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Ismaning,
01
November
2024
|
07:00
Europe/Amsterdam

Herzschwäche: Was ist das, und wie stellen Ärzte die Krankheit fest?

Zusammenfassung

Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Herzschwäche, Experten sprechen bei diesem Krankheitsbild von Herzinsuffizienz. Die Ursachen für ein schwaches Herz sind vielschichtig, meist entsteht die Einschränkung der Herzfunktion als Folge einer Vorerkrankung. Für die Diagnose nutzen Ärzte verschiedene Untersuchungen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Destatis starben im Jahr 2023 etwa 38.000 Menschen an einer Herzinsuffizienz. Damit liegt sie in der Rangliste der Todesursachen mit einem Anteil von fast elf Prozent auf Platz drei der Sterbefälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen – weiterhin führend ist die Koronare Herzkrankheit (KHK). Der neue Herzbericht 2024 zeigt, dass die Herzinsuffizienz nicht nur die häufigste Einzeldiagnose für eine stationäre Krankenhausbehandlung in Deutschland ist, sondern auch eine Hauptursache für den plötzlichen Herztod darstellt.

Eine chronische Herzinsuffizienz entsteht dabei meistens nicht von heute auf morgen. Sie ist oftmals die Folge von Vorerkrankungen, zum Beispiel verengten Herzkranzgefäßen (koronare Herzerkrankung), Herzinfarkt oder Herzkappenerkrankungen.

Meist beginnt die Herzschwäche schleichend und die Pumpleistung des Herzens reduziert sich allmählich. Eine nachlassende Leistungsfähigkeit sowie Atemnot sind erste Vorboten. Wer dann sofort zum Arzt geht, kann den weiteren Verlauf positiv beeinflussen. Denn wenn eine Herzschwäche frühzeitig erkannt und die richtige Therapie eingeleitet wird, bleibt die Lebensqualität lange erhalten.

Typische Symptome im Verlauf

Neben den anfänglichen Leistungseinbußen und Symptomen wie Atemnot bei Belastung und schneller Ermüdung sind auch Wassereinlagerungen und eine Gewichtszunahme ganz typisch für eine Herzschwäche. Wenn die Pumpleistung nachlässt, schafft es der Herzmuskel nicht mehr, ausreichend Blut in den Körper zu befördern. Das führt zu einem Rückstau in den Venen und damit zu Wassereinlagerungen – Mediziner sprechen dann von Ödemen. Diese Schwellungen sind vor allem an den Füßen und den Knöcheln sichtbar. Zudem berichten Patienten häufig von Husten, Rasselgeräuschen beim Atmen, kalten Fingern, Füßen und Beinen, nächtlicher Harndrang oder Schwindelgefühlen.

Diagnose der Herzinsuffizienz

Wer Symptome feststellt, sollte ärztlichen Rat einholen. Die erste Anlaufstelle ist meist die hausärztliche Praxis. Je früher ein schwaches Herz erkannt wird, desto besser sind die Aussichten auf Heilung oder Linderung. Am Anfang der ärztlichen Untersuchung steht die ausführliche Befragung zu den aktuellen Symptomen und der Vorgeschichte – Mediziner nennen dies Anamnese. Bei der nachfolgenden körperlichen Untersuchung hört der Arzt oder die Ärztin unter anderem das Herz und die Lunge ab, führt eine Tastuntersuchung des Bauches durch und beurteilt den Füllungszustand der Halsvenen durch Beobachtung und Abtasten.

Bei Verdacht auf eine Herzschwäche erfolgt in der Regel die Überweisung an eine kardiologische Praxis. Mittels Echokardiographie (Ultraschall des Herzens) können Herzmediziner erkennen, ob der Herzmuskel verdickt ist oder die Herzkammern vergrößert sind. Auch geschädigte Herzklappen können so identifiziert werden. Die Echokardiographie in Ruhe und unter Belastung lässt zudem eine Beurteilung der Pumpleistung des Herzens zu. Mit der Elektrokardiografie (EKG) prüfen Mediziner die Funktion des Herzens. Herzfrequenz und Herzrhythmus sind hier wichtige Messgrößen.

