Herz aus dem Takt - wenn der Schlaganfall droht
Zum „Tag gegen den Schlaganfall“ am 10. Mai ein Blick auf eine der häufigsten Ursachen für den Hirninfarkt: das Vorhofflimmern.
Jährlich erleiden zirka 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Dieser sogenannte Apoplex ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, dem bisweilen eine Herzrhythmusstörung zu Grunde liegt: Die Ursache hierfür kann ein Blutgerinnsel (Thrombus) sein, welches im Herzen aufgrund einer Rhythmusstörung entstanden ist. Dieses Blutgerinnsel kann abreißen, mit dem Blutstrom in den Kopf getragen werden und dort ein Hirngefäß verstopfen. Die Verstopfung führt zu einem Mangel an Sauerstoff und Nährstoffen in den betroffenen Hirngebieten, welche dann absterben. Um der Gerinnselbildung, insbesondere bei Vorhofflimmern, vorzubeugen, erhalten viele Patientinnen und Patienten eine Blutverdünnung. Allerdings ist diese auch nicht ungefährlich, denn es kann darunter zu einer Einblutung in das Gehirn kommen, was ebenfalls zu einem Hirninfarkt führt.
Auslöser für die Thrombenbildung ist neben bestimmten Herzklappenerkrankungen besonders oft das sogenannte Vorhofflimmern. Dieses gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen. In Deutschland leiden knapp zwei Millionen Menschen daran. “Das Herz schlägt dabei unregelmäßig, oft zu schnell. Dadurch wird das Blut zu wenig im Vorhof durchmischt, was die Gerinnselbildung fördert“, sagt Privatdozent Dr. Thomas Gaspar, leitender Oberarzt der Abteilung für Rhythmologie am Herzzentrum Dresden Universitätsklinik, welches von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) als Vorhofflimmer-Zentrum zertifiziert ist. Verantwortlich dafür, dass das Herz aus dem Takt kommt, sind unregelmäßige elektrische Erregungen in den Vorhöfen unseres Lebensmuskels. Diese bringen die extrem gut abgestimmte Zusammenarbeit von Herzkammern und Vorhöfen durcheinander.
Keine Symptome bei jedem Zweiten
„Letztlich reduzieren diese elektrischen Fehlzündungen die Förderleistung des Herzens. Manche Menschen bemerken das. Sie leiden an Atemnot, Herzrasen oder starkes Herzklopfen. Andere empfinden ein Schwindelgefühl, eine Beklemmung im Brustkorb oder werden gar ohnmächtig. Auch eine Leistungsschwäche oder Erschöpfung kann auftreten“, erklärt Dr. Thomas Gaspar.
Tückisch ist, dass Vorhofflimmern bei über der Hälfte aller Patientinnen und Patienten jedoch ohne Symptome oder Beschwerden auftritt und dadurch lange Zeit unbemerkt bleibt. Nicht selten werden Betroffene mit einer Herzschwäche oder einem Schlaganfall stationär im Krankenhaus aufgenommen und erfahren zum ersten Mal, dass Vorhofflimmern dafür verantwortlich ist.
Es ist daher wichtig, dass Betroffene auf die Zeichen ihres Körpers achten und sich bei den oben genannten Symptomen bei einem Experten vorstellen. Dieser kann mit einem EKG, einem Langzeit-EKG oder einem Ereignis-Rekorder klären, ob das Herzstolpern eine harmlose Unregelmäßigkeit des Herzschlags oder Vorhofflimmern verantwortlich ist. „Im Mittelpunkt für uns Mediziner steht dann, die Ursache für die Rhythmusstörung zu finden. Besonders häufig ist das Bluthochdruck. Aber auch eine Herzmuskelschwäche, die koronare Herzkrankheit, Herzklappenfehler, Übergewicht, Diabetes mellitus, übermäßiger Alkoholkonsum oder eine Schilddrüsenüberfunktion begünstigen Vorhofflimmern“, sagt Dr. Gaspar.
Behandlungsoptionen: Medikamente oder Katheterablation
Für Menschen mit Vorhofflimmern stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung. So wird anfangs zumeist eine medikamentöse Therapie versucht. Je länger das Vorhofflimmern aber besteht, desto schwieriger wird es, auf diese Weise den normalen Herzrhythmus wieder herzustellen. „Klappt das nicht, setzen wir auf eine sogenannte Katheterablation. Bei diesem Eingriff werden Herzmuskelzellen im Übergangsbereich von Lungenvenen und linkem Vorhof mit Hitze, Kälte oder Strom verödet. Dadurch entstehen rings um die Venen Narben, die eine Barriere für die störenden elektrischen Impulse werden. So wird der Herzrhythmus wieder normalisiert“, so Dr. Thomas Gaspar. Diese vor etwa 25 Jahren erstmals eingesetzte Technologie entwickelte sich stets weiter, so dass es von der Stufe der „Neulandmedizin“ inzwischen bei einem Teil der Patientinnen und Patienten als Therapie der ersten Wahl, das heißt sogar noch vor der medikamentösen, rhythmuserhaltenden Therapie eingesetzt wird.
Unabhängig davon, welche Behandlungsmethode gewählt wird – bis auf wenige Ausnahmen erhalten alle Betroffenen Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung. Diese sollen der Bildung von Blutgerinnseln und damit Schlaganfällen vorbeugen.
In Aktion: Prof. Dr. Sergio Richter (rechts), Sektionsleiter des Bereichs Rhythmologie am Herzzentrum Dresden Universitätsklinik, und Oberärztin Julia Mayer bei einer Ablation im Herzkatheterlabor.
Über das Herzzentrum Dresden Universitätsklinik
Das Herzzentrum Dresden Universitätsklinik, ein Krankenhaus der Sana Kliniken AG, ist ein Fachkrankenhaus der Maximalversorgung mit 220 Planbetten und ca. 800 Mitarbeitern. Insgesamt werden in den Kliniken für Herzchirurgie sowie Innere Medizin und Kardiologie jährlich rund 15.000 Patienten ambulant und ca. 10.000 Patienten stationär behandelt. Das Haus ist von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) als Vorhofflimmer-Zentrum zertifiziert.
Über die Sana Kliniken AG
Die Sana Kliniken AG ist führender integrierter Gesundheitsdienstleister im deutschsprachigen Raum. Die ganzheitliche Gesundheitsversorgung erstreckt sich von Präventionsangeboten über die ambulante und stationäre Versorgung bis hin zu Nachsorge, Rehabilitation und Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln. Neben B2B-Services in Einkauf und Logistik bietet Sana Beratung, Implementierung und Instandhaltung in den Bereichen Medizintechnik und Medizinprodukte sowie Managementleistungen für externe Kliniken an. 2022 erwirtschafteten die rund 34.500 Beschäftigten einen Umsatz von drei Milliarden Euro. Zur Sana Kliniken AG zählen mehr als 120 Gesundheitseinrichtungen, darunter Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und 44 Krankenhäuser, in denen jährlich rund zwei Millionen Patientinnen und Patienten behandelt werden, sowie mehr als 50 Sanitätshäuser. Eigentümer der 1976 gegründeten Sana Kliniken AG sind 24 private Krankenversicherungen. Sitz der Unternehmenszentrale ist Ismaning bei München.