AdipositaszentrumAdipositaschirurgie

Ist nach Durchführung des multimodalen Therapiekonzepts (MMK), bestehend aus Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und gegebenenfalls Psychotherapie, nach sechs Monaten keine befriedigende Gewichtsabnahme erreicht worden, so kann ab einem BMI von 40 kg/m² eine Adipositas-Operation durchgeführt werden. Liegt eine Diabeteserkrankung vor, so kann bereits ab einem BMI von 35 kg/m² operiert werden. 

Schlüssellochchirurgie bei Adipositas          

Alle Operationen werden bei uns in Schlüsselloch-Technik, d.h. ohne große Schnitte, durchgeführt. Durch diese sehr schonende Operationsmethode (Minimalinvasive Chirurgie, MIC) können wir das Risiko auf ein Minimum reduzieren. Dadurch verläuft die Genesung mit deutlich weniger Schmerzen, die Nahrungsaufnahme ist unkomplizierter, die Patienten sind schneller wieder fit und können eher nach Hause entlassen werden.

Überblick der Operationen bei Adipositas

Die Auswahl einer Operationsmethode bei Adipositas hängt von individuellen Faktoren ab. Die verschiedenen Methoden bieten die Möglichkeit, das operative Verfahren optimal an die Umstände und Bedürfnisse des Patienten anzupassen. Dabei spielen sowohl der BMI und die Begleiterkrankungen als auch die Einstellung des Patienten zu einer bestimmten Operationsmethode eine wesentliche Rolle. Gemeinsam mit dem Patienten stimmen wir eine individuelle und damit erfolgversprechende Operationsmethode zur Gewichtsreduktion ab.

Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie, SG)

Zur Herstellung eines Schlauchmagens wird der Magen in Längsrichtung durchtrennt. Der größere Teil des Magens wird entfernt. Aus dem kleinen Restmagen (ca. 120 ml) wird ein enger Schlauch gebildet (Sleeve), durch den die Nahrungspassage nur noch sehr langsam möglich ist und dadurch weniger Nahrungsmenge aufgenommen werden kann. Außerdem wird das Hungergefühl deutlich verringert, da ein Hormon Ghrelin, das den Hunger vermittelt, größtenteils in dem entfernten Magenteil produziert wird.

In bestimmten Situationen, z.B. bei extremer Adipositas, ist der Schlauchmagen auch als Erstoperation sehr gut geeignet, da er sich später nach Gewichtsreduktion problemlos in einen RY-Magenbypass, Omega-Loop-Bypass oder andere Bypassverfahren umwandeln lässt. Weniger gut geeignet ist der Schlauchmagen bei gleichzeitig bestehendem Sodbrennen (Refluxkrankheit).

Nach fünf Jahren beträgt die Reduktion des Übergewichtes ca. 50%.

RY-Magenbypass (RYGB)

Der RY-Magenbypass wurde bis vor wenigen Jahren als der „Goldstandard“ in der Adipositaschirurgie bezeichnet. Im Gegensatz zum Schlauchmagen handelt es sich um einen umfangreicheren Eingriff, bei dem der Weg der Nahrung durch den Magen und Dünndarm verändert wird. Der Magen wird unterhalb des Mageneingangs durchtrennt, sodass ein sogenannter „Magenpouch“ (eine Tasche, die ca. 20 ml fasst) gebildet werden kann. Dadurch ist die Nahrungsaufnahme erheblich begrenzt. Um die Nahrungspassage wieder herzustellen, wird der obere Dünndarm durchtrennt. Eine Schlinge (alimentäre Schlinge) wird zum Magenpouch hochgezogen und an diesen angeschlossen. Die andere Schlinge, durch die die Verdauungssäfte fließen (biliopankreatische Schlinge), wird in einen ca. 150 cm weiter unten liegenden Dünndarmabschnitt geleitet. Der verbleibende gemeinsame Dünndarmabschnitt ist so zur Aufnahme und Verdauung der Nahrung deutlich verkürzt. Durch die Veränderung der Nahrungspassage kommt es zu eingreifenden hormonellen Veränderungen, die sich insbesondere positiv auf eine diabetische Stoffwechsellage auswirken.

Besonders geeignet ist der RY-Magenbypass bei Patienten, die an Sodbrennen (Refluxkrankheit) leiden. Bedingt durch die Durchtrennung des Magens schon am Mageneingang kann kaum noch Magensäure zurück in die Speiseröhre fließen und zur Refluxkrankheit führen.

Beim RY-Magenbypasses ist eine lebenslange Substitution mit Nahrungsergänzungsmitteln notwendig. Durch die funktionelle Ausschaltung eines Teiles des oberen Dünndarmes können bestimmte Vitamine und Mikronährstoffe, z.B. die Vitamine B1, B12 und D, Folsäure und Eisen nur noch ungenügend aufgenommen werden. Zur Substitution stehen verschiedene, speziell für einen RY-Magenbypass angepasste Nahrungsergänzungsmittel zur Verfügung.

