Dahme-Spreewald,
19
März
2026
|
10:02
Europe/Amsterdam

KDS-Darmkrebs-Experte rät zur Vorsorge

Hendrik Buchholz berichtet im Rahmen des bundesweiten Darmkrebsmonats über Vorsorge und Therapie

Zusammenfassung
  • bundesweiter Darmkrebsmonat März
  • Hendrik Buchholz, Chefarzt der Gastroenterologie im Achenbach-Krankenhaus: Darum ist regelmäßige Vorsorge so entscheidend
  • Gastrologe spricht im Interview über Darmkrebsvorsorge und moderne Therapieansätze 

Seit 25 Jahren steht der März bundesweit im Zeichen der Darmkrebsvorsorge. Hendrik Buchholz, Chefarzt der Gastroenterologie im Achenbach-Krankenhaus Königs Wusterhausen, erklärt im Interview, warum sich Mut zur Vorsorge lohnt, wie eine Darmspiegelung wirklich abläuft und welche Therapieansätze Hoffnung auf Heilung machen.

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen – warum ist regelmäßige Vorsorge hier so entscheidend?

Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen und die dritthäufigste bei Männern in Deutschland. Vorsorge ist hier so wichtig, weil wir bei der Koloskopie Vorstufen erkennen und gleich entfernen können. Diese Vorstufen, aber auch frühe Darmkrebsstadien haben exzellente Heilungsaussichten.

Hendrik Buchholz ist neuer Chefarzt der Gastroenterologie im Achenbach-Krankenhaus

 

Hendrik Buchholz, Chefarzt der Gastroenterologie im Achenbach-Krankenhaus Königs Wusterhausen.

Download und Copyright

Ab welchem Alter sollten Frauen und Männer zur Vorsorge gehen – und welche Untersuchungen empfehlen Sie konkret?
Für die Menschen, die kein Darmkrebs-Risiko in der Familie haben, ist die erste Vorsorgeuntersuchung mit 50 Jahren in der Regel ausreichend. Empfohlen werden zwei Vorsorgeuntersuchungen im Abstand von 10 Jahren – also mit 50 und 60 Jahren. Wenn in beiden Fällen keine Auffälligkeiten festgestellt wurden, kann man bei vielen Menschen auf weitere Koloskopien verzichten. Denn mit erhöhtem Alter könnte die Untersuchung selbst aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein erhöhtes Risiko darstellen.
Sollte es in der Familie bei nahen Verwandten, wie beispielsweise Mutter, Vater, Geschwister oder Tante in jungen Jahren zu einer Darmkrebserkrankung gekommen sein, sollte man bereits früher eine Koloskopie wahrnehmen.

Viele Menschen haben Angst vor der Darmspiegelung. Wie läuft eine solche Untersuchung ab?
Darmspiegelungen werden von hochspezialisiertem medizinischem Personal durchgeführt. Ein bis zwei Wochen vor der Untersuchung erfolgt für gewöhnlich ein Vorgespräch. Dort werden der Ablauf und mögliche Risiken genau erklärt – hier sollte man unbedingt die eigenen Ängste und Bedenken ansprechen, um so ruhig und entspannt wie möglich in die Untersuchung gehen zu können. Im Rahmen des Gesprächs werden die abführenden Medikamente zur Vorbereitung in der Einnahme erläutert und ausgegeben. Wir haben heute mehrere gute Präparate, die viel besser verträglich sind als noch vor 10 oder 15 Jahren. Am Tag der Untersuchung gibt es eine Schlafspritze. Diese wird vom Kreislauf gut vertragen und wirkt nicht lange nach. Die Untersuchung selbst dauert nur etwa 20 Minuten und die Patienten sind schnell wieder munter und beschwerdefrei, allerdings sollten sie für mindestens 12 Stunden nicht aktiv am Verkehr teilnehmen und eine abholende Person oder eine Taxifahrt einplanen. 

Was passiert, wenn bei einer Darmspiegelung Auffälligkeiten gefunden werden?
Wenn wir kleine Vorstufen - Polypen - finden, können wir diese mit einer kalten Schlinge während der Untersuchung entfernen. Bei größeren Polypen mit einem höheren Blutungsrisiko werden die Patienten üblicherweise noch einmal zur Entfernung in einer zweiten Untersuchung einbestellt. Wenn die Auffälligkeiten verdächtig auf Krebs erscheinen, wird eine Biopsie genommen. Bei Bestätigung der Diagnose werden weitere Untersuchungen veranlasst und eine Vorstellung in der Abdominalchirurgie veranlasst.

