Experteninterview zu den Herzwochen 2026
„Herz aus dem Takt – Vorhofflimmern erkennen und handeln“ – Risiken, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten
Rund 60 Millionen Menschen weltweit sind von Vorhofflimmern betroffen, in Deutschland betrifft die Krankheit knapp zwei Millionen Menschen.
Vorhofflimmern ist nicht akut lebensbedrohend, kann aber Symptome wie beispielsweise Atemnot oder Schwindel hervorrufen, im schlimmsten Fall einen Schlaganfall auslösen – dann wird sie auch meist erst entdeckt.
Im Interview beantwortet Dr. Oliver Volk, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und internistische Intensivmedizin in den Sana Kliniken Duisburg, Fragen rund um das Vorhofflimmern und macht auf Risiken, Präventionsmöglichkeiten und Symptome aufmerksam.
Außerdem halten Dr. Oliver Volk und Guido Bergdolt, Leitender Oberarzt der Klinik, bei einer Patientenveranstaltung im Rahmen der „Herzwochen 2026“, ausgerufen von der Deutschen Herzstiftung, am 11. November 2026 Vorträge zum Thema „Vorhofflimmern.“
Was ist Vorhofflimmern und was passiert dabei im Körper?
Dr. Oliver Volk: „Das Vorhofflimmern ist eine unkoordinierte, unregelmäßige elektrische Erregung in den Herzvorhöfen. Sie bringt die ansonsten gut abgestimmte Zusammenarbeit von Herzkammern und Vorhöfen durcheinander. Das bedeutet konkret, dass das Herz aus dem Takt gerät und zu schnell schlägt, oft über 100-mal pro Minute. Die Folge: Es wird weniger Blut transportiert, wodurch Blutgerinnsel entstehen können. Lösen sie sich, verstopfen sie nicht selten Arterien im Gehirn und verursachen dadurch Schlaganfälle. Das wissen viele Menschen gar nicht. Darum klären wir bei unser Patientenveranstaltung im Rahmen der ‚Herzwochen‘ hierzu auf.“
Wie sehen typische Symptome aus und wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?
Dr. Volk: „Die ‚elektrischen Fehlzündungen‘ reduzieren die Leistung des Herzens. Manche Menschen bemerken das: Sie leiden zum Beispiel an Atemnot, Herzrasen oder starkem Herzklopfen. Andere bemerken Schwindel, Beklemmungen im Brustkorb oder werden kurzzeitig bewusstlos. Auch ein Schwächegefühl kann auftreten. Tückisch ist allerdings, dass Vorhofflimmern bei schätzungsweise über der Hälfte aller Patienten ohne Symptome oder Beschwerden auftritt und dadurch lange Zeit unbemerkt bleibt. Nicht selten werden Betroffene mit einer Herzschwäche oder einem Schlaganfall stationär im Krankenhaus aufgenommen und erfahren zum ersten Mal, dass Vorhofflimmern dafür verantwortlich ist. Es ist daher wichtig, dass man auf seinen Körper achtet. Treten die genannten Symptome auf, sollten sie unbedingt ernst genommen und medizinisch abgeklärt werden.“
Wie wird Vorhofflimmern diagnostiziert?
Dr. Volk: „Mit einem EKG, einem Langzeit-EKG oder einem Ereignis-Rekorder untersuchen wir, ob für die Symptome und ein mögliches Herzstolpern eine harmlose Unregelmäßigkeit des Herzschlags verantwortlich ist oder eben das Vorhofflimmern. Gelegentlich kommen Menschen zu uns, die Vorhofflimmern erstmalig über eine Smartwatch angezeigt bekommen. Wichtig ist zunächst, die Ursache für diese Rhythmusstörung zu finden. Besonders häufig kommt Bluthochdruck vor. Weitere Risikofaktoren sind Übergewicht, schlafbezogene Atemstörungen wie die obstruktive Schlafapnoe, koronare Herzkrankheit, Herzklappenfehler, Diabetes mellitus oder Schilddrüsenüberfunktion; sie können Vorhofflimmern begünstigen. Für Betroffene gibt es dann verschiedene Behandlungsoptionen.“
Welche Therapien kommen infrage?
Dr. Volk: „Am Anfang steht oft eine medikamentöse Therapie mit Antiarrhythmika, die das Herz wieder in den Takt bringen sollen. Je länger das Vorhofflimmern aber besteht, desto schwieriger wird es, auf diese Weise den normalen Rhythmus wiederherzustellen. Klappt das nicht, setzen wir auf eine sogenannte Katheterablation. Das ist ein minimalinvasiver Eingriff bei dem wir gezielt jene Areale im Herzgewebe veröden oder zerstören, die falsche elektrische Signale aussenden.“
Welche zusätzlichen Auslöser können neben den bereits genannten Risikofaktoren das Entstehen von Vorhofflimmern begünstigen und was kann ich dagegen tun?
Dr. Volk: „Alles, was das Herz zusätzlich belastet. Also beispielsweise übermäßiger Alkoholkonsum, zu viel Stress, aber auch Infekte. Wichtig ist, die Risikofaktoren zu minimieren und Begleiterkrankungen, sogenannte Co-Morbiditäten, zu behandeln. Das heißt, darauf zu achten, dass ein möglicher Bluthochdruck oder Blutzuckerspiegel bei Diabetes mellitus optimal eingestellt sind, ein mögliches Schlafapnoe-Syndrom behandelt wird. Außerdem: Übergewicht abbauen, sich regelmäßig bewegen und Sport treiben, zudem auf einen maßvollen Konsum von Alkohol achten.“
Patientenveranstaltung im Rahmen der Herzwochen 2026 – „Herz aus dem Takt – Vorhofflimmern erkennen und handeln“
Wann: Mittwoch, 11. November 2026, 15:00 bis 17:00 Uhr
Wo: Hörsaal der Sana Kliniken Duisburg, Zu den Rehwiesen 9, 47055 Duisburg
Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Dr. Oliver Volk, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und internistische Intensivmedizin in den Sana Kliniken Duisburg.
Über die Sana Kliniken Duisburg
Die Sana Kliniken Duisburg sind ein Krankenhaus der Maximalversorgung und behandeln jährlich zirka 22.000 stationäre Patientinnen und Patienten. Weitere rund 60.000 Patienten werden ambulant versorgt. Das Klinikum verfügt über 17 Fachabteilungen, drei Institute und ein angeschlossenes Ärztezentrum sowie 550 Betten und beschäftigt 1.600 Mitarbeitende. Träger ist zu 99 Prozent die Sana Kliniken AG und zu einem Prozent die Stadt Duisburg.