Dahme-Spreewald,
30
Juni
2026
|
12:34
Europe/Amsterdam

Die Kunst, Arzt zu bleiben

Zum Abschied aus dem Klinikum Dahme-Spreewald sprechen Dr. Rüdiger Müller und Dr. Martina Weimann über Verantwortung, Gewissen, künstliche Intelligenz

Zusammenfassung
  • 64 Jahre Engagement für Klinikum Dahme-Spreewald: Chefarzt Dr. Rüdiger Müller und die Leitende Oberärztin Dr. Martina Weimann gehen in Ruhestand
  • Erfolgsgeschichte einer Klinik: Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe zu Kompetenzzentrum für Endometriose, minimalinvasive Chirurgie und Brustkrebs etabliert
  • Von der Schwangerschaft bis ins hohe Alter: Warum Patienten aus der Kombination von basaler Medizin, innovativen Verfahren und Empathie seit Jahrzehnten profitieren

Sie haben tausenden Babys zu einem sicheren Start ins Leben verholfen, zehntausenden gynäkologischen Patientinnen neue Hoffnung geschenkt und das Achenbach-Krankenhaus in Königs Wusterhausen zu einem Kompetenzzentrum für Brustkrebs und Endometriose und Schlüsselloch- Chirurgie qualifiziert: Jetzt gehen Chefarzt Dr. Rüdiger Müller und die Leitende Oberärztin Dr. Martina Weimann von der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe in ihren wohlverdienten Ruhestand. Zum Abschied lüften sie ein Geheimnis, sprechen über Gewissensfragen, künstliche Intelligenz und darüber, warum ein guter Arzt ein guter Arzt bleibt, selbst wenn der Strom ausfällt.

Insgesamt 64 Jahre lang haben sich Dr. Martina Weimann und Dr. Rüdiger Müller für die Patienten im Klinikum Dahme-Spreewald stark gemacht, Nächte durchwacht, Überstunden geschoben, Extraschichten im OP eingelegt und zwischen Glücksmomenten und dunkelsten Stunden mitgefühlt. Die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe war dabei für die engagierten Ärzte viel mehr als ein Arbeitsort – es war ihr berufliches Zuhause und oft wichtiger als alles andere im Leben.

Verantwortung. Innovation. Engagement.

„Eine Patientin mit ihrem Problem ist erst fertig wenn alles grundlegend geklärt ist", sagt Martina Weimann bis heute. Kaum jemand kennt das Achenbach-Krankenhaus Königs Wusterhausen so gut wie sie. 1981 begann sie hier ihr pflegerisches Jahr, absolvierte 1987 ihr sechstes Jahr im Medizinstudium und startete am 1. September 1988 in ihren ersten Arbeitstag als Ärztin. Während ihrer Facharztausbildung habe sie vor allem eines gelernt: „Als alleinerziehende Frau musst du arbeiten - und zwar für zwei. Der Weg bis zum Oberarzt-Titel im Oktober 2004 war weit und steinig. Seit Januar 2006 ist sie Leitende Oberärztin der Abteilung.

26 Jahre lang haben Martina Weimann und Rüdiger Müller gemeinsam Maßstäbe im Klinikum Dahme-Spreewald gesetzt. Als der gebürtige Stralsunder am 1. Januar 2000 als Chefarzt im Achenbach-Krankenhaus startete, da kannten sich die beiden bereits durch das Medizinstudium in Rostock. Nach der Ausbildung zum Vollmatrosen mit Abitur und der Armeezeit war Rüdiger Müller an die Rostocker Universität gewechselt und bekam nach seinem Abschluss eine Stelle im Südstadt-Klinikum der Hansestadt. Ein echter Glücksfall, „denn die Klinik war extrem innovativ, hatte moderne Verfahren sowohl in der Gynäkologie als auch in der Geburtshilfe zu bieten. Nach 14 Tagen habe ich das erste Mal laparoskopiert“, blickt der Chefarzt auf den Ort zurück, an dem er die ersten minimalinvasiven Handgriffe erlernte und seine Expertise als Operateur zur Profession machte. Schon hier war neben Facharztausbildung und Promotion auch die Weitergabe erlernten Wissens gefragt und Operationskurse, Kongresse und Jahrestagungen der Arbeitsgemeinschaft Endoskopie wollten organisiert sein. So führte ihn diese Tätigkeit als Operateur in die gesamte Bundesrepublik.

