"Eine Entscheidung für das Leben"
Intensivmediziner der Sana Kliniken Niederlausitz erklärt zum Tag der Organspende Sicherheitsmaßnahmen
- Bundesweiter Tag der Organspende am 7. Juni 2025
- Thomas Schneider ist Transplantationsbeauftragter der Sana Kliniken Niederlausitz und erklärt, warum es wichtig ist, eine eigene Entscheidung zu treffen
- Neuste Technik für Organtransport kommt auch in der Lausitz zum Einsatz
Das Thema Organspende steht bei dem Aktionstag am 7. Juni 2025 bundesweit im Fokus. Tausende Patienten warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Thomas Schneider, Leitender Oberarzt auf der Intensivstation und Transplantationsbeauftragter der Sana Kliniken Niederlausitz, erklärt, warum es wichtig ist, eine Entscheidung zu treffen, worauf zu achten ist und warum Organspenden heute wirklich sicher ist.
Noch immer gibt es bundesweit zu wenige Organspender. „Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa zehn Prozent aller Patienten, die auf ein Spenderorgan warten, weil nicht rechtzeitig ein Organ für sie gefunden wird“, erklärt Thomas Schneider. Der Leitende Oberarzt der Klinik für interdisziplinäre Intensivmedizin und Anästhesie der Sana Kliniken Niederlausitz engagiert sich seit vielen Jahren als Transplantationsbeauftragter des Gesundheitsdienstleisters. Thomas Schneider weiß: Viele Betroffene sind auf Organersatzverfahren angewiesen. Eine Dialyse, also ein Nierenersatzverfahren, oder ein Kunstherz ermöglichen Patienten meist für ein paar Jahre das Überleben, allerdings bedeuten sie oft große Einschränkungen in der Lebensqualität. Wenn die Leber oder die Lunge versagt, ist oft nur kurzfristig eine Überbrückung möglich – solche Patienten sind viel dringlicher auf eine Organspende angewiesen. Ein Wettlauf gegen die Zeit.
Thomas Schneider ist Transplantationsbeauftragter der Sana Kliniken Niederlausitz und Leitender Oberarzt der Klinik für interdisziplinäre Intensivmedizin und Anästhesie in Senftenberg. Download und Copyright
Da der Bedarf an Spenderorganen viel höher ist als die tatsächliche Verfügbarkeit, wird intensiv nach Alternativen geforscht. „Die Xenotransplantation, sprich die Transplantation von Organen eines anderen Lebewesens, ist weiter fortgeschritten. Nachdem schon seit Jahrzehnten Schweine-Herzklappen transplantiert werden, scheint es noch in der nächsten Dekade auch in Europa die ersten Transplantationen von Schweine-Nieren und -Herzen auf den zu Menschen geben“, erklärt Thomas Schneider.
Spenderzahlen relativ stabil
Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) gab es im vergangenen Jahr bundesweit 953 Organspender. 2.855 Organe wurden im Rahmen einer Organspende entnommen bzw. transplantiert. Im Durchschnitt waren das demnach drei Organe pro Spender. Im Vergleich zum Jahr 2023 sind die Zahlen relativ stabil geblieben. Mehr als die Hälfte der Spenden sind Nieren, gefolgt von der Leber sowie etwa jeweils 300 Lungen und Herzen. Bauchspeicheldrüsen und Därme machen einen sehr geringen Anteil aus.
„In den Sana Kliniken Niederlausitz gab es 2022 und 2023 jeweils eine Organspende und 2024 leider keine“, sagt Thomas Schneider. Dabei hätte es mehr potenzielle Spender gegeben, weil bei mehreren Patienten ein „irreversibler Hirnfunktionsausfall“ diagnostiziert wurde. „Allerdings waren Organspenden nicht möglich, weil der Wille der Verstorbenen nicht bekannt war oder eine ablehnende Haltung vorlag“, erklärt der Leitende Oberarzt. Ein irreversibler, also unumkehrbarer Ausfall, aller Hirnfunktionen ist die Grundvoraussetzung für eine Organspende. „Dies gleicht der Feststellung des Todes, auch wenn Organfunktionen noch für eine gewisse Zeit durch Maschinen aufrechterhalten werden können. Ohne eine Zustimmung zur Organspende, wird es aber niemals zu einer Organentnahme kommen“, stellt Thomas Schneider klar.
