Themendienst

Ismaning,
03
März
2025
|
09:14
Europe/Amsterdam

Darum hilft weniger oxidativer Stress auch den Bandscheiben

Zusammenfassung

Weshalb kommt der Verschleiß der Bandscheiben bei manchen Menschen früher als bei anderen? Was hat oxidativer Stress damit zu tun? Und was kann jeder selbst für gesunde Bandscheiben tun? Dr. Petra Büchin, Chefärztin am Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie und Rückentherapie am Karl-Olga-Krankenhaus, erklärt aktuelle Erkenntnisse aus der Wissenschaft und was das für die Prävention und Therapie bedeutet.

Der Verschleiß von Bandscheiben kann viele unterschiedliche Ursachen haben, dazu gehören Entzündungsprozesse, genetische Veranlagung, Umweltfaktoren, Alter, mechanische Belastung, die Seneszenz – das heißt die biologische Alterung unserer Zellen – sowie oxidativer Stress.

Oxidativer Stress hat negative Auswirkungen

Kommt es im Organismus zu einem Ungleichgewicht zwischen freien Radikalen und Antioxidantien, entsteht oxidativer Stress. Bei freien Radikalen handelt es sich um Moleküle, die Zellen und Körpergewebe schädigen können. Antioxidantien sind die Gegenspieler und schützen den Organismus vor negativen Einflüssen durch freie Radikale. Wichtige Antioxidantien sind Enzyme, Vitamine und Spurenelemente.

Dr. med. Petra Büchin, Karl-Olga-Krankenaus Stuttgart

„Für oxidativen Stress gibt es zahlreiche Ursachen“, erklärt Petra Büchin. „Darunter auch einige Faktoren, die wir selbst beeinflussen können, wie ungesunde Ernährung, extreme körperliche Belastung oder Rauchen. Und neben den negativen Einflüssen auf Herz, Kreislauf und Nervensystem wirkt sich oxidativer Stress auch direkt auf die Bandscheiben unserer Wirbelsäule aus.“  Kürzlich veröffentlichten Forschungsteams verschiedene Beiträge zu diesem Thema in den international bekannten Zeitschriften Ageing Research Reviews, Bioactive Materials und Journal of Orthopaedic Translation. Petra Büchin ordnet die Forschungsergebnisse für die Praxis ein: „Die Studien zeigen, dass oxidativer Stress im Zusammenhang steht mit Entzündungsvorgängen in den Bandscheiben, der Zellalterung und dem Abbau von Zellbestandteilen. All diese Mechanismen sind miteinander verbunden und verstärken sich gegenseitig. Dementsprechend haben alle Ansätze zur Verminderung des oxidativen Stresses auch eine positive Wirkung auf die Gesundheit der Bandscheiben.“

Infografik: Auswirkungen von oxidativem Stress auf die Bandscheiben

Oxidativer Stress steht im Zusammenhang mit Entzündungsvorgängen in den Bandscheiben, der Zellalterung und dem Abbau von Zellbestandteilen.

Download & Copyright

Gesunder Stoffwechsel, gesunde Bandscheiben

Der wichtigste Baustein zur Vermeidung von oxidativem Stress und den damit verbunden negativen Folgen ist ein gesunder Lebensstil und die Vermeidung von schädlichen Stoffen wie Zucker, Nikotin und Alkohol. Wichtig sind eine nährstoffreiche Ernährung, körperliche Aktivität und Sport, Entspannungszeiten sowie ausreichend Schlaf. Das metabolische Syndrom, das heißt die Kombination von Übergewicht, Bluthochdruck sowie Zucker- und Fettstoffwechselstörungen, wirkt sich ebenfalls negativ auf die Gesundheit der Bandscheiben aus. Daher sind ein gesunder Stoffwechsel und die Vermeidung von Übergewicht entscheidend.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Aus Sicht von Petra Büchin wird die Zusammenarbeit von Orthopäden mit anderen Fachdisziplinen zunehmend wichtiger und hat bei Sana daher einen hohen Stellenwert: „Wir empfehlen Patienten, die aufgrund von Rückenbeschwerden zu uns ins Wirbelsäulenzentrum kommen, zur Reduktion des oxidativen Stresses gegebenenfalls auch Nahrungsergänzungsmittel, zum Beispiel Kurkuma, Boswellia, Vitamin C oder Omega-3-Fettsäuren.“ Die Ärztin plädiert dafür, das Thema Rückenschmerzen ganzheitlich und interdisziplinär zu betrachten: „Wenn Stoffwechsel und Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht geraten, hat das auch einen Einfluss auf die Therapie von Beschwerden der Wirbelsäule. Das ist vielen meiner Patienten nicht bewusst.“

Bei metabolischem Syndrom oder Übergewicht können die Patienten zudem eine Notwendigkeitsbescheinigung für Ernährungstherapie bekommen. Für Menschen mit klinischer Adipositas ist es gegebenenfalls auch sinnvoll, sich an Spezialisten in einem Adipositaszentrum zu wenden. Gynäkologische Expertise ist bei Frauen während und nach der Menopause gefragt, da der Hormonmangel ebenfalls oxidativen Stress hervorruft und damit auch einen negativen Einfluss auf die Gesundheit der Bandscheiben hat.

Ohne Eigenverantwortung geht es nicht

Neben aller fachärztlichen Expertise und interdisziplinärer Zusammenarbeit sind aber insbesondere Eigeninitiative und -verantwortung wichtig. Petra Büchin meint: „Für einen gesunden Lebensstil zur Vermeidung von ernsten und chronischen Erkrankungen ist jeder selbst verantwortlich.“