Ismaning,
10
September
2025
|
07:48
Europe/Amsterdam

Früh erkennen, gezielt vorbeugen: Tipps zur Demenzprävention

Zusammenfassung

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben laut dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) mit einer diagnostizierten Demenz. Der größte Teil dieser Fälle, etwa zwei Drittel, geht auf eine Alzheimer-Erkrankung zurück. Und die Zahl könnte weiter steigen. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig mit Aufklärung, Lebensstilmaßnahmen und gezielter Früherkennung zu beginnen.

Prof. Nr. Max Nedelmann

„Bisher sind die genauen Ursachen der Alzheimer-Demenz nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich ist es ein Zusammenspiel aus genetischen, umweltbedingten und lebensstilbezogenen Faktoren“, erklärt Professor Max Nedelmann, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Abteilung für Neurologie der Regio Kliniken. „Im Gehirn kommt es zum Abbau von Nervenzellen. Verantwortlich gemacht werden unter anderem Eiweißablagerungen sowie ein Mangel des wichtigen Botenstoffs Acetylcholin, der für Gedächtnisfunktionen entscheidend ist.“

Mehr als 40 Prozent der Fälle wären vermeidbar

Ein gesunder Lebensstil schützt nicht garantiert vor Demenz. Aber er kann das Risiko deutlich senken. Ein Update der international renommierten Lancet-Kommission zeigt: Mehr als 40 Prozent der Demenzfälle weltweit ließen sich durch die Reduktion von Risikofaktoren vermeiden oder zumindest hinauszögern. Dazu gehören unter anderem:

•    Bewegungsmangel
•    unkontrollierter Diabetes mellitus
•    Bluthochdruck
•    erhöhte Cholesterinwerte
•    Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
•    Übergewicht
•    Depressionen, Schwerhörigkeit und Sehverlust

„Wer sich regelmäßig bewegt, sich ausgewogen ernährt, ausreichend schläft und geistig aktiv bleibt, leistet einen aktiven Beitrag zur Vorbeugung“, betont der Neurologe. „Auch soziale Kontakte sind ein wichtiger Schutzfaktor gegen den geistigen Rückzug.“

 

Infografik Demenz

Demenz-Symptome erkennen und frühzeitig handeln

Die Alzheimer-Demenz beginnt meist schleichend. Typisch sind zunehmende Vergesslichkeit, Schwierigkeiten bei Orientierung und Sprache sowie der Verlust von Alltagskompetenzen. Die meisten Betroffenen sind über 80 Jahre alt. Frühe Verlaufsformen unter 65 Jahren sind selten, aber besonders schwerwiegend.

Neue Hoffnung durch medikamentöse Therapie

Auch auf therapeutischer Ebene gibt es Fortschritte: Mit dem Wirkstoff Lecanemab wurde in der EU ein Medikament zugelassen, das gezielt gegen die im Gehirn entstehenden Amyloid-Plaques wirkt. Dabei handelt es sich um Ablagerungen, die den Informationsaustausch zwischen Nervenzellen blockieren. „Diese Therapie kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen, allerdings nur im frühen Stadium und nicht bei allen Betroffenen“, erklärt Max Nedelmann. „Ob das Medikament eingesetzt werden kann, entscheidet die behandelnde Fachärztin beziehungsweise der Facharzt.“

Fazit: Jeder Schritt zählt

Demenz ist keine unausweichliche Alterserscheinung. Jeder kann durch sein Verhalten einen Beitrag zur eigenen geistigen Gesundheit leisten. Prävention beginnt früh und lohnt sich in jedem Alter.