Dr. Rüdiger Müller im Gespräch


Fundiertes, medizinisches Wissen von der Pike auf erlernen, gewissenhaft anwenden und großzügig an zukünftige Mediziner weitergeben - das war schon immer Credo von Chefarzt Dr. Rüdiger Müller.
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Mit Fachkompetenz und Offenheit für Neues

Mit dieser hohen Fachkompetenz in der Schlüssellochchirurgie und der Begeisterung für medizinische Innovationen übernahm Dr. Rüdiger Müller die ärztliche Leitung der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe. „Die Klinik hatte einen guten Ruf, aber es fehlte an Innovationen. Damals stand vom Achenbach-Krankenhaus nur der Mittelteil. Der OP und die Intensivstation waren gerade im Rohbau, die Wochenstation war entkernt und sollte saniert werden, hier kann man gestalten“, erinnert sich der Chefarzt. Gemeinsam nutzen sie die fördermittelreiche Aufbruchzeit, wählten modernste Medizintechnik für die Klinik aus und brachten die Abteilung auf den neusten Stand.

Anerkanntes Kompetenzzentrum für Endometriose und Brustkrebs

Die Kombination aus Altbewährtem, Mut zu Neuem und beständiger Optimierung hat Rüdiger Müller und Martina Weimann in all den Jahren ausgezeichnet. Unter ihrer Führung wuchs die Abteilung zu einem Kompetenzzentrum für Endometriose und minimalinvasive Chirurgie und zum zertifizierten Brustkrebszentrum. Im Jahr 2009 wurde das Endometriosezentrum in Königs Wusterhausen als erstes in Brandenburg erfolgreich zertifiziert. Das Brustzentrum im Achenbach-Krankenhaus ist seit dem Jahr 2022 von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert. Patientinnen aus einem weiten Einzugsgebiet vertrauen auf die Expertise des Ärzteteams und lassen sich in Königs Wusterhausen behandeln. Darüber hinaus ist die Abteilung ein Ort, an dem jährlich hunderte Babys sicher ins Leben starten und gynäkologische Patientinnen aller Generationen ein breites Behandlungsspektrum finden. Zu den besonderen Fällen, die Martina Weimann und Rüdiger Müller bis heute in Erinnerung geblieben sind, gehören dabei unter anderem eine Patientin mit einem 17 Kilogramm schweren Ovarial-Tumor, die erfolgreich operiert werden konnte, und ein 5790 Gramm schweres Baby, das ohne Kaiserschnitt auf natürlichem Weg geboren wurde.

Dr. Rüdiger Müller und Dr. Martina Weimann


Zum Abschied noch einmal gemeinsam im Lieblings-OP mit Blick auf einen gynäkologisch-laparoskopischen Eingriff - und das ganz ohne Haube und Mundschutz.
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Bestmögliche Behandlung, ganzheitlich und empathisch

Was Dr. Rüdiger Müller und Dr. Martina Weimann dabei an jedem einzelnen Arbeitstag geleitet hat, war der gemeinsame Anspruch, Patientinnen die bestmögliche Behandlung zu bieten. „Wir fragen uns immer: Würdest du deinen Angehörigen genauso behandeln? Eine Leitlinie auf dem neustens Stand der Wissenschaft ist dabei ein Gerüst für die Entscheidung. Aber ich muss dieses Gerüst individuell anpassen und das geht nur mit Erfahrung, Empathie und einer klaren Diskussion mit Patienten. Das setzt voraus, dass die behandelnden Ärzte eine ganz basale, hochqualifizierte Ausbildung haben“, betont der Chefarzt. Dr. Martina Weimann pflichtet ihm bei: „Ich sage meinen Patientinnen immer: Ich empfehle ihnen das, was ich für mich, meine Freunde, meine Angehörigen richtig finde. Was wir im Voraus brauchen, ist Vertrauen. Sie müssen wissen: Es gibt keine Götter in Weiß und es gibt auch nicht vorhersehbare Komplikationen. Aber wir werden immer nach bestem Wissen und Gewissen handeln und es so machen, als wenn wir selbst hier auf dem OP-Tisch liegen würden.“

