Eine Sekunde vor KI-Schachmatt
Stargate und Deepseek – vor welchen Herausforderungen das deutsche Gesundheitswesen bei Künstlicher Intelligenz steht
Deutschland und Europa stehen vor der Herausforderung, bei der Schlüsseltechnologie KI nicht den Anschluss zu verlieren. Dazu schreibt Bernd Christoph Meisheit, Chief of Staff des Transformationsressorts der Sana Kliniken AG, einen Gastbeitrag im Fachmagazin f&w führen und wirtschaften im Krankenhaus. Es braucht jetzt die richtigen strategischen Weichenstellungen, um nicht von den USA oder China abhängig zu werden und die Chancen der KI für das Gesundheitswesen zu nutzen.
Nach 20 Jahren Vorlauf startet in Deutschland die elektronische Patientenakte (ePA). In den USA wird ein Investitions-Programm für Künstliche Intelligenz (KI) mit einem Volumen von 500 Milliarden US-Dollar präsentiert, während in China eine KI gelauncht wird, die weniger Rechenpower als Chat GPT benötigt, aber politisch heikle Fragen vermeidet.
Chapeau USA, Chapeau China - diese Länder machen beim Aufbau der KI vieles richtig. KI ist die Schlüssel-Technologie des 21. Jahrhunderts. Wer die Infrastruktur, Algorithmen und Daten beherrscht, bestimmt die Spielregeln der Zukunft.
Wer die Regeln setzt, bestimmt, wo Schwerpunkte in Forschung und Entwicklung gelegt werden. Letztlich entscheidet das darüber, welche Krankheiten intensiv erforscht und welche Technik vorrangig gebaut wird.
20 Jahre hinter dem Digitalisierungsstand der deutschen Industrie hinken weite Teile des Gesundheitswesens hinterher. Wenn wir aufholen wollen, braucht es Fokus, klare Prioritäten und die Bündelung aller Kräfte.
Mindset und Investitionen - KI kann Leben retten durch schnellere Diagnostik und personalisierte Medizin. Voraussetzung ist: der Zugriff auf (viele) Patientendaten. Das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung und das Recht auf körperliche Unversehrtheit können in Konflikt kommen und müssen sorgsam abgewogen werden. Unabhängig von der Entscheidung im Einzelfall brauchen wir den Aufbau einer Dateninfrastruktur in Deutschland und Europa. Es braucht dabei Anreize für private Investitionen und finanzielle Förderung von Interoperabilität und standardisierten Datenformaten.
Regulatorik kann ein Vorteil sein. Der Digital Service Act der EU schafft Rechtssicherheit. Der Rechtsrahmen muss weiter modernisiert werden, um die Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung und KI-Entwicklung zu erleichtern. Verfahren für die Zulassung von KI-Anwendungen müssen beschleunigt werden. Prinzipien für die ethische Entwicklung und den Einsatz von KI sind wichtig, um Bias und Diskriminierung zu vermeiden.
Gesundheitswirtschaft ist eine der größten Branchen. Die Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft in Deutschland lag 2023 bei etwa 436 Milliarden Euro. Diese Branche wächst weiterhin und bietet viele Arbeitsplätze. Wer diese Wirtschaftskraft erhalten will, muss jetzt die strategischen Weichenstellungen vornehmen, um nicht von den USA oder China abhängig zu werden.
Zusammenarbeit und Innovation - Deutschland wird diese Herausforderungen nicht alleine bewältigen. Es braucht eine enge Zusammenarbeit mit europäischen Partnern. Public-Private-Partnerships können helfen, schnell zu Anwendungs-Ergebnissen zu kommen. Testregionen sollten eingerichtet werden, um KI-Anwendungen unter realen Bedingungen zu evaluieren und zu optimieren.
Fazit Deutschland und Europa stehen vor der Herausforderung, bei der Schlüsseltechnologie KI nicht den Anschluss zu verlieren. Es braucht jetzt die richtigen strategischen Weichenstellungen, um nicht von den USA oder China abhängig zu werden und die Chancen der KI für das Gesundheitswesen zu nutzen. Ansonsten heißt es bald: KI-Schachmatt für Deutschland.
Dieser Beitrag ist zuerst im Fachmagazin f&w führen wirtschaften im Krankenhaus am 1. April 2025 erschienen.