Nach fünf Jahren beträgt die Reduktion des Übergewichtes ca. 61% und ein Diabetes mellitus Typ II ist in 75% der Fälle gebessert oder in Remission.

Omega-Loop-Magenbypass (MGB)

Der Omega-Loop-Magenbypass hat sich in den letzten Jahren immer mehr etabliert und stellt eine Bereicherung der operativen Möglichkeiten neben dem Schlauchmagen und dem RY-Magenbypass dar. Damit lässt sich die operative Therapie noch besser an die individuellen Gegebenheiten anpassen. Beim Omega-Loop-Magenbypass wird die Nahrungspassage ähnlich wie beim RY-Magenbypass so verändert, dass die Nahrung vom Magen gleich in den unteren Dünndarm geleitet wird, also am Zwölffingerdarm (Duodenum) und oberen Dünndarm vorbei. Der Magen wird durchtrennt, wobei der entstehende Magenpouch (Tasche) größer als beim RY-Magenbypass ist und einem kleinen Schlauchmagen ähnelt. An den Magenpouch wird eine ca. 200 cm weiter unten liegende Dünndarmschlinge seitlich angeschlossen.

Dadurch, dass nur eine Verbindung (Anastomose), zwischen Magenpouch und Dünndarm erforderlich ist, ist das operative Risiko im Gegensatz zum RY-Magenbypass etwas geringer, und auch bei sehr übergewichtigen Menschen lässt sich der Omega-Loop-Magenbypass in der Regel noch anlegen.

Bei diesem Verfahren ist ein Übertritt von Gallensäuren in den Magenpouch möglich, was zu Sodbrennen führen kann. Durch die funktionelle Ausschaltung eines größeren Teils des oberen Dünndarmes als beim RY-Magenbypass können Mangelzustände an bestimmten Vitaminen und Mikronährstoffen, z.B. Vitamin B1, B12 und D, Folsäure und Eisen, eher auftreten als beim RY-Magenbypass.

Nach fünf Jahren beträgt die Reduktion des Übergewichtes ca. 73%. Insgesamt scheinen die Ergebnisse in Bezug auf die Reduktion des Übergewichtes und auf die Besserung eines Diabetes Typ II vergleichbar oder leicht besser als die Ergebnisse des RY-Magenbypasses und des Schlauchmagens.

Biliopankreatische Diversion (BPD)

Ähnlich wie beim RY-Magenbypass wird bei der Biliopankreatischen Diversion nach Durchtrennung des Magens ein Pouch (eine Tasche) gebildet. Um die Nahrungspassage wieder herzustellen, wird der Dünndarm sehr weit unten durchtrennt. Eine Schlinge (alimentäre Schlinge) wird zum Magenpouch hochgezogen und an diesen angeschlossen. Die andere Schlinge, durch die die Verdauungssäfte fließen (biliopankreatische Schlinge), wird ebenfalls in einen sehr weit unten liegenden Dünndarmabschnitt geleitet. Der verbleibende gemeinsame Dünndarmabschnitt zur Verdauung und Aufnahme der Nährstoffe ist bei diesem Verfahren extrem kurz, teilweise nur noch 50 cm.

Die Biliopankreatische Diversion hat die höchste Erfolgsquote von allen operativen Eingriffen bei Adipositas.

Ein gravierender Nachteil ist jedoch der ausgeprägte Verlust von Nährstoffen, bedingt durch die nur noch sehr kurze gemeinsame Dünndarmstrecke. Ebenso können wichtige Medikamente eventuell nicht mehr genügend aufgenommen werden. Die Lebensqualität wird durch häufige Fettstühle eingeschränkt. Auf Grund dieser Nachteile hat sich die Biliopankreatischen Diversion nicht durchgesetzt.

Biliopankreatische Diversion mit Duodenal-Switch (BPD-DS)

Die Biliopankreatische Diversion mit Duodenal-Switch ähnelt, wie der Name schon sagt, der Biliopankreatischen Diversion. Die Operation wird häufig in zwei Schritten durchgeführt. Bei der ersten Operation wird, besonders bei Menschen mit einem sehr hohen BMI, ein Schlauchmagen gebildet. Ist die Reduktion des Übergewichtes oder die Besserung eines Diabetes mellitus Typ II nicht ausreichend, kann in einer weiteren Operation eine Umwandlung zu einem Duodenalswitch vorgenommen werden. Dazu wird der Zwölffingerdarm durchtrennt. Um die Nahrungspassage wieder herzustellen, wird der Dünndarm weit unten durchtrennt, allerdings nicht so weit wie bei der Biliopankreatischen Diversion ohne duodenalen Switch. Eine Schlinge (alimentäre Schlinge) wird zum durchtrennten Zwölffingerdarm (Duodenum) hochgezogen und an diesen angeschlossen. Die andere Schlinge, durch die die Verdauungssäfte fließen (biliopankreatische Schlinge), wird ebenfalls in einen weit unten liegenden Dünndarmabschnitt geleitet. Der verbleibende gemeinsame Dünndarmabschnitt zur Verdauung und Aufnahme der Nährstoffe ist bei diesem Verfahren 100 cm lang.  

