Bewusstsein schaffen für gesunde Atemwege
Rummelsberger Lungentag stand im Zeichen der Prävention
Ein gesunder Lebensstil kann Lungenerkrankungen vorbeugen und moderne Medizin hilft, Risiken frühzeitig zu erkennen. Bei der zweiten Auflage des Rummelsberger Lungentages drehte sich alles um das Thema Prävention. Fachpublikum, Patienten, Angehörige und Interessierte folgten der Einladung von Dr. Dietmar Geiger, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Pneumologie und Akutgeriatrie, ans Krankenhaus Rummelsberg.
Erkrankungen wie chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Asthma oder Lungenkrebs nehmen weltweit zu. Deshalb betonte Chefarzt Geiger in seiner Begrüßung die Wichtigkeit von vorbeugenden Maßnahmen. Für ihn steht fest: „Neben der medizinischen Versorgung muss der Fokus stärker auf frühzeitige Aufklärung und Gesundheitsförderung gerichtet werden. Genau deshalb gibt es den Lungentag am Krankenhaus Rummelsberg.“ Ein Schwerpunkt lag dabei auf Bewegung als präventiv wirksame Maßnahme. Sabine Koch, Therapieleitung der Klinik, machte deutlich, dass es keine großen sportlichen Ambitionen braucht: „Es muss nicht gleich Sport im Fitnessstudio sein. Tägliches Spazierengehen kann die Lebenserwartung um drei Jahre erhöhen.“
Praktische Impulse für die Lebensführung
Einen nachdrücklichen Impuls setzte Dr. Stefan Meißner mit seinem Vortrag zur Raucherentwöhnung. Mit dem provokanten Titel „Rauchen Sie weiter. Sie entlasten die Rentenkasse““ gelang es ihm zum Nachdenken anzuregen. Hinter der überspitzten Formulierung steckte eine klare Botschaft: Rauchen ist tödlich – nicht nur für die Lunge. Was Essverhalten mit der Lunge zu tun hat, machte Beate Stadtländer von n:aip in ihrem Vortrag deutlich. Eine unausgewogene Ernährung führt nicht nur zu Übergewicht und Diabetes, sondern wirkt sich direkt negativ auf das Lungenkreislaufsystem aus. Auch Mangelernährung oder Vitamindefizit können die Immunabwehr schwächen und die Anfälligkeit für Atemwegserkrankungen erhöhen.
Früherkennung, Allergiebehandlung und Impfschutz
Wie Allergien gezielt behandelt werden können, zeigte Dr. Kristina Benedict von der Firma ALK-Abelló Arzneimittel in ihrem Vortrag zur spezifischen Immuntherapie. Anders als viele Medikamente, die lediglich Symptome lindern, setzt diese Behandlung direkt an der Ursache an und kann bei konsequenter Anwendung die Beschwerden langfristig deutlich reduzieren. Besondere Herausforderungen sieht Benedict im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Da viele Pflanzen inzwischen früher blühen, verschiebt sich auch die Pollensaison, was es für Allergiker schwieriger macht.
Dr. Stephan Ellmann vom Radiologischen Zentrum Nürnberg widmete sich in seinem Vortrag der Früherkennung von Lungenkrebs. Etwa 57.000 Menschen erkranken hierzulande jedes Jahr neu, rund 45.000 sterben jährlich an den Folgen. Der Grund: „In den meisten Fällen wird der Tumor erst in einem späten Stadium entdeckt, wenn die Heilungschancen bereits gering sind,“ so Ellmann, der eine mögliche Lösung im sogenannten Low-Dose-CT sieht, einer bildgebenden Untersuchung mit geringer Strahlenbelastung. Tumoren können damit frühzeitig sichtbar gemacht werden – noch bevor Symptome auftreten.
Mechthild Gimlik-Brös, Netzwerkpartnerin des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands, stellte das zertifizierte Asthmacamp in Berchtesgaden vor. Die zweiwöchige Schulung für Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren findet auf 1.000 Höhenmetern statt. Ziel ist es, den Teilnehmenden medizinisches Wissen zu vermitteln, den Umgang mit Medikamenten und Inhalationshilfen zu festigen und sie im Alltag sicherer im Umgang mit ihrer Erkrankung zu machen.
