Ismaning/Coburg,
14
Mai
2025
|
07:00
Europe/Amsterdam

Chronische Kopfschmerzen und Migräne: Warum werden sie so oft falsch behandelt?

Zusammenfassung

Es pocht, dröhnt und hämmert – Kopfschmerzen kennen die meisten Menschen. Doch die Ursachen sind sehr unterschiedlich. Daher werden Kopfschmerzen in vielen Fällen erst spät richtig diagnostiziert. Zudem nehmen Betroffene häufig in Eigenregie bedenkenlos Schmerzmittel ein. Experten sprechen von „Unterdiagnose“ und „Überbehandlung“ in der Therapie chronischer Kopfschmerzen und Migräne. 

Dr. Klaus Post, Sana Kliniken Oberfranken

Kopfschmerzen sind nicht gleich Kopfschmerzen. Es gibt zahlreiche verschiedene Formen, die in der internationalen Klassifikation von Kopfschmerz-Erkrankungen definiert sind. Experten unterscheiden mehr als 200 verschiedene Arten. Die folgende grundlegende Einteilung ist sehr wichtig:

  • Kopfschmerzen als eigenständige Erkrankung (primäre Kopfschmerzen), zum Beispiel Migräne, Spannungskopfschmerzen und Clusterkopfschmerzen.
  • Kopfschmerzen als Begleiterscheinung einer anderen Krankheit (sekundäre Kopfschmerzen), zum Beispiel nach Verletzungen oder Infektionen und als Nebenwirkung von Medikamenten.

Dr. Klaus Post, Chefarzt am Schmerzzentrum der Sana Kliniken Oberfranken in Coburg, erklärt: „Betroffene mit mehr als zehn Kopfschmerztagen, die jeden Monat wiederkehren, sollten sich ärztlich beraten lassen und sich gegebenenfalls in einer spezialisierten Einrichtung wie einer Kopf-/Schmerzambulanz vorstellen. Nur mit der richtigen Diagnose ist eine personalisierte und wirksame Therapieplanung möglich.“

Kopfschmerzdokumentation liefert wichtige Hinweise

Zur Diagnosestellung erfragt der Arzt oder die Ärztin zunächst die Krankengeschichte und erstellt eine ausführliche Anamnese. Ein Kopfschmerztagebuch – entweder klassisch auf Papier oder digital – ist sehr hilfreich, da es wertvolle Informationen über den Verlauf und die Häufigkeit der Kopfschmerzen liefert. 

Klaus Post sieht Patienten mit chronischen Kopfschmerzen und Migräne regelmäßig in seiner Sprechstunde: „Kopfschmerzen gehören wie Rückenbeschwerden zu den häufigsten chronisch-wiederkehrenden Krankheitsbildern. Etwa elf Prozent der Deutschen leiden an einer Migräne, Frauen sind dabei dreimal häufiger betroffen als Männer, so die Auswertung des Barmer Instituts für Gesundheitssystemforschung.“ Insbesondere chronische Kopfschmerzen haben erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität, das soziale Leben und den Beruf. 

Personalisierte Therapie bei Kopfschmerzen

Sobald die richtige Diagnose gestellt ist, können Spezialisten wie Klaus Post einen individuellen Therapieplan erstellen: „Neben der akuten Behandlung von Migräneattacken, können wir Migränekopfschmerzen mittlerweile sehr gut mit Medikamenten vorbeugen“, so der Schmerzexperte aus Coburg. Patientinnen und Patienten sollten sich auch über nicht-medikamentöse Therapieverfahren informieren und ihren Arzt oder ihre Ärztin fragen. Die Wirksamkeit ist teilweise wissenschaftlich sehr gut belegt. „Von Antikörpertherapie bis Yoga – wir setzen das richtige Verfahren zum richtigen Zeitpunkt bei chronischen Kopfschmerzen ein“, erklärt Klaus Post.

Ein wichtiger Aspekt ist zudem die Analyse des beruflichen Umfeldes. „In Bezug auf die Anforderungen im Job gibt es verschiedene Risikofaktoren“, erklärt der Schmerzexperte, „dazu gehören zum Beispiel Schichtarbeit, häufige Reiseaktivität, ein hoher Lärmpegel, die Arbeit im Großraumbüro sowie langandauerndes Arbeiten am Bildschirm.“ Auch wenn sich nicht alles vermeiden lässt, gibt es in vielen Fällen nach Absprache mit dem Arbeitgeber Möglichkeiten zur Reduzierung der Belastungen.

Praktische Tipps für jeden Tag

Patienten können jeden Tag selbst etwas zur Vermeidung oder Linderung chronischer Kopfschmerzen und Migräne beitragen. Das sind die wichtigsten Verhaltensweisen:

  • Stress vermeiden und den Umgang mit belastenden Situationen erlernen.
  • Für einen regelmäßigen Schlaf-/Wach-Rhythmus mit ausreichendem und erholsamen Schlaf sorgen.
  • Regelmäßig im Freien bewegen und moderaten Ausdauersport in den Wochenplan einbauen.
  • Den Arbeitsplatz unter ergonomischen Gesichtspunkten prüfen und verbessern.
  • Pausen einlegen und Reizüberflutung insbesondere durch digitale Medien vermeiden.
  • Für eine ausgewogene Ernährung sorgen und Auslöser (Trigger) wie Alkohol, histaminreiche Nahrungsmittel oder Glutamat vermeiden.

Symbolbild: Canva / Ivan S von Pexels