Weitere diagnostische Schritte können notwendig sein, wenn der Verdacht auf zusätzliche Probleme, wie Flüssigkeitseinlagerungen in der Lunge, besteht. Dann kann ergänzend ein Röntgenbild des Brustkorbs beziehungsweise weitere Bildgebung wie die Computertomographie oder das Kernspintomogramm des Herzens nötig sein. Je nach individuellem Fall kann der Arzt oder die Ärztin auch eine Herzkatheter-Untersuchung anordnen. Dabei wird ein biegsamer Schlauch unter Röntgenkontrolle durch ein Blutgefäß von der Leiste oder dem Arm aus bis zum Herzen geschoben. Auf diese Weise lassen sich Herzerkrankungen bildlich darstellen und gegebenenfalls auch sofort therapieren.

Schweregrade der Herzschwäche

Je nach Schwergrad teilen Mediziner die Herzschwäche in verschiedene Stadien ein. Sehr häufig kommt die Klassifikation der New York Heart Association (NYHA) zum Einsatz. Entscheidend für die Zuteilung sind die Symptome der Betroffenen:

  • NYHA I: Asymptomatische Herzschwäche ohne körperliche Beschwerden. Die Patienten empfinden keine Einschränkung bei alltäglicher körperlicher Belastung. Normale körperliche Aktivität verursacht keine Symptome wie Müdigkeit, Herzklopfen oder Atemnot.
  • NYHA II: Leichte Herzerkrankung mit geringer Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. In Ruhe oder bei leichter Anstrengung haben die Patienten keine Beschwerden. Symptome wie Atemnot, Rhythmusstörungen oder Erschöpfung treten erst bei stärkerer körperlicher Belastung auf, zum Beispiel beim Treppensteigen.
  • NYHA III: Mittelschwere Herzerkrankung mit deutlichen Einschränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit bei gewohnter Tätigkeit. In Ruhe haben die Betroffenen keine Beschwerden. Symptome treten aber schon bei geringer körperlicher Anstrengung auf, zum Beispiel beim Gehen in der Ebene.
  • NYHA IV: Schwere Herzerkrankung mit Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten und in Ruhe. Jegliche körperliche Aktivität verstärkt die Symptome.

Ist eine Herzschwäche klinisch auffällig geworden, so wird sie medizinisch in weitere Kategorien unterteilt, die die jeweiligen Ursachen und damit den therapeutischen Weg näher beschreiben – so zum Beispiel in Herzschwäche mit erhaltener oder reduzierter Pumpleistung des Herzens.

Herzschwäche kann in jedem Alter auftreten

Auch wenn vor allem Senioren oder Hochbetagte an einer Herzinsuffizienz erkranken, kann es auch junge Menschen treffen, beispielsweise nach einer Herzmuskelentzündung. Junge Betroffene stehen in der Regel im Arbeitsleben, haben möglicherweise noch kleine Kinder und sonstige familiäre Verpflichtungen. Daher brauchen diese Patienten häufig eine besondere Beratung. Auch Reisepläne oder sportliche Vorlieben müssen an die Erkrankung angepasst werden. Viele hilfreiche Tipps für junge Patientinnen und Patienten gibt es auf heartfailurematters.org, einer Website der European Society of Cardiology ESC. Eine wichtige Anlaufstelle für Patienten sind zudem sportkardiologischen Einrichtungen, die zu Aktivität mit einer Herzerkrankung beraten.

Kein Grund zur Panik und keine Angst vor Aktivität

Die Diagnose “Herzinsuffizienz” ist kein Grund zur Panik. Wichtig ist es, mit dem Arzt oder der Ärztin die für das aktuelle Stadium richtige Behandlung einzuleiten. Betroffene brauchen in den meisten Fällen auch keine Angst vor Bewegung oder Anstrengung zu haben. Im Gegenteil: Mit der richtigen Dosierung ist körperliche Aktivität ein wichtiger Baustein im Rahmen der Therapie. Allerdings ist die Untersuchung durch einen Kardiologen in jedem Fall der erste wichtige Schritt.

 

Symbolbild: Canva / pixelshot