Gibt es frühe Warnzeichen, bei denen man sofort ärztlichen Rat suchen sollte – auch unabhängig vom Vorsorgealter?
Etwa zwei Drittel des Dickdarmkrebs befinden sich im Anfangsteil des Dickdarms und ein Drittel im Endteil. Dieses letzte Drittel fällt häufig durch sichtbares Blut im Stuhl auf und durch plötzlich anhaltende Veränderungen des Stuhlgangverhaltens, weil es zu einer Verengung des Darmes führen kann. Alles andere entdeckt man meist erst, wenn die Gewebeveränderungen bereits hochgradig sind und ein hoher Blutverlust daraus resultierte. Dieser ist zwar oft nicht sichtbar, aber die Patienten entwickeln eine Blutarmut und fühlen sich schneller müde und bei geringster Belastung anhaltend erschöpft. Bei anhaltenden Veränderungen des Verdauungsverhalten ist mindestens eine Vorstellung bei der Hausärztin beziehungsweise dem Hausarzt zu empfehlen.  

Darmkrebsmonat

 

Eine Koloskopie bringt Aufschluss innerhalb weniger Minuten.

Download und Copyright

Mit welchen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten können Sie Patienten im Achenbach-Krankenhaus helfen?
Wir nutzen für die Vorsorgeuntersuchung hochauflösende Koloskope und wenn Veränderungen sichtbar sind, können wir diese mit der kalten oder warmen Schlinge entfernen.
Neben den konservativen Maßnahmen sind eine Vollwandresektion für Veränderungen bis zwei Zentimeter im gesamten Dickdarm oder eine ESD (endoskopisch submukosale Dissektion) im Enddarmbereich möglich. Das entfernte Gewebe wird vollständig aufgearbeitet und kann in einzelnen Fällen Operationen mit Verlust von Darmanteilen verhindern.

Wie individuell und interdisziplinär läuft eine Darmkrebsbehandlung?
Wir haben eine sehr personalisierte Medizin. Wenn ein Darmkrebs gefunden wird, muss erst einmal festgestellt werden, wie weit dieser fortgeschritten ist. Daher werden in der Regel eine Computertomografie sowie das Röntgen der Lunge angeschlossen. Wenn man dort keine Veränderungen sieht, erfolgt die Überweisung an die Viszeralchirurgie, die den Krebs im Rahmen einer onkologischen Resektion entfernt. Dann wird im Tumorboard die weiterführende Therapie besprochen. Die onkologische Nachsorge reicht von Darmspiegelungen und Untersuchungen der Leber zur Nachkontrolle bis hin zu einer Chemotherapie oder der erneuten Vorstellung in Therapiezentren zur Behandlung von Metastasen in Lunge und Leber.

Wie stehen die Heilungschancen – vor allem wenn der Krebs früh erkannt wird?
Die Heilungschancen haben sich rasant verbessert. Je früher die Vorstufen oder der Darmkrebs selbst erkannt wird, desto höher ist die Chance keine Einschränkungen in Lebensqualität und Lebensdauer hinnehmen zu müssen. Ich gehe davon aus, dass die meisten Menschen vor einer Vorsorgeuntersuchung am meisten Angst vor einem negativen Befund haben. Mit Hilfe von professionellen gastroenterologischen Teams, wie wir sie beispielsweise im und am Achenbach-Krankenhaus haben, kann diese Angst aufgefangen und in den allermeisten Fällen in eine Gewissheit um eine gute Darmgesundheit überführt werden.
Darmkrebsvorsorge wird flächendeckend angeboten. Wer das Angebot wahrnimmt trägt dazu bei, dass fortgeschrittene Dickdarmkrebserkrankungen immer seltener werden und Vorstufen rechtzeitig entdeckt und beseitigt werden können.

Über das Klinikum Dahme-Spreewald 

Unter dem Dach des Klinikums Dahme-Spreewald vereinen sich die beiden Standorte Spreewaldklinik Lübben und das Achenbach-Krankenhaus Königs Wusterhausen. Die beiden Krankenhäuser versorgen jährlich mehr als 25.000 stationäre und mehr als 50.000 ambulante Patientinnen und Patienten. Dafür stehen in den beiden Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung insgesamt 448 Betten in neun Fachbereichen zur Verfügung. Die jährlich steigende Zahl an versorgten Patienten belegt die Bedeutung und die Akzeptanz einer kompetenten und qualitativ hochwertigen Versorgung in der Region. Besondere Expertise beweist das Klinikum Dahme-Spreewald in der Weichenstellung von zukünftig wichtigen Bereichen. So gehören Palliativmedizin und Spezielle Schmerztherapie schon heute zum fest etablierten Behandlungsspektrum. In der Gesundheitsakademie Heinz-Sielmann, die ebenfalls unter der Trägerschaft des Klinikum Dahme-Spreewald steht werden mehr als 130 Schülerinnen und Schüler auf den Berufsalltag in der Pflege vorbereitet. Die Gesundheitsakademie zählt zu den größten Einrichtungen dieser Art im Land Brandenburg. Ergänzend bestehen seit 2019 ambulante Versorgungsmöglichkeiten. Zunächst durch das Medizinische Versorgungszentrum Dahme-Spreewald in Königs Wusterhausen in den Bereichen Allgemeinmedizin/Innere Medizin, Chirurgie und Kinder- und Jugendmedizin sowie seit 2022 im MVZ Poliklinik Lübben in den Bereichen Allgemeinmedizin, Gynäkologie und Chirurgie.

Über die Sana Kliniken AG