Mut zur Entscheidung
Der erfahrene Mediziner appelliert eindringlich: „Jeder sollte sich die Zeit nehmen, um sich über das Thema Organspende zu informieren, für sich selbst eine Entscheidung treffen und diese schriftlich festhalten. Am besten hält man diesen eigenen Wunsch in seiner Patientenverfügung oder mit einem Organspendeausweis fest und teilt den persönlichen Wunsch auch seinen Angehörigen mit, damit diese im Ernstfall Bescheid wissen und die Entscheidung mitttragen können. Das nimmt Familienmitgliedern eine große Last.“ In Deutschland gibt es mehrere Möglichkeiten, um schriftlich zu dokumentieren, ob man nach dem Tod Organe spenden möchte oder nicht. Dies geht beispielsweise in einem Organspendeausweis, per Patientenverfügung oder seit März 2024 auch über das Organspenderegister unter www.organspende-info.de, wo es zusätzlich jede Menge Informationen dazu gibt. „Der Wunsch eines Patienten ist verbindlich für die Ärzte“, versichert der leitende Oberarzt.
Am 7. Juni 2025 rückt mit dem bundesweiten Aktionstag das Thema Organspende in den Fokus. Download und Copyright
Strenge Kriterien
Die klare Zustimmung zur Organspende und die zweifelsfreie Diagnose eines „irreversiblen Hirnfunktionsausfalls“ sind die beiden Grundvoraussetzungen, die erfüllt sein müssen, bevor geprüft wird, ob es wichtige Gründe gegen eine Organspende, wie eine Krebserkrankung, gibt. „Dann erfolgen einige Untersuchungen zur Funktion der Organe und zu Merkmalen im Blut und Abwehrsystem des Spenders, um spätere Abstoßungsreaktionen beim potenziellen Empfänger von vornherein zu vermeiden. Die Organe werden dann in einem Operationssaal von spezialisierten Teams entnommen, die dafür extra anreisen“, erklärt Thomas Schneider, der sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und neueste Entwicklungen auf dem Gebiet verfolgt. „Vor kurzem sind die ersten Systeme zur Organperfusion während des Transportes in Betrieb gegangen, um die Überlebenszeit der entnommenen Organe zu verbessern, sodass Organe, die sonst aufgrund ihres nicht mehr optimalen Zustandes doch noch für entsprechend geeignete Spender, zum Beispiel Ältere, genutzt werden können, oder Herzen, die bislang nur eine kurze Transportzeit überstanden haben, jetzt auch längere Transporte sicher überstehen“, verweist Thomas Schneider auf einen großen Fortschritt. Nach der Entnahme werden die Körper so versorgt, dass es für eine spätere Aufbahrung und Beerdigung des Verstorbenen keine Hindernisse gibt.
Klärung entlastet Angehörige
Thomas Schneider und seine Kollegen von der Intensivstation im Krankenhaus Senftenberg haben in den vergangenen Jahren immer wieder Familienangehörige in so schwierigen Situationen begleitet und wissen, wie viel Druck auf ihnen lastet, wenn sie plötzlich eine solche Entscheidung für ihren Verwandten treffen müssen. „Eine bewusste und fundierte Entscheidung für oder gegen eine Spende ist besser als keine Entscheidung getroffen zu haben. Eine klare Entscheidung gegen eine Organspende reduziert zwar die Anzahl derjenigen, die spenden würden, aber der Patientenwillen ist klar dokumentiert. Eines sollte dennoch jedem bewusst sein: Die Bereitschaft, Organe spenden zu wollen, ist eine Entscheidung für das Leben“, betont der erfahrene Arzt.