Interview: Warum viele Frauen mit Endometriose lange auf Hilfe warten
Das Sana Krankenhaus Benrath hat im Fachbereich Frauenheilkunde und Geburtshilfe die Behandlung von Endometriose ausgebaut. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr rund 40.000 Frauen neu an Endometriose, einer gutartigen, chronisch verlaufenden und häufig sehr schmerzhaften Erkrankung. Wir sprachen mit Markos Botsaris. Der Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe verfügt über jahrelange Erfahrung in der Endometriosebehandlung und verstärkt das Team von Chefärztin Dr. Ines Milk am Sana Krankenhaus Benrath seit März 2026 als Sektionsleiter Gynäkologie und Endometriose sowohl im Krankenhaus als auch im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ).
Frage: Worum handelt es sich genau bei Endometriose?
Markos Botsaris: Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen. Bei 40 bis 50 Prozent der Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, ist Endometriose die Ursache. Es handelt sich um eine gutartige, chronisch verlaufende Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, an verschiedenen Stellen des Körpers wachsen kann – beispielsweise an den Eierstöcken, im Bauch- und Beckenraum, am Darm oder am Bauchfell.
Frage: Und das führt dann zu starken Schmerzen?
Markos Botsaris: Viele Endometriose-Patientinnen leiden über Jahre an Schmerzen, bevor die Erkrankung überhaupt erkannt wird. Meist treten die Schmerzen als Regelschmerzen auf, können aber auch unspezifisch sein und sich beispielsweise als Rückenschmerzen, Blasenbeschwerden, Darmschmerzen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr äußern. Umso wichtiger sind eine spezialisierte Diagnostik und Therapie sowie eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. Diese interdisziplinäre Versorgung – unter anderem mit Chirurgie, Schmerztherapie und Psychologie – bieten wir am Sana Krankenhaus Benrath an. Denn Endometriose kann auch andere Organe betreffen.
Frage: Was kann eine Frau tun, wenn sie die Vermutung hat, an Endometriose erkrankt zu sein?
Markos Botsaris: Zunächst: Endometriose ist eine chronische Erkrankung. Das bedeutet aber nicht, dass Betroffene ihr hilflos ausgeliefert sind. Es gibt eine Reihe von Therapiemöglichkeiten, die Beschwerden wirksam lindern können. Ziel der Behandlung ist es, Schmerzen zu reduzieren, den Zyklus zu regulieren, Endometrioseherde zu entfernen oder einen bestehenden Kinderwunsch zu unterstützen. Je nach Ausprägung der Erkrankung kommen eine Operation und/oder eine medikamentöse Therapie zum Einsatz. Welche Behandlung sinnvoll ist, wird gemeinsam mit der Patientin in einem persönlichen Gespräch entschieden.
Frage: Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland rund drei bis vier Millionen Frauen an Endometriose leiden.
Markos Botsaris: Ja, und die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher sein. Wichtig ist vor allem, dass betroffene Frauen sich Hilfe suchen – zunächst bei ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt oder direkt in einem spezialisierten Zentrum wie dem Sana Krankenhaus Benrath. Darüber hinaus möchten wir Betroffene miteinander vernetzen. Deshalb haben wir eine Selbsthilfegruppe gegründet, in der Frauen Unterstützung, Austausch und fundierte Informationen erhalten.
Frage: Es gibt Prominente, die ihre Bekanntheit nutzen, um über die Erkrankung aufzuklären.
Markos Botsaris: Zum Glück gibt es auch bei Endometriose bekannte Frauen, die das lange tabuisierte Thema in die Öffentlichkeit bringen. Dazu gehören beispielsweise Whoopi Goldberg, bei der die Diagnose bereits vor rund 40 Jahren gestellt wurde, Lilly Becker sowie Patricia Kelly. Sie sprechen offen über ihre Erkrankung und machen damit vielen betroffenen Frauen Mut.
Markos Botsaris, Sektionsleiter Gynäkologie / Endometriose am Sana Krankenhaus Benrath