Herzgesund durch die Sommerhitze und die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko
Chefarzt Dr. Torsten Schwalm: „Temperaturen, wie wir sie derzeit erleben, beanspruchen das Herz-Kreislauf-System. Besonders ältere Menschen sowie Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelangen schneller an ihre Belastungsgrenzen.“
- Besonders Menschen mit koronarer Herzkrankheit, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder einer zurückliegenden Herzoperation sind während dieser Hitzeperiode gefährdet
- Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, Medikamente wie gewohnt und regelmäßig einnehmen, übermäßige Belastungen vermeiden
- Bei einem Verdacht auf einen Herzinfarkt sofort den Notruf 112 wählen
Auch das Rheinland verzeichnet in diesen ersten Wochen des WM-Sommers bereits sehr hohe bis extreme Temperaturen. Die Kombination aus Phasen extremer Hitze und der Hochspannung, unter die uns die deutsche Nationalelf derzeit in Amerika setzt, kann Menschen körperlich zusetzen. Was Dr. Eduard Gruber (Leiter der Zentralen Notaufnahme) und Dr. Torsten Schwalm (Ärztlicher Direktor und Leiter des Herz- und Gefäßzentrums des Rhein-Erft-Kreises) vom Sana-Krankenhaus Hürth während dieser Hitzewelle empfehlen, lesen Sie im folgenden Q&A:
1. Belastet Sommerhitze, insbesondere wenn Sie so lange anhält, das Herz?
Dr. Torsten Schwalm: „Temperaturen, wie wir sie derzeit erleben, beanspruchen das Herz-Kreislauf-System. Um überschüssige Körperwärme abzugeben, erweitern sich die Blutgefäße in der Haut. Dadurch muss unser Herz mehr arbeiten, um die Durchblutung und den Blutdruck aufrechtzuerhalten. Besonders ältere Menschen sowie Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelangen dadurch schneller an ihre Belastungsgrenzen.“
2. Welche Faktoren tragen dazu bei, dass Puls und Kreislaufbelastung bei Hitze besonders steigen?
Dr. Eduard Gruber: „Bei Hitze versucht unser Körper, sich durch Schwitzen und eine verstärkte Hautdurchblutung zu kühlen. Damit verbunden ist ein Verlust an Flüssigkeit und Mineralstoffen: Steuern wir nicht früh genug mit der Aufnahme von Flüssigkeit gegen, nimmt das zirkulierende Blutvolumen ab. Das Herz muss in der Folge häufiger schlagen, um die Organe ausreichend zu versorgen. Dies kann zu Herzrasen, Schwindel, Kreislaufproblemen oder Blutdruckschwankungen führen. Es ist daher also wichtig, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, indem man ausreichend und auch früh genug am Tag Flüssigkeit zu sich nimmt, am besten Wasser oder ungesüßte, auch isotonische Getränke. Auch auf das Rauchen sollte man generell - und natürlich auch bei Hitze - verzichten.“
Schwalm: „Eine überstarke emotionale Erregung kann für manche Menschen durchaus einen herzbezogenen Risikofaktor darstellen.“
3. Kann das Mitfiebern mit der DFB-Elf bei der WM 2026 tatsächlich Herzprobleme auslösen?
Schwalm: „Wissenschaftlich lässt sich das nicht mit schlagender Evidenz unterlegen. Ich erinnere mich aber an ein WM-Eishockeyspiel zwischen Schweden und Russland, in dessen Folge ich als in Schweden tätiger Arzt fünf Patienten nacheinander behandeln musste, die einen Herzinfarkt erlitten hatten. Bedeutende emotionale Ereignisse, zum Beispiel die Trauer um einen Angehörigen oder der Millionengewinn im Lotto, können eine akut auftretenden Herzschwäche auslösen, auch als Stresskardiomyopathie oder Tako-Tsubo-Erkrankung bezeichnet. Die Erkrankung hat zum Glück oft einen gutartigen Verlauf mit der Wiederherstellung der Herzkraft, kann aber auch zu schwerwiegenden Komplikationen bis hin zum Tode führen. Insofern kann eine überstarke emotionale Erregung für manche Menschen durchaus einen herzbezogenen Risikofaktor darstellen.“
