Hand-in-Hand-Begleitung für die Allerkleinsten und ihre Eltern
Am 17. November ist Welt-Frühgeborenen-Tag / Wie Geburtsklinik und Kinderklinik in Lauchhammer Familien in solchen besonderen Situationen betreuen
• In der Geburtsklinik Lauchhammer können Kinder ab der 32. Schwangerschaftswoche geboren werden
• Tür an Tür - Enge Kooperation zwischen Geburts- und Kinderklinik für optimale Versorgung der Frühgeborenen
• Multiprofessionelles Team und intensive Betreuung für Mutter und Kind im Perinatal-Zentrum Lauchhammer
Wenn Babys viel früher auf die Welt kommen als geplant, ist das für Eltern und Winzlinge oft ein einschneidendes Erlebnis. Seit 2011 weist der Welt-Frühgeborenen-Tag am 17. November alljährlich auf die außergewöhnlichen Startbedingungen für Frühchen hin. In der Geburtsklinik der Sana Kliniken Niederlausitz in Lauchhammer werden die Allerkleinsten und ihre Eltern intensiv durch die ersten Tage und Wochen begleitet.
Deutschlandweit kommen nach Angaben des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind“ rund 60.000 Babys jährlich zu früh auf die Welt – etwa jedes elfte Kind. Eines von ihnen ist Mirabelle. Das kleine Mädchen wurde am 30. September dieses Jahres in der Geburtsklinik in Lauchhammer geboren – viel früher als errechnet. Mama Nadine Muschinski ist glücklich darüber, dass sie die 33. Schwangerschaftswoche noch vollenden konnte. „Es gab schon während der Schwangerschaft Komplikationen. Als es dann nach der 33. Schwangerschaftswoche erneut zu Blutungen kam, sind wir in die Geburtsklinik nach Lauchhammer gefahren und durften dortbleiben“, erzählt die dreifache Mutter. Doch nach drei Tagen auf der Station bekam die Ruhlanderin Schmerzen, die Geburt ließ sich nicht mehr aufhalten. „Ich hatte am Anfang etwas Sorge, ob es die richtige Entscheidung ist, in Lauchhammer zu entbinden, wenn mein Baby so früh auf die Welt kommt. Aber nach den ersten Gesprächen mit dem Team der Geburtsklinik hatte ich keine Ängste mehr. Die Ärzte waren super“, sagt Nadine Muschinski. Nach nur wenigen Wehen kommt Mirabelle auf die Welt – zarte 1790 Gramm schwer und 41 Zentimeter klein. „Ich habe gehofft, dass sie sich gleich meldet und sie hat zum Glück gleich geschrien und geatmet“, erzählt die dreifache Mutter.
Perinatal-Zentrum mit multiprofessionellem Team
Jedes Jahr kommen in der Geburtsklinik in Lauchhammer durchschnittlich 30 Frühgeborene auf die Welt. Das Krankenhaus der Sana Kliniken Niederlausitz gilt als Perinatal-Zentrum auf dem Level 3. Diese Zentren-Klassifizierung erfolgt durch unabhängige Einstufungskommissionen anhand verschiedener Merkmale. Dank eines multiprofessionellen Teams, umfassender Ausstattung und intensiver Abstimmung zwischen der Geburtsklinik und der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin dürfen in Lauchhammer Geburten ab der vollendeten 32. Schwangerschaftswoche begleitet und Neugeborene ab einem Geburtsgewicht von 1500 Gramm versorgt werden. Bei Zwillingsschwangerschaften ist die Geburtsklinik Lauchhammer ab der vollendeten 33. Woche Anlaufstelle. „Wir haben eine direkte Kommunikation zwischen Geburtsklinik und Kinderklinik und werden über mögliche Frühgeburten informiert, wenn Schwangere mit Komplikationen auf der Wöchnerinnenstation liegen. Aber auch sonst sind wir stets darauf vorbereitet, denn es kann ja auch sein, dass eine Schwangere verunfallt und dadurch die Geburt vorzeitig ausgelöst wird“, sagt Dipl.-Med. Ulrich Stopp, kommissarischer Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.
Tür an Tür - Enge Kooperation zwischen Geburtsklinik und Kinderklinik
Von der engen Kooperation zwischen Geburtsklinik und Kinderklinik, die nur durch eine Tür getrennt sind, profitieren alle, die sich für eine Geburt in Lauchhammer entscheiden. Für Mütter, Väter und die Neugeborenen ist dieses Hand-in-Hand-Arbeiten Gold wert. Bei Frühgeborenen ist in Lauchhammer beispielsweise in jedem Falle ein Kinderarzt bei der Geburt anwesend, um bei möglichen Komplikationen schnellstens handeln zu können. „Frühgeborene sind keine kleinen Neugeborenen. Es gibt eine Reihe von Spezifika, die beachtet werden müssen. Sie haben häufig eine Neigung dazu, mit der Atmung auszusetzen, können ihre Körpertemperatur noch nicht halten oder brauchen Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme. Bei einem ausreichend begründeten Verdacht auf eine Infektion, durch die die vorzeitige Geburt ausgelöst worden sein könnte, beginnen wir außerdem mit einer Antibiotikatherapie “, erklärt der erfahrene Kinderarzt Dipl. Med. Ulrich Stopp.