Verfechter medizinischer Basis-Bausteine

Das Fundament, auf das die beiden Experten in all den Jahrzehnten gebaut haben, führt zu den Wurzeln der Medizin: „Wir sind beide Basic-Verfechter. Wenn hier der Strom ausfällt, bin ich immer noch Arzt. Ich habe zwei Hände, habe zwei Augen, eine Nase und zwei Ohren. Ich fasse auf den Bauch und kann mit jemandem reden“, betont Martina Weimann. Genau diese Haltung haben die beiden auch den vielen Nachwuchsärzten und Medizinern aus ganz Deutschland vermittelt, die zu Seminaren in minimalinvasiver Chirurgie bis nach Königs Wusterhausen kamen, bei den beiden Spezialisten hospitierten oder ihre Facharztausbildung im Klinikum absolviert haben. „Wenn da Facharzt draufsteht, dann muss da auch Facharzt drin sein“, bringt es Dr. Rüdiger Müller, der jahrelang Vorsitzender des Prüfungsausschusses Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Landesärztekammer Brandenburg war, auf den Punkt. Seine Botschaft an künftige Ärzte? „Ich glaube, künstliche Intelligenz ist eine schöne Sache und vereinfacht vieles. Aber es gibt ein großes Problem: Ich merke mir das nicht. Man muss Dinge von der Pike auf lernen. Medizin ist eine Wissenschaft, aber auch eine Kunst. Kunst verlangt Improvisation, aber es bedarf aus meiner Sicht einer ganz strengen und klaren Ausbildung, die basale Kenntnisse und Fähigkeiten erforderlich macht. Das Operieren ist dann das I-Tüpfelchen.“

Dr. Martina Weimann im Gespräch


Wenn das Leben Hürden stellt, nimm Sie an - die Leitende Oberärztin Dr. Martina Weimann versinnbildlicht, wie viel sie als Ärztin auch von Patienten und ihren Schicksalen lernen konnten.
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Mit Gewissen und Respekt

Die beiden Ärzte haben nicht nur viel Wissen weitergegeben, sie haben selbst auch viel gelernt – von Kollegen, von Wegbegleitern und auch von Patienten. „Was mir Patienten beigebracht haben, ist: Sei zugewandt, schenke mir deine Aufmerksamkeit und dein Gewissen. Wenn mal etwas nicht so gut gelaufen ist, Komplikationen vorliegen, muss man schlaflose Nächte haben. Wenn man die nicht hat, hat man kein Gewissen. Dieser Spruch: Das lässt du dann alles hier, ist doch Unsinn. Das sind doch Menschen, die mir in dem Moment das Vertrauen schenken und erwarten das ich zu ihnen halten werde“, betont Martina Weimann. Auch nach so vielen Jahrzehnten berühren beide immer noch Lebensgeschichten und Schicksale – zum Beispiel von jungen, schwerstkranken Frauen, die ihre Kinder nicht aufwachsen sehen können, oder Teenagern, die selbst noch fast ein Kind sind und schon Mutter werden. „Wir haben von unseren Patienten viel darüber gelernt, wie man mit Schicksalen umgeht. Selbstmitleid ist ein Feind für dich selbst. Das Leben stellt Hürden auf und man kann davor niederknien, sich bemitleiden und heulen oder man kann sagen: Ich nehme sie – wie und mit wessen Hilfe auch immer“, erklärt die Ärztin.

