„Besonders in dieser Welt“
Orthopädentag mit über 100 Ärzten am Krankenhaus Rummelsberg durchgeführt
Der Orthopädentag am Krankenhaus Rummelsberg hat eine jahrzehntelange Tradition und ist ein fester Bestandteil zu Jahresbeginn im Kalender von Ärzten aus der Region. Über 100 Mediziner folgten der Einladung des Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Richard Stangl in ein Krankenhaus, welches „schon besonders ist in dieser Welt“. Davon zeugten die speziellen Fälle und Versorgungen, die vorgestellt wurden, auch wenn man nicht nur eine Fachklinik mehr sei, sondern mittlerweile das Leistungsspektrum auch darüber hinaus gehe, so Stangl.
Zusammen mit Dr. Stefan Klug, seines Zeichens stellvertretender Landesvorsitzender Bayerns des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V., begrüßte Stangl die Anwesenden, darunter Hausärzte, Fachärzte, Therapeuten und Pflegepersonal – aber auch Vertreter der Industrie. Klug thematisierte die Entwicklung in der Orthopädie und dass sich hier sehr viel getan habe. „Von minimalinvasiver Gelenkchirurgie, über Knorpelersatz bis hin zur Bildgebung hat sich in 100 Jahren sehr viel getan. Leider werden unsere Handlungsspielräume weniger, bewährte Medikamente fallen weg, die Wirtschaftlichkeit prägt uns und die IT sorgt für keinen Produktionsfortschritt. Im Gegenteil: Sie ist ein Zeitfresser“, so Klug. Dabei rechnete er vor, dass eine Arztpraxis von 250 Arbeitstagen im Jahr allein 65 Arbeitstage mit Dokumentationspflichten beschäftigt sei.
Steigende ambulante Zahlen werden kritisch gesehen
Geschäftsführer Frank Stauch stellte die Entwicklung der Klinik vor, wo 2025 insgesamt 13.266 stationäre Fälle versorgt wurden – davon allein 7.000 in der Orthopädie und Unfallchirurgie. Auch die ambulanten Operationen nahmen zu. Im Vergleich zum Vorjahr um knapp 34 Prozent. „Eine Entwicklung, die von der Politik so gewollt ist, die wir aber kritisch sehen, da diese Fälle nicht wirtschaftlich erbracht werden können.“ Der Klinikchef thematisierte darüber hinaus die sektorengleiche Vergütung durch Hybrid-DRGs und zeigte auf, dass die Anzahl von 2024, wo es erst zwölf Hybrid-DRGs und 244 OPS-Codes waren, mittlerweile auf 69 bzw. 904 gestiegen ist. „Durch die Ausweitung möchte die Politik zwei Millionen Fälle ambulantisieren.“
Kontrolltermine bei Kindern in der Corona-Pandemie vernachlässigt
Im fachlichen Teil eröffnete Chefarzt Dr. Michael Wachowsky, der im Falle von X- und O-Beinen auf die Wachstumslenkung bei Kindern und Jugendlichen einging. Sein Credo: „Mädchen sollten im Alter von 11 und 12 Jahren vorstellig werden, Jungen wollen wir im Alter von 12 und 13 Jahren sehen.“ Der richtige OP-Zeitpunkt ist entscheidend für den Erfolg. In der Corona-Pandemie seien viele Kontrolltermine nicht wahrgenommen worden, was sich immer mehr zeige. Chefarzt-Kollege Prof. Dr. Dr. Wolf Drescher gab ein Update zur Knie-Endoprothetik. Die exakte Positionierung des Implantats sei von größter Bedeutung. In einer vorgestellten Studie aus Texas zeige sich, dass bei zu viel Innenrotation die Wahrscheinlichkeit auf Knieschmerzen nach Implantation deutlich zunehme und die Standzeiten, also die Halbwertszeit von Prothesen, abnehme. An der Klinik in Rummelsberg wirke man dagegen, in dem statt eines symmetrischen Tibia-Kopfes ein assymmetrischer eingebaut werde. Zudem soll es im neuen OP ein Robotik-System geben. „Die Robotik ist eine sinnvolle Weiterentwicklung der Knie-Navigation, benötigt aber neben einem finanziellen Investment auch Zeit.“ Dr. Alfred Tylla ging auf die Korrektur von Deformitäten beim Knie ein und betonte auch hier, dass die Winkel korrekt sein müssen bzw. exakt gemessen werden muss. Die Arthroskopie ermöglicht eine exakte Indikationsüberprüfung, dazu brauche es eine vollständige Deformitätenanalyse und eine ausführliche Planung.