4. Wer sollte während dieser WM der Superlative mit ungewöhnlichen Anstoßzeiten besonders achtsam mit sich sein?
Gruber: „Besondere Vorsicht sollten Menschen mit koronarer Herzkrankheit, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder einer zurückliegenden Herzoperation walten lassen. Auch ältere Menschen und Personen mit mehreren Vorerkrankungen sollten auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr, die regelmäßige Medikamenteneinnahme und die Vermeidung übermäßiger Belastungen achten.“
5. Ist Public Viewing riskanter als Fernsehen zu Hause?
Schwalm: „Grundsätzlich lässt sich, auch mit Blick auf Veranstaltungen wie der Pride Parade oder den Kölner Lichtern, sagen: Der Mix aus großen Menschenmengen, hohe Außentemperaturen, längerem Stehen, Alkoholkonsum und einer stärkeren emotionalen Anspannung kann das Herz-Kreislauf-System durchaus belasten. Wer herzkrank ist, sollte auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, Schattenplätze bevorzugen und bei Beschwerden frühzeitig eine Pause einlegen. Medikamente sollten wie gewohnt eingenommen werden. Zuhause fällt es zudem womöglich leichter, sich auch mal für einen kurzen Moment vom Bildschirm abzuwenden und emotional wie körperlich abzukühlen oder ein zusätzliches Glas Wasser zu sich zu nehmen. Und wie heißt es so schön: Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Ein wenig emotionaler Abstand schadet mit Sicherheit nicht, weil man selbst faktisch auch nichts zum Erfolg des Teams beitragen kann.“
6. Welche Rolle spielen Alkohol und Grillabende für das Herz?
Gruber: „Hohe Temperaturen, Alkohol, fettreiche Mahlzeiten und Flüssigkeitsmangel sind durchaus eine problematische Mischung: Alkohol belastet den Kreislauf und führt gegebenenfalls zu einer eingeschränkten Wahrnehmung von Warnsymptomen. Wer seinem Körper etwas Gutes tun will, trinkt ausreichend Wasser oder ungesüßte Getränke und nimmt Vorzug an Salaten, Gemüse und mageren Grillgerichten.“
7. Welche Warnzeichen deuten auf einen Notfall hin, bei dem man nicht zögern sollte, sondern den Notruf 112 wählt?
Schwalm: „Das sind insbesondere folgende Alarmzeichen, zumal dann, wenn sie neu auftreten, plötzlich beginnen, stark ausgeprägt sind oder kombiniert auftreten:
- Druck-, Enge- oder Schmerzgefühl im Brustkorb
- Atemnot oder ungewöhnliche Luftnot
- Herzstolpern oder anhaltendes Herzrasen
- Schwindel oder Kreislaufkollaps
- Kalter Schweiß, Übelkeit oder plötzliche Schwäche
- Schmerzen, die in Arm, Schulter, Rücken oder Kiefer ausstrahlen
Im Zweifel gilt: Lieber einmal mehr den Notruf 112 wählen als einen Herzinfarkt zu übersehen. Gerade bei Herzinfarkten entscheidet oft jede Minute über den Behandlungserfolg.“
Dr. Eduard Gruber, Leiter der Zentralen Notaufnahme, und Dr. Torsten Schwalm, Chefarzt des Zentrums für Innere Medizin und Ärztlicher Direktor des Sana-Krankenhauses Hürth


Über das Sana Krankenhaus Hürth
Das Sana-Krankenhaus Hürth ist ein hochmodernes Haus der gehobenen Grund- und Regelversorgung in der Metropolregion Köln-Bonn, das die medizinische Versorgung der Bevölkerung in Hürth und dem Rhein-Erft-Kreis mit seinen Fachabteilungen für Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesie sicherstellt. Rund 350 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich jährlich um über 20.000 Patientinnen und Patienten im stationären und ambulanten Bereich.
Das Hürther Krankenhaus wurde 1984 durch Sana übernommen und war damals deutschlandweit das erste kommunale Haus, das privatisiert wurde. Die Übernahme war mit einer mindestens 20-jährigen Bestandszusage verbunden. Seitdem wurde das Sana-Krankenhaus Hürth mehrfach erweitert, saniert und (medizinisch) modernisiert. Mit seinen zukunftsfähigen Voraussetzungen für die qualifizierte medizinische Versorgung der Bevölkerung gewinnt es zunehmend an Bedeutung für die gesamte Region.