Ismaning,
07
September
2026
|
14:00
Europe/Amsterdam

Einfach mal führen – die zweite

Zusammenfassung

In der f&w Kolumne "Vorstandsvorlage beschäftigt sich Sana CEO Thomas Lemke mit den Auswirkungen des GKV-Spargesetzes und unserem neuen Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann.

Thomas Lemke, Vorstandsvorsitzender der Sana Kliniken AG, Chief Executive Officer (CEO)

Die Realität holt uns oft schneller ein, als wir denken. So erging es mir beim Schreiben dieses Beitrags, als ich einen Blick auf meine Kolumne aus dem Frühjahr warf. Sie trug den Titel „Einfach mal führen“ – angelehnt an den Slogan des damaligen CDU-Generalsekretärs Dr. Carsten Linnemann im Bundestagswahlkampf 2025. Heute ist eben jener Linnemann Bundesgesundheitsminister.

Nach den „Vorarbeiten“ seiner beiden Vorgänger Karl Lauterbach und Nina Warken – Klinikreform, KH-Anpassungsgesetz, GKV-Spargesetz – könnte Linnemann nun die Gestaltungsspielräume seines Amtes nutzen und überfällige Strukturreformen anpacken. Bei der Amtsübergabe kündigte er an, das Gesundheitswesen besser und effizienter machen zu wollen.

Als Verantwortliche in den Kliniken hören wir das gerne. Entscheidend sind jetzt Taten. Mit dem GKV-Spargesetz und pauschalen Erlöskürzungen allein wird unser Gesundheitssystem nicht zukunftsfest. Effizienz bedeutet weniger Bürokratie und mehr Gestaltungsspielraum – nicht nur für den Minister, sondern vor allem für die Kliniken vor Ort. Auf dem Tisch liegen 50 Vorschläge der DKG zum Bürokratieabbau, insbesondere zu Vorgaben ohne nachgewiesenen medizinischen oder versorgungstechnischen Mehrwert.

Gestaltungsspielraum brauchen wir zurück, um unter den drastischen Sparvorgaben die Versorgung effizient, bedarfsgerecht und qualitativ hochwertig zu organisieren – idealerweise sektorübergreifend. Einfach nur Erlöse zu streichen, ohne gleichzeitig die notwendigen Instrumente zur effizienten Umsetzung in der Hand zu haben, wird nicht gelingen. Linnemann hat vollen Einsatz für ein effizientes Gesundheitswesen zugesagt. Nehmen wir ihn in den kommenden Monaten beim Wort.

Hoffnung macht auch dies: Ökonomische Prinzipien könnten an Gewicht gewinnen. Linnemann ist Betriebs- und Volkswirt, überzeugter Marktwirtschaftler. In einem System begrenzter Ressourcen sind ökonomisches Denken und Handeln unverzichtbar. Gerade dort, wo kleinteilige staatliche Vorgaben auf marktwirtschaftlich organisierte Bereiche wie Pharma, IT und MedTech treffen, besteht erheblicher Handlungsbedarf.

„Einfach mal machen“ – wir dürfen gespannt sein, wie Linnemann diesen Anspruch im Gesundheitswesen mit Leben füllt. Die nächsten regulatorischen Großprojekte stehen an: Notfallreform, Pflegereform, Strukturreform und Digitalisierung. Idealerweise werden sie an ein klares Zielbild für das Gesundheitssystem und die Versorgung der Zukunft geknüpft.

Seinen ersten Auftritt im Bundesgesundheitsministerium schloss Linnemann mit den Worten: „Ich bin motiviert und wir packen das, aber nur gemeinsam.“ Wenn dieses „Gemeinsam“ ausdrücklich Leistungserbringer und Kostenträger einschließt, dann: Herzlich willkommen im Gesundheitswesen, Herr Minister!

Dieser Beitrag ist im September 2026 im Fachmagazin f&w  “führen wirtschaften im Krankenhaus” erschienen.