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Ein neues Herz, ein neues Leben – Ganimete Ahmetis zweite Chance
Ein neues Herz – für viele Patientinnen und Patienten ist das die letzte Chance weiterzuleben. Doch noch immer übersteigt in Deutschland die Zahl der Menschen, die auf eine Herztransplantation warten, die Zahl der Spenderherzen.
„Die Medizin kann heute viel, aber ohne Spenderherzen sind wir oft machtlos“ erklärt Professor Sems Malte Tugtekin vom Herzzentrum Dresden. Sein Appell: „Jeder von uns kann Leben retten. Mit einem Organspendeausweis setzen Sie ein Zeichen der Solidarität und geben anderen die Möglichkeit auf eine zweite Chance.“ Eine, die diese zweite Chance erhalten hat, ist Ganimete Ahmeti. Heute kann die 47-Jährige wieder lächeln und hat neuen Lebensmut. Ihr wurde ein zweites Leben geschenkt, als ihr Ende 2024 im Herzzentrum Dresden ein neues Herz transplantiert wurde. „Ich kann nun zwei Mal im Jahr Geburtstag feiern“, sagt sie. Doch hinter ihr und ihrer Familie liegt ein schmerzhafter Weg.
Plötzlich herzkrank nach der Geburt
Ahmeti stammt aus dem Kosovo und lebt seit 17 Jahren in Deutschland. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie in Zittau ein kleines Restaurant. Die 47-Jährige hat bereits einen erwachsenen Sohn, als sie 2022 ein kleines Mädchen zur Welt bringt. Alles schien in Ordnung – bis sie plötzlich unter Atemnot litt, Wassereinlagerungen bekam und kaum noch belastbar war. Sie konsultierte mehrere Ärzte, die ihr schnell bescheinigten – das Herz ist zu schwach. Es folgte Klinikaufenthalt auf Klinikaufenthalt, ohne dass eine Besserung eintrat. „Es war schrecklich“, erinnert sie sich. „Ich hatte keine Kraft und konnte mich nicht mal um meine kleine Tochter kümmern.“
Letzte Chance: Ein Spenderherz
„Das, was Frau Ahmeti passiert ist, nennt man postpartale Kardiomyopathie“, erklärt Sems Malte Tugtekin, Oberarzt an der Klinik für Herzchirurgie am Herzzentrum Dresden. „Dabei kann es bis zu sechs Monate nach einer Geburt zu einer akuten Herzschwäche kommen. Glücklicherweise kommt das nur sehr selten vor und bildet sich oft von allein wieder zurück.“ Leider war das bei der 47-Jährigen nicht der Fall – ganz im Gegenteil. Sie wurde immer schwächer. „Ich erinnere mich noch, wie Frau Ahmeti im Mai 2024 das erste Mal bei uns im Herzzentrum vorstellig wurde“, erzählt Professor Tugtekin. „Da war im Prinzip schon klar, dass das Herz zu schwach war, um sich zu erholen. Es gab keine Alternative. Wir mussten sie auf die Warteliste für ein Spenderherz setzen.“ Seitdem war die Mutter Dauerpatientin im Herzzentrum Dresden. „Ich erinnere mich, wie sehr ich gegen die Diagnose gekämpft habe“, sagt Ganimete Ahmeti. „Ich habe an den Ärzten gezweifelt, war wütend und habe viel geweint“, erinnert sie sich. „Aber das Team hier hat mich nie aufgegeben. Es wurde meine zweite Familie.“
Leider wurde Ahmetis Herz immer schwächer, und ihr Zustand verschlechterte sich rapide, so dass sie im September 2024 auf die höchste Dringlichkeitsstufe für eine Herztransplantation gesetzt werden musste. „Ich weiß noch, dass ich mir vorkam wie im Koma“, so Ahmeti. „Ich konnte kaum mit meinem Mann telefonieren, weil ich keine Luft bekam. Meine Tochter durfte ich nicht sehen, da das Risiko einer Ansteckung mit Keimen für mich zu groß war.“ Eine zähe und leidvolle Zeit.