Ein eher unbekanntes Thema sprach Logopäde Felix Jandausch an: Die Aspirationspneumonie, eine Lungenentzündung, die durch das versehentliche Einatmen von Nahrung, Flüssigkeiten oder Speichel entsteht. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Patienten mit neurologischen Erkrankungen, bei denen die Schluckfunktion eingeschränkt ist. Jandausch verdeutliche anschaulich, wie durch gezielte logopädische Maßnahmen das Risiko einer Aspiration gesenkt werden kann. Dazu gehören unter anderem Schlucktherapien, Muskelaufbauübungen, eine angepasste Lagerung beim Essen sowie individuell abgestimmte Kostformen.
Zum Abschluss richtete sich der Blick auf den Schutz vor Infektionskrankheiten. Tina Schmitt vom Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline gab in ihrem Vortrag „6 Richtige plus Zusatzzahl“ einen Überblick über die aktuellen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission. Schmitt erklärte anschaulich, wie Impfungen funktionieren und warum sie neben gesunder Ernährung, Bewegung und Rauchverzicht ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsprävention sind. Gastgeber Geiger ergänzte den Vortrag mit Hinweisen zur individuellen Impfplanung für Patienten mit Lungenerkrankungen. „Natürlich sind Impfungen nie völlig risikofrei – aber der Nutzen überwiegt deutlich, besonders bei Menschen mit erhöhtem Risiko.“ Für ihn gehört Impfschutz daher ebenso zur Prävention wie Bewegung, Ernährung und Aufklärung.
Therapie zum Anfassen
Im praktischen Teil des Lungentags konnten Besucher ihr Wissen vertiefen und sich Atemtechniken und bestimmte Körperhaltungen aneignen, die bei einem Asthmaanfall Erleichterung bringen. Die Sportvereine ATV 1873 Frankonia Nürnberg und Post SV Nürnberg waren mit aktivierenden Mitmachangeboten ebenfalls vor Ort. Bewegung im Atemrhythmus, Mobilisation der Brustkorbmuskulatur und gezielte Lungensportübungen konnten hier aktiv ausprobiert werden.
Neben den Fachvorträgen und interaktiven Workshops gab es parallel eine umfangreiche Messeausstellung. Zu den teilnehmenden Firmen zählten Hans Müller HMP Medizintechnik, IfM GmbH, Löwenstein Medical SE & Co. KG, Medigroba GmbH, n:aip Deutschland GmbH, ResMed Healthcare, TNI medical, Vivisol Deutschland GmbH, Berlin-Chemie AG, CHIESI GmbH und GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG. Die Firmen präsentierten Technologien zur Diagnose und Behandlung von Atemwegserkrankungen. Technisch interessierte Gäste konnten am Bronchoskopie-Modell das Innenleben der Lunge erkunden oder sich mithilfe von Augmented Reality über Veränderungen an der Lunge durch COPD informieren.
Wie moderne Technik zur Gesundheitsvorsorge beiträgt, zeigte sich beim Rummelsberger Lungentag: Besucher konnten Atemtherapiehilfen wie eine Vollgesichtsmaske testen und sich über Möglichkeiten der Früherkennung und Behandlung von Atemwegserkrankungen informieren.
Über das Krankenhaus Rummelsberg
Das Krankenhaus Rummelsberg, in der Trägerschaft der Sana Kliniken AG, verfügt über 350 Betten und ist südöstlich von Nürnberg gelegen. Das Lehrkrankenhaus der Universität Erlangen-Nürnberg ist in den Fachbereichen Orthopädie und Unfallchirurgie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Neurologie, Innere Medizin und Geriatrische Rehabilitation weit über die Grenzen der Metropolregion Nürnberg-Fürth-Erlangen hinaus bekannt und spezialisiert. Medizinische und pflegerische Fachkompetenz prägen die Arbeit im Krankenhaus Rummelsberg. Rund 13.000 stationäre und 23.000 ambulante Patienten werden hier jährlich versorgt. Zwischen 2023 und 2027 wird das bisherige Wichernhaus durch ein hochmodernes Klinikgebäude ersetzt. Die Baumaßnahme in Höhe von 150 Millionen Euro wird teilweise durch den Freistaat Bayern gefördert. Mehr Informationen unter www.krankenhaus-rummelsberg.de.