Die Biliopankreatische Diversion mit duodenalem Switch hat sehr gute Ergebnisse in Bezug auf viele Folgeerkrankungen des Übergewichtes, insbesondere auf die Reduktion des Übergewichtes und die Remission eines Diabetes mellitus Typ II.

Wie bei der Biliopankreatischen Diversion ohne duodenalen Switch bestehen auch hier gravierende Nachteile durch den ausgeprägten Verlust von Nährstoffen, bedingt durch die nur noch kurze gemeinsame Dünndarmstrecke. Auch die Biliopankreatischen Diversion mit duodenalem Switch hat sich nicht durchgesetzt und wird international nur selten angewendet.

Alternativ kann bei diesem Eingriff – nach dem Schlauchmagen – in der zweiten Operation die Nahrungspassage auch durch eine „Einschlingenrekonstruktion“ wie bei einem Omega-Loop-Bypass erfolgen (SADI-S Operation). Dabei verbleiben 250 cm als gemeinsamer Dünndarmabschnitt zur Verdauung und Aufnahme der Nährstoffe. Dadurch fallen die Nährstoffverluste im Langzeitverlauf geringer aus als bei einer Biliopankreatischen Diversion mit oder ohne duodenalem Switch. Aussagekräftige Langzeitergebnisse liegen hierzu allerdings nicht vor.

Verstellbares Magenband

Das verstellbare Magenband ist der einfachste und risikoärmste Eingriff bei Adipositas. Dabei wird um den Mageneingang ein Band aus Silikon gelegt, sodass ein kleiner Vormagen (Pouch) mit einem Volumen von ca. 25 ml und ein größerer Restmagen unterhalb des Magenbandes entsteht. Die Weite des Durchganges vom Vormagen zum Restmagen kann nach der Operation individuell eingestellt werden. Durch die Einengung der Nahrungspassage (Restriktion) mit Hilfe des Magenbandes kann die Nahrung nur noch sehr langsam aufgenommen werden und das Sättigungsgefühl tritt schneller ein.

Nachteilig ist, dass im Langzeitverlauf schwere Komplikationen durch das Magenband auftreten können, die zu einer Entfernung des Bandes zwingen. Außerdem sind die Ergebnisse der Gewichtsreduktion deutlich schlechter als bei allen anderen Operationen.

Wir empfehlen die Anlage eines Magenbandes daher nicht.

Endoskopische Behandlungsverfahren (Magenballon)

Die Anlage eines Magenballons ist im eigentlichen Sinne keine Operation. Im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie) wird unter Beruhigungsmitteln (Sedierung, leichter Schlaf) ein Ballon in den Magen gelegt und mit ca. 500 ml Wasser gefüllt. Dadurch, dass der Magen bereits mit einem Ballon gefüllt ist, stellt sich schon nach einer geringen Nahrungsmenge ein Sättigungsgefühl ein. Der Magenballon muss nach sechs Monaten wieder entfernt werden. Die Ergebnisse in Bezug auf eine nachhaltige Gewichtsreduktion sind begrenzt.

Umwandlungsoperationen

Aus verschiedenen Gründen sind in zunehmendem Umfang Umwandlungsoperation erforderlich. Typische Eingriffe sind z.B. die Entfernung eines Magenbandes mit Anlage eines Omega-Loop-Magenbypasses oder die Umwandlung eines Schlauchmagens in einen RY-Magenbypass wegen Sodbrennens.

Speziell für Patienten mit Operationswunsch haben Ökotrophologinnen der Zentrale für Ernährungsberatung die Broschüre Essen und Trinken nach Adipositas-Operation entwickelt.

Die genauen Bedingungen für eine Adipositasoperation (hier steht das Übergewicht im Vordergrund) oder für eine Metabolische Operation (hier steht die Besserung eines Diabetes mellitus Typ II im Vordergrund) sind in einer medizinischen Leitlinie festgelegt. Zusätzlich fasst eine Patienten-Leitlinie die komplexen Themen allgemeinverständlich zusammen.

In unseren Sprechstunden beraten wir Sie gern, wir freuen uns auf Ihren Anruf.