Der erlösende Anruf
Im Durchschnitt müssen hochdringlich eingestufte Patientinnen und Patienten fünf bis sechs Monate auf ein Spenderherz warten. Bei Ganimete Ahmeti hat es zum Glück nur vier Monate gedauert. Am 28. Dezember 2024 kam die erlösende Nachricht – es gibt ein passendes Spenderherz. „Ab dann musste es schnell gehen“, erklärt Professor Tugtekin. „Ein Herz ist nicht ewig haltbar und zwischen der Entnahme und der Transplantation sollten nicht mehr als vier bis sechs Stunden liegen.“
„Ich habe ihr selbst die Nachricht überbracht“, erzählt der Herzchirurg weiter. „Wenn man die Patienten von Anfang an betreut, ist es wichtig, auch in diesen Momenten da zu sein, Zuversicht und Optimismus zu vermitteln. So eine Operation ist ein wahnsinniger emotionaler und physischer Kraftaufwand für alle Beteiligten.“
Die Patientin erinnert sich noch gut an den Moment: „Als ich die Nachricht bekam, war ich ruhig und voller Vertrauen, dass alles gut gehen wird.“ Als ihr Mann weinte, während sie zur Operation abgeholt wurde, hatte sie sogar die Kraft, ihn aufzumuntern „Wenn wir uns das nächste Mal sehen, dann lächeln wir.“
Ein zweites Leben mit neuen Herausforderungen
Die siebenstündige Operation verlief ohne Komplikationen, und das neue Herz pumpte kräftig und regelmäßig in Ganimete Ahmetis Brust. „Schon bald nach der Operation telefonierte ich mit meinem Mann, ohne Atemnot zu haben – es war wie ein Wunder. Mein zweites Leben hatte begonnen.“
Bereits am 10. Januar 2025 wurde die frisch Transplantierte von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt und Ende Januar begann ihre Reha.
„Wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf“, stellt der Operateur fest. Dennoch liegt ein herausfordernder Weg vor Ganimete Ahmeti: „Ich muss nach der langen Liegezeit nicht nur wieder Muskeln und Kraft aufbauen, sondern auch die Operation physisch und mental verarbeiten.“ Außerdem werde sie ein Leben lang Patientin bleiben, engmaschig medizinisch kontrolliert werden und Medikamente einnehmen müssen, die eine Abstoßung des neuen Herzens verhindern sollen, erklärt der Herzchirurg. Durchschnittlich hält ein transplantiertes Herz 10 bis 15 Jahre, mit etwas Glück sogar 20 Jahre und länger. „Leider passiert es aber auch manchmal, dass das Herz eher abgestoßen wird“, so Sems Malte Tugtekin.
Dankbarer Blick nach vorn
Daran mag Ahmeti im Moment aber nicht denken. Sie ist voller Dankbarkeit für die Chance, ein zweites Leben beginnen zu können und ihre Kinder weiter aufwachsen zu sehen. „Ich danke den Ärztinnen und Ärzten sowie den Pflegekräften in Dresden so sehr, dass sie mich begleitet, aufgefangen und gerettet haben. Ich danke meiner Familie, die stets – auch aus der Ferne – an meiner Seite stand. Ohne sie hätte ich das alles nicht geschafft.“
Gleichzeitig sind ihre Gedanken oft beim Spender: „Manchmal möchte ich wissen, wer mir das zweite Leben geschenkt hat. Ich würde mich so gerne bei der Spenderfamilie bedanken.“ Aber dieser direkte Austausch ist zumindest in Deutschland nicht erlaubt. Hier bleiben Organempfängerin und Organempfänger sowie die Angehörigen der spendenden Person stets anonym. Allerdings können die Organempfänger einen anonymen Brief an die Spenderfamilie schreiben, um sich auf diesem Weg zu bedanken. Vielleicht wird auch Ganimete Ahmeti diese Möglichkeit später nutzen. Fürs Erste heißt es aber einen Weg zurück in den Alltag zu finden und das Leben mit Spenderherz neu zu ordnen. Sie ist zuversichtlich: „Ich bin stolz, stark und glücklich.“
Sachsen: Zweites Leben - 47-Jährige bekommt Spenderherz in Dresden | tagesschau.de
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