Experte für Darmerkrankungen rät, selbst aktiv zu werden
"Ziel ist es, gar nicht erst Krebs zu bekommen!"
Bereits zum 25. Mal steht der März deutschlandweit im Zeichen der Darmkrebsvorsorge und macht auf die Situation von Erkrankten aufmerksam. MUDr. Robert Donoval, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Diabetologie und Infektiologie, erklärt im Interview, warum eine aktive Vorbeugung und Früherkennung so wichtig sind und was moderne Behandlungsmethoden heute leisten können. Darmkrebs erfordert eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Ärzte und Fachkräfte aus Pflege und Therapie. Unsere patientenzentrierte Versorgung entsteht dort, wo ambulante und stationäre Teams Informationen zeitnah teilen, Behandlungsziele abstimmen und Übergänge aktiv begleiten.
Darmkrebs ist eine der häufigsten Tumorerkrankungen in Deutschland mit etwa 55.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 75 Jahren bei Frauen und 71 Jahren bei Männern. Eine zunehmende Zahl von Fällen tritt bei Menschen unter 50 Jahren auf. Die Ursachen dafür sind derzeit noch nicht vollständig geklärt.
MUDr. Robert Donoval, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Diabetologie und Infektiologie am Lausitzer Seenland Klinikum
Was kann man tun, um sich vor einer Darmerkrankung zu schützen?
Das Wichtigste ist, frühzeitig selbst aktiv zu werden. Studien und jahrelange Erfahrung haben gezeigt, dass mit wenigen, einfachen aber regelmäßigen Maßnahmen das Risiko an Darmkrebs zu erkranken, gesenkt werden kann. Regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung und das Halten eines gesunden Körpergewichts tragen nachweislich dazu bei, das Risiko für Darmkrebs zu senken. Bereits moderate Bewegung, wie zügiges Spazierengehen an mehreren Tagen pro Woche, kann einen positiven Effekt haben. Empfehlenswert ist zudem eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten, während rotes und stark verarbeitetes Fleisch möglichst reduziert werden sollte.
Gibt es Risikofaktoren?
Rauchen und ein übermäßiger Alkoholkonsum gehören hier – wie auch für die anderen Krebsentitäten - zu den üblichen Risikofaktoren. Beim Darmkrebs spielt aber auch die Genetik eine wichtige Rolle. Die familiäre Belastung zählt als Risikofaktor und so bedarf der genetisch bedingte Darmkrebs als spezielles Thema einer dementsprechenden Beratung.
Warum ist Früherkennung so wichtig?
Je früher die Erkrankung diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungs- und Behandlungschancen. Der Darm ist ein Organ, bei dem wir bereits Vorstadien eines Tumors erkennen und entfernen können, so dass eine sehr gute Chance besteht, gar nicht erst an Krebs zu erkranken. Und auch wenn schon ein Karzinom festgestellt wird, sind die Heilungschancen in den frühen Stadien sehr gut. Die Vorsorge spielt hier deshalb eine zentrale Rolle. Über den optimalen Zeitpunkt und sinnvolle Intervalle muss man immer individuell beraten, insbesondere dann, wenn familiäre Vorbelastungen oder weitere Risikofaktoren bestehen.
Wie sieht die optimale Vorsorgeuntersuchung aus?
Die effektivste Früherkennungsmaßnahme ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Sie erlaubt nicht nur die direkte Beurteilung der Darmschleimhaut, sondern auch die Entnahme von Gewebeproben und ggf. Entfernung von Vorstufen in derselben Untersuchung. In diesem Falle dient also die Koloskopie nicht nur als eine sehr effektive diagnostische, sondern gleichzeitig auch als therapeutische Methode.
Wohin muss ich mich für eine Vorsorgeuntersuchung wenden?
Der erste Weg führt zum Hausarzt. Er kann beraten und oft gut organisierte Früherkennungs- und Screening-Programme anbieten, beispielsweise auf Basis immunologischer Stuhltests (FIT) und strukturierter Koloskopieangebote, für die die Krankenkassen ab einem gewissen Lebensalter in der Regel die Kosten übernehmen.
Wie geht es weiter, wenn ein Tumor diagnostiziert wird?
Heutzutage ist die erfolgreiche Darmkrebsbehandlung nicht in der Hand nur eines Arztes oder einer Fachdisziplin, sondern eine sehr interdisziplinäre Gemeinschaftsleistung. Im Lausitzer Seenland Klinikum steht ein multiprofessionelles Team bereit, das viel Erfahrung mitbringt und modernste Behandlungskonzepte für eine individuelle Betreuung nutzt. Alle beteiligten Fachdisziplinen, dazu gehören Gastroenterologie, Chirurgie, Onkologie, Radiologie, Pathologie sowie Pflege und Beratung, arbeiten eng zusammen. Interdisziplinäre Fallbesprechungen in der Tumorkonferenz stellen sicher, dass Diagnose, Therapieempfehlungen und die nächsten Schritte individuell abgestimmt, transparent kommuniziert und verständlich erklärt werden.
Über das Lausitzer Seenland Klinikum
Das Lausitzer Seenland Klinikum als Krankenhaus der Schwerpunktversorgung gliedert sich in 14 Fachabteilungen und 2 Institute. Es ist eingestuft als Unfallkrankenhaus und verfügt über einen eigenen Hubschrauberlandeplatz. Seit 2002 ist das Klinikum Akademisches Lehrkrankenhaus der Technischen Universität Dresden. Angeschlossen ist auch eine moderne Medizinische Berufsfachschule mit 150 Ausbildungsplätzen. Insgesamt stehen unserem Haus 410 Planbetten zur Verfügung. Jährlich kommen über 17.000 Patienten zur stationären und rund 25.000 zur ambulanten Behandlung in unser Klinikum. Die durchschnittliche Verweildauer der Patienten über alle Kliniken betrug im Jahr 2025 5,2 Tage. Über 800 Mitarbeiter sind im Klinikum beschäftigt, über 1.000 Mitarbeiter im Konzern.