Auch die Arbeit als bestellter Sachverständiger bei Gericht und Schadenregulierungen durch die Schlichtungstelle für Arzthaftpflichtfragen war aus Sicht von Dr. Rüdiger Müller eine gute Schule: „Auch aus Fehlern anderer lernen und sich immer wieder hinterfragen wie es besser gehen kann, sollten einen ein ganzes Berufsleben begleiten, um seinen Patienten bestmöglich behandeln zu können.“

Ehrgeizig und zielstrebig

Nicht aufgeben, jeden Patienten so gut wie möglich begleiten und die Abteilung stetig weiterentwickeln – daran haben die Mediziner in all den Jahren festgehalten. Woher diese Motivation und dieser Ehrgeiz kommen? Vielleicht ist ein Erlebnis aus der Kindheit für Rüdiger Müller der Auslöser und das Geheimnis, das er zum Abschluss seiner ärztlichen Laufbahn lüftet: „In der Schule, es kann auch die Vorschule gewesen sein, konnten alle schon zählen, ich nicht. Ich habe mich so geschämt, das sollte mir nicht nochmal passieren. Aber am Ende der 1. Klasse hatte ich nur Einsen“, erinnert sich der Chefarzt. Martina Weimann hat ihre Zielstrebigkeit wohl als Leistungssportlerin im Geräteturnen gewonnen.
 

Dr. Rüdiger Müller und Dr. Martina Weimann im Gespräch


Leitende Oberärztin Dr. Martina Weimann und Chefarzt Dr. Rüdiger Müller bringen auf den Punkt, was einen guten Arzt ausmacht - wenn nichts mehr geht, haben sie immer noch ihre Sinnenorgane, um die Patientin zu untersuchen.
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Auf zu neuen Zielen

Den Mut, Neues zu wagen, Grenzen zu überwinden und Herausforderungen zu meistern, nehmen beide mit in ihren Ruhestand. Martina Weimann freut sich auf mehr Zeit für Sport und ausgedehnte Reisen an ferne Orte, für die bisher zwischen OP-Saal und Patientenbett oft zu wenig Zeit war. Und Rüdiger Müller bleibt seiner Leidenschaft fürs Bergsteigen treu und hat bereits die nächsten Gipfel in extremen Höhen im Blick. „Ich habe früher Skulpturen aus Ton gemacht, gezeichnet und gemalt – vielleicht fange ich das wieder an. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann bin ich nicht so ganz vorbereitet  auf den Ruhestand. Aber irgendwann muss auch mal Schluss sein. Einige Reisen mit meiner Frau sind aber schon fest gebucht, so dass bis März 2027 kaum noch eine Lücke ist", sagt er mit Blick auf den Ruhestand.

Über das Klinikum Dahme-Spreewald 

Unter dem Dach des Klinikums Dahme-Spreewald vereinen sich die beiden Standorte Spreewaldklinik Lübben und das Achenbach-Krankenhaus Königs Wusterhausen. Die beiden Krankenhäuser versorgen jährlich mehr als 25.000 stationäre und mehr als 50.000 ambulante Patientinnen und Patienten. Dafür stehen in den beiden Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung insgesamt 448 Betten in neun Fachbereichen zur Verfügung. Die jährlich steigende Zahl an versorgten Patienten belegt die Bedeutung und die Akzeptanz einer kompetenten und qualitativ hochwertigen Versorgung in der Region. Besondere Expertise beweist das Klinikum Dahme-Spreewald in der Weichenstellung von zukünftig wichtigen Bereichen. So gehören Palliativmedizin und Spezielle Schmerztherapie schon heute zum fest etablierten Behandlungsspektrum. In der Gesundheitsakademie Heinz-Sielmann, die ebenfalls unter der Trägerschaft des Klinikum Dahme-Spreewald steht werden mehr als 130 Schülerinnen und Schüler auf den Berufsalltag in der Pflege vorbereitet. Die Gesundheitsakademie zählt zu den größten Einrichtungen dieser Art im Land Brandenburg. Ergänzend bestehen seit 2019 ambulante Versorgungsmöglichkeiten. Zunächst durch das Medizinische Versorgungszentrum Dahme-Spreewald in Königs Wusterhausen in den Bereichen Allgemeinmedizin/Innere Medizin, Chirurgie und Kinder- und Jugendmedizin sowie seit 2022 im MVZ Poliklinik Lübben in den Bereichen Allgemeinmedizin, Gynäkologie und Chirurgie.

Über die Sana Kliniken AG