Bei Hallux valgus: Nicht nur die Deformität korrigieren, auch den Knorpel ersetzen
PD Dr. Lars Eden widmete sich der Ruptur der Bizepssehne. Ein Phänomen, welches nahezu ausschließlich Männer im Durchschnittsalter von 47 Jahre treffe. Bei einem Riss sei eine Operation das Mittel der Wahl, auch wenn Komplikationen auftreten können und die Flexions- und Supinationskraft danach reduziert sei. „Da aber in der Regel der dominierende Arm betroffen ist und hier in der Regel die Kraft höher ist, kann das vernachlässigt werden“, so Eden. Den ersten Vortragsteil komplettierte Prof. Dr. Martinus Richter, der eine neue Leitlinie bei der Behandlung des Hallux valgus vorstellte. Gleichzeitig betonte Richter die Vorgehensweise in Rummelsberg, dass neben der Korrektur der Deformität auch der Knorpel ersetzt werde. „Knorpelersatz verbessert nachweislich die Gelenkfunktion. Die Arthrose wird durch die reine Korrektur nicht besser. Aus diesem Grund machen wir immer beide Schritte zusammen“, so Richter.
Knochenbrüche rund um ein künstliches Gelenk ein großes Problem im Gesundheitswesen
Warum Rummelsberg so besonders ist, wurde auch im Vortrag von Dr. Murat Yörük deutlich. Der leitende Oberarzt präsentierte Fälle, die keine normale Wechselendoprothetik mehr darstellen, sondern als Spezialfälle gelten. Hier wird nicht nur das Gelenk, sondern ganze Teile im Becken ersetzt. Die Klinik von Chefarzt Dr. Lenz ist in ihrem Bereich deutschlandweit führend und bei vielen Spezialimplantaten weltweit Hauptanwender. Prof. Dr. Mario Perl, Direktor der unfallchirurgischen Klinik und orthopädischen Chirurgie vom Universitätsklinikum Erlangen, präsentierte Neuerungen und Möglichkeiten der 3D-Bildgebung. Dabei stellte er einen selbstfahrenden 3D-Bildwandler im OP vor, der in Zusammenarbeit mit Siemens entwickelt wurde. „Dadurch gibt es wesentliche Vorteile. Zum einen ist es eine enorme Zeitersparnis, da auch das Reinbringen via Knopfdruck passiert, man spart sich das Personal für die Bedienung und das Gerät kommt mit weniger Strahlung aus“, so Perl. Chefarzt PD Dr. Uwe Vieweg nutzte die Veranstaltung zum Netzwerken und stellte sein Team und die Zugangswege zu seiner Klinik den niedergelassenen Ärzten vor und welche Indikationen von der Klinik für chirurgische und konservative Wirbelsäulentherapie behandelt werden. Zum Abschluss des Orthopädentages thematisierte Gastgeber Stangl die periprothetischen Frakturen, also Knochenbrüche rund um ein künstliches Gelenk. „Wir steuern hier auf eine große Katastrophe im Gesundheitswesen zu, da die Zahlen rasant steigen und nicht jede Klinik das abdecken kann“, so Stangl. Allein in den vergangenen zehn Jahren gäbe es einen deutschlandweiten Anstieg um 500 Prozent. Viele Faktoren wie Stabilität und Funktion vor der Fraktur, Co-Morbidität und Mobilität, Knochenqualität und Osteoporose-Management seien hier zu beachten. Zudem muss der Unfall im besten Fall innerhalb von drei Tagen versorgt werden. „Eine enge Zusammenarbeit zwischen Niedergelassenen und Klinik wäre hier wünschenswert. Insbesondere wenn es um Frakturen zwischen zwei im selben Knochen einliegenden Prothesen geht, ist ein osteoanaboles Management bei Osteporose zum Knochenaufbau dringlich geboten,“, so Stangl.
Zahlreiche Vertreter aus der Industrie präsentierten im Anschluss ihre Produkte rund um die Mobilität und den Mobilitätserhalt. Zudem wurden in einer Posterausstellung besondere Fälle dargestellt, die am Krankenhaus Rummelsberg versorgt wurden. Damit schloss sich auch der Kreis zu den eingangs erwähnten Worten von Prof. Stangl: „Ein Krankenhaus, das schon besonders ist in dieser Welt.“
Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen: Die hohe Expertise im Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie am Krankenhaus Rummelsberg war beim Orthopädentag mit über 100 niedergelassenen Ärzten und Fachärzten allgegenwärtig.
Über das Krankenhaus Rummelsberg
Das Krankenhaus Rummelsberg, in der Trägerschaft der Sana Kliniken AG, verfügt über 350 Betten und ist südöstlich von Nürnberg gelegen. Das Lehrkrankenhaus der Universität Erlangen-Nürnberg ist in den Fachbereichen Orthopädie und Unfallchirurgie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Neurologie, Innere Medizin und Geriatrische Rehabilitation weit über die Grenzen der Metropolregion Nürnberg-Fürth-Erlangen hinaus bekannt und spezialisiert. Medizinische und pflegerische Fachkompetenz prägen die Arbeit im Krankenhaus Rummelsberg. Rund 13.500 stationäre und 23.000 ambulante Patienten werden hier jährlich versorgt. Zwischen 2023 und 2027 wird das bisherige Wichernhaus durch ein hochmodernes Klinikgebäude ersetzt. Die Baumaßnahme in Höhe von 140 Millionen Euro wird teilweise durch den Freistaat Bayern gefördert. Mehr Informationen unter www.krankenhaus-rummelsberg.de.