Trigeminusneuralgie

TrigeminusneuralgieWenn Gesichtsschmerzen chronisch werden

Viele mögen die kälteren Monate ganz besonders und freuen sich auf die Tage, an denen ihnen der kalte Wind ins Gesicht pustet. Menschen, die an einer Trigeminusneuralgie – heftigste blitzartig einschießende, elektrisierende Schmerzen im Gesicht – leiden, sehen diesem Abschnitt des Jahres mit Ängsten entgegen. Doch worum handelt es sich bei der sogenannten Trigeminusneuralgie?

Der Name „Trigeminusneuralgie“ leitet sich zum Einen aus dem betroffenen fünften Hirnnerven, dem Nervus trigeminus ab – der Begriff „Neuralgie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet Nervenschmerz. Unterschieden wird zwischen der symptomatischen Trigeminusneuralgie (TN), welche beispielsweise bei einer Tumorerkrankung, einer Durchblutungsstörung oder auch bei Entzündungen und Multipler Sklerose vorkommt und der idiopathischen Trigeminusneuralgie. Bei der idiopathischen Form findet sich ursächlich meist ein pulsierendes Gefäß (Arteria cerebelli superior), welches gegen die Wurzel des Drillingsnerven im Bereich des Hirnstamms schlägt. Charakteristisch kommt es dadurch zu den blitzartig einschießenden Schmerzattacken im Bereich eines oder mehrerer Nervenäste. Diese Attacken dauern meist kaum länger als wenige Sekunden an, können jedoch von außerordentlicher Heftigkeit sein. Typische auslösende Faktoren sind Kauen, Zähneputzen, Sprechen und insbesondere auch Wind und Kälte. Schmerzfreie Intervalle sind möglich.

Dr. med. Elke Januschek ist Chefärztin der Neurochirurgischen Klinik und Ambulanz am Sana Klinikum in Offenbach. Sie betont: „Am Anfang steht natürlich die eindeutige Diagnose. Im Anamnesegespräch kann der typische Schmerzverlauf einem erfahrenen Arzt meist schon wesentliche Hinweise geben. Weiterführende, sorgfältige Untersuchungen wie beispielsweise eine Kernspintomografie (MRT), eine Bildgebung der Zähne und Kiefergelenke und in seltenen Fällen eine Untersuchung des Nervenwassers durch eine Lumbalpunktion können dem behandelndem Arzt und somit auch dem betroffenen Patienten dann eindeutige Klarheit bringen. So lässt sich klären, ob es sich um eine idiopathische Trigeminusneuralgie oder eine symptomatische Form der Trigeminusneuralgie handelt und die Schmerzen möglicherweise durch einen Tumor, durch MS oder als Folge anderer Erkrankungen hervorgerufen werden. Hier würde der Neurochirurg die entsprechenden Therapien umgehend einleiten.

Meist tritt die idiopathische Trigeminusneuralgie erst nach dem 40. Lebensjahr auf, und über 70 Prozent der Betroffenen sind sogar älter als 60 Jahre. Jährlich erkranken etwa 6 Frauen und 3 Männer pro 100.000 Menschen daran. Auch wenn die Trigeminusneuralgie also eher selten ist, haben sich doch Behandlungsmöglichkeiten etabliert, welche den Betroffenen helfen, wieder zu mehr Lebensqualität, wenn nicht sogar zu einem schmerzfreien Zustand zu gelangen. Dr. Januschek stellt klar: „Zu Beginn einer Therapie sollte immer ein medikamentöser Behandlungsversuch zum Beispiel mit der Gabe von Carbamazepin erfolgen. Sollten die Medikamente in der Wirkung nicht ausreichend sein, oder sind die Nebenwirkungen zu stark, besteht neben einer Thermokoagulation, Botox-Infiltration oder Bestrahlung auch die Möglichkeit, die Symptome durch eine Operation zu beseitigen.“ Bei der mikrovaskulären Dekompression nach Jannetta beseitigt der Neurochirurg den Gefäß-Nerven-Kontakt durch ein präzises Platzieren eines Teflon-Patches zwischen Nerv und Gefäß und damit die Ursache der heftigen Schmerzen. Hierbei wird mit feinsten Instrumenten unter dem OP-Mikroskop gearbeitet. Die Operation dauert knapp drei Stunden und die Patienten bemerken bereits in den nächsten Tagen eine Schmerzlinderung. Über die nächsten Wochen gilt es jedoch noch das sogenannte Schmerzgedächtnis zu überwinden, weshalb auch nicht sofort alle Schmerzmittel abgesetzt werden, so Dr. Januschek. Die Erfolgsquote des Eingriffs ist mit etwa 95 Prozent sehr gut. In Deutschland findet dieser Eingriff nur an wenigen spezialisierten Kliniken, so auch am Sana Klinikum Offenbach.

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Dr. med. Elke Januschek

Dr. Elke Januschek

Chefärztin der Neurochirurgischen Klinik und Ambulanz, Sana Klinikum Offenbach

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