Tür an Tür arbeitet das Team der Kinderklinik und Geburtsstation zusammen. Kurze Wege und somit eine schnellere Versorgung sind insbesondere bei Frühgeburten wichtig. Hier treffen die Kinderkrankenschwestern Sandy und Anja sowie der Arzt in Weiterbildung Radoslaw Pajak mit Zainab Moualla Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe aufeinander.
Intensive Betreuung für Baby und Mama
Die Allerkleinsten bekommen in der Klinik deshalb eine besondere medizinische Überwachung und intensive pflegerische Begleitung. Inkubatoren wärmen die Kleinen, ein spezielles Atemsystem gibt zusätzliche Unterstützung und es gibt ganz viel menschliche Nähe. „Bei uns werden die Babys nicht über Sonden ernährt. Sondern wir sorgen dafür, dass sich immer eine Schwester um das Frühgeborene kümmert und eine 1:1-Betreung gesichert ist“, sagt Kinderkrankenschwester Maren Fischer. Sie leitet aktuell die Geschicke der fachkompetenten und engagierten Kinderkrankenschwestern auf der Station. Der bindungs- und familienorientierte Ansatz der Klinik wird auch bei Frühgeborenen fokussiert: Durch das Rooming In sind die Eltern immer ganz in der Nähe, können ihre Kinder so oft wie möglich sehen und - wenn es der Zustand der Babys erlaubt - auch mit ihm kuscheln. „Wir zeigen den Müttern, wie das Wickeln im Inkubator funktioniert, geben den Müttern Hilfe beim Stillen oder Unterstützung beim Abpumpen, wenn das Baby noch nicht allein an der Brust trinken kann“, erklärt Maren Fischer und betont: „Das ist besonders bei uns und geht nur, weil wir eine relativ kleine Klinik sind.“
Beistand für Eltern durch Gespräche und Beratung
Die intensive Begleitung ist für beide Seiten enorm wichtig: „Nicht nur die Kinder haben weniger Zeit zu reifen. Auch die Mütter von Frühgeborenen haben weniger Zeit, sich auf ihr Baby vorzubereiten“, weiß Dipl.-Med. Ulrich Stopp. Deswegen gibt es auch schon von den Hebammen vor der Geburt liebevolle Unterstützung. „Wir versuchen, den Eltern ganz viel Beistand zu geben. Erklären Dinge auch mehrmals, nehmen uns Zeit für Gespräche und tun alles dafür, dass sie sich bei uns gut aufgehoben fühlen. Wir wissen, dass viele beim Anblick der vielen Unterstützungssysteme im Inkubator erst einmal erschrocken sind. Aber wir erklären ihnen, dass es viel schlimmer aussieht, als es ist, und erläutern, wofür all diese Technik da ist“, sagt Hebamme Jana Kastner. Außerdem haben Hebammen und Pflegeprofis jede Menge Tipps zur Hand, wo und wie sich Eltern Unterstützung ins Boot holen können: Die gibt es beispielsweise bei verschiedenen Anlaufstellen wie dem Netzwerk Frühe Hilfen oder durch eine Freistellung im Job und auch durch Freunde und Familie, wo Aufgaben auf viele Schultern verteilt werden können.
Nadine Muschinski und ihr Mann haben zum Glück auch ein solches Netzwerk: Während Mama im Krankenhaus war und Papa arbeiten musste, haben Omas und Opas die Betreuung der beiden älteren Töchter übernommen und den Haushalt geschmissen. Inzwischen sind Mutter und Baby zu Hause und der Alltag mit drei Kindern unter einem Dach spielt sich langsam ein. Starre Grenzwerte, ab wann Frühgeboren aus der Geburtsklinik entlassen werden, werden in Lauchhammer nicht angesetzt. „Wenn das Baby ausreichend Nahrung zu sich nehmen kann und sich die Gewichtskurve positiv entwickelt, alle Blutwerte in Ordnung sind, das Kind insgesamt stabil ist und wir bei den Eltern ausreichend Sicherheit sehen, dass sie zu Hause gut klarkommen“, erklärt Kinderarzt Dipl. Med. Ulrich Stopp.
„Wir sind super begleitet worden“
Nadine Muschinski ist froh, dass Mirabelle so gut und sicher ins Leben starten konnte. Nach der ersten Zeit im Inkubator legte die Kleine bald an Gewicht zu und konnte bei Mama im Zimmer im Wärmebettchen liegen. Nach gut zweieinhalb Wochen Rundum-Pflege in der Klinik war es endlich soweit: Für Mama Nadine und Baby Mirabelle ging es nach Hause. „Wir sind super begleitet worden und hatten fast eine Einzelbetreuung. Ich fand es wirklich toll, dass Mirabelle dadurch keine Magensonde brauchte. Wir sind einfach rundumversorgt worden und alle haben uns das Gefühl gegeben, als würde es nur darum gehen, dass wir das schaffen. Das werde ich wohl niemals vergessen.“