

Über die Sana Kliniken AG