Lichtenfels,
26
Februar
2026
|
12:01
Europe/Amsterdam

Darmkrebsvorsorge rettet mehr Leben als Airbags und Sicherheitsgurte zusammen

Erkenntnisse zum Darmkrebsmonat März: Milchprodukte senken Risiko um 13 Prozent – Darmspiegelung verhindert Krebs, statt ihn nur früh zu erkennen

Zusammenfassung

Darmkrebsvorsorge als Erfolgsmodell: Seit Einführung der Vorsorge-Darmspiegelung 2019 sank die Darmkrebsrate um 20 Prozent – die Untersuchung verhindert Krebs, indem gutartige Vorstufen (Polypen) entfernt werden, bevor sie sich entwickeln können

Lebensstil senkt Risiko um bis zu 60 Prozent: Mediterrane Ernährung, Bewegung und der Verzicht auf Risikofaktoren wirken wie Sicherheitsgurt und Airbag zusammen – bereits 400 Gramm Milchprodukte täglich reduzieren das Risiko zusätzlich um 13 Prozent

Vorsorge ab 50 für alle: Seit 2025 gilt einheitlich das 50. Lebensjahr als Startpunkt für Vorsorgeuntersuchungen (Darmspiegelung oder Stuhltest) – die schmerzfreie Untersuchung im Sana MVZ Lichtenfels dauert etwa eine Stunde und wird jetzt auch mittwochnachmittags angeboten

Während die Bevölkerung älter wird, sinkt die Darmkrebsrate: Ein medizinisches Erfolgsmodell, das noch viel zu wenig genutzt wird. Anlässlich des Darmkrebsmonats März zeigt Dr. Rolf Seipel aus dem gastroenterologischen Team des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) der Sana Kliniken auf, warum Darmkrebsvorsorge so erfolgreich ist wie die Einführung von Sicherheitsgurt und Airbag – und wie einfach jeder sein Risiko drastisch senken kann.

Das Erfolgsmodell: Krebs verhindern statt behandeln

„In kaum einem Bereich der Medizin wurde in den letzten Jahren so viel erreicht wie in der Darmkrebsvorsorge", erklärt Dr. Seipel. „Seit Einführung der Vorsorge-Darmspiegelung im Jahr 2019 ist die Krebsrate um etwa 20 Prozent zurückgegangen – trotz steigenden Alters der Bevölkerung."

Das Besondere: „Unser Ziel ist nicht, Darmkrebs frühzeitig zu erkennen, sondern ihn gar nicht erst entstehen zu lassen", betont der Gastroenterologe. „Bei der Darmspiegelung entfernen wir gutartige Vorstufen – sogenannte Polypen – bevor sie sich zu Krebs entwickeln können. Das ist echte Vorsorge durch Verhinderung. Was ist besser als eine Krankheit zu behandeln? Gesund bleiben!“.

Neue Erkenntnis: Milch und Milchprodukte senken das Risiko

Neben der Vorsorgeuntersuchung können Menschen selbst viel tun. „Durch gesunde Ernährung und Lebensweise allein lässt sich das Darmkrebsrisiko um 50 bis 60 Prozent senken – das entspricht dem Rückgang der Verkehrstoten durch Sicherheitsgurt und Airbag zusammen", verdeutlicht Dr. Seipel die Dimension.

Besonders empfehlenswert: mediterrane Kost mit Hülsenfrüchten, Gemüse, Salat, Vollkornprodukten und kaltgepressten Ölen. „Relativ neu ist die Erkenntnis, dass bereits 400 Gramm Milch oder Milchprodukte pro Tag – etwa in Form von Joghurt oder Kefir – das Darmkrebsrisiko um weitere 13 Prozent senken können", so Dr. Seipel.

Risikofaktoren hingegen sind Übergewicht, übermäßiger Konsum von rotem Fleisch und hochverarbeiteten Lebensmitteln, Alkohol, Rauchen und Bewegungsmangel.

Vorsorge ab 50 – für alle

Um Verwirrung zu beseitigen: Seit dem vergangenen Jahr wird der Beginn für Vorsorgeuntersuchungen einheitlich zum 50. Lebensjahr empfohlen – für Frauen und Männer gleichermaßen. „Sowohl Polypenentwicklung als auch Krankheitsbeginn erfolgen bei Frauen statistisch etwas später als bei Männern. Die neue einheitliche Regelung schafft Klarheit", erklärt Dr. Seipel.

Wer keine Darmspiegelung wünscht, kann alle zwei Jahre eine Stuhluntersuchung auf Blut durchführen lassen. „Irgendeine Vorsorge ist besser als gar keine Vorsorge", betont Dr. Seipel. Wichtig: Bei Symptomen wie Veränderung des Stuhlverhaltens, Blut im Stuhl oder Bauchschmerzen sowie bei Krebserkrankungen in der Familie sind unabhängig vom Alter weitere Untersuchungen notwendig.

Schmerzfrei und individuell

Im Sana MVZ Lichtenfels erfolgt die Untersuchung im Rahmen einer Sedierung völlig schmerzfrei. „Unangenehm ist eigentlich nur die eintägige Vorbereitung mit dem Abführen. Die Spiegelung selbst bekommen Patientinnen und Patienten nicht mit", so Dr. Seipel. Nach etwa einer Stunde folgt das Abschlussgespräch, dann können die Patienten abgeholt werden.

„Wir machen keine Standard-Untersuchung nach Schema F. Im ausführlichen Aufklärungsgespräch erfassen wir die individuelle Krankengeschichte, familiäre Risikofaktoren und aktuelle Beschwerden", erklärt der Gastroenterologe.

Infolge der Verstärkung des Teams mit Dr. Beatrix Martin-Köhn wurde das Angebot für Koloskopien kürzlich ausgebaut: Diese sind nun auch mittwochnachmittags möglich.

 

Hintergrund: Darmkrebs ist nach wie vor die zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland, obwohl die Erkrankung durch konsequente Vorsorge in den meisten Fällen verhindert werden könnte. „Wir könnten noch viel mehr erreichen, wenn mehr Menschen diese Chance nutzen würden", appelliert Dr. Seipel.

Dr. Rolf Seipel

Bild: Dr. Rolf Seipel, Gastroenterologe am Sana MVZ Lichtenfels (Copyright: SKOF)