Kleiner Zugang. Schneller wieder auf den Beinen.
Achenbach-Krankenhaus setzt erstmals spezielles orthopädisches Implantat bei 76-jähriger Patientin ein
- Dr. Christian Irmer setzt am Achenbach-Krankenhaus Königs Wusterhausen erstmals einen speziellen Nagel zur Stabilisierung eines gebrochenen Außenknöchels ein
- das Implantat wird über einen nur ein bis zwei Zentimeter langen Schnitt in das Wadenbein eingebracht und kann das Risiko von Wundheilungsstörungen senken
- erste Patientin konnte mit einer stützenden Spezialschiene schnell wieder voll auftreten und in ihr eigenes Zuhause zurückkehren
- neues Verfahren erweitert die Behandlungsmöglichkeiten für ältere Unfallpatienten und unterstützt eine möglichst frühe Rückkehr in die Bewegung
Ein Fehltritt. Ein Sturz. Ein gebrochener Außenknöchel. Für ältere Menschen kann eine solche Verletzung schnell zum Wendepunkt werden. Wer über längere Zeit nicht sicher auftreten darf, verliert Kraft. Das Aufstehen fällt schwerer. Der Weg zur Toilette wird zur Herausforderung. Und mit jedem Tag ohne Bewegung wird es schwieriger, wieder in den vertrauten Alltag und das eigene Zuhause zurückzukehren.
Deshalb geht es bei der Behandlung nicht allein darum, dass der gebrochene Knochen wieder zusammenwächst. Mindestens genauso wichtig ist die Frage: Wie schnell kommt der Mensch wieder sicher auf die Beine? Das Achenbach-Krankenhaus Königs Wusterhausen hat seine Behandlungsmöglichkeiten dafür jetzt um ein besonders schonendes Verfahren erweitert. Vor wenigen Tagen setzte Dr. Christian Irmer, Leitender Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, erstmals den sogenannten VITUS-Fi-Fibula-Nagel ein. Versorgt wurde eine 76-jährige Patientin, die sich das Wadenbein unmittelbar oberhalb des Außenknöchels gebrochen hatte.
Bereits kurz nach der Operation konnte sie das verletzte Bein mit einer stützenden Spezialschiene wieder voll belasten. Inzwischen ist sie in ihr eigenes Zuhause zurückgekehrt.
Wenn ein Bruch das ganze Leben ausbremst
Das untere Ende des Wadenbeins bildet den Außenknöchel und gibt dem Sprunggelenk Halt. Ist der Knochen verschoben oder das Gelenk nicht mehr stabil, kann eine Operation notwendig sein. Meist wird der gebrochene Knochen mit einer Platte und mehreren Schrauben stabilisiert. Dafür muss die Haut über der Bruchstelle über einen längeren Schnitt geöffnet werden. Zumindest war das bisher so. Gerade bei älteren Menschen kann das zum Problem werden: Ihre Haut ist häufig dünner und empfindlicher, das umliegende Gewebe reagiert stärker auf die Verletzung und das Sprunggelenk kann erheblich anschwellen. Eine größere Operationswunde heilt unter diesen Bedingungen deutlich langsamer. Manchmal müssen selbst erfahrene Operateure mit dem Eingriff warten, bis die Schwellung zurückgegangen ist. „Bei älteren Patienten reicht es nicht, nur auf ein gutes Röntgenbild zu schauen“, erklärt Dr. Christian Irmer. „Der Knochen muss stabil versorgt sein. Genauso entscheidend ist aber, wie schnell der Patient wieder aus dem Bett kommt, sicher stehen kann und seine Selbstständigkeit zurückgewinnt.“
Dr. Christian Irmer, Leitender Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, setzt auf neue Möglichkeiten in der Unfallchirurgie: Mit dem erstmals am Achenbach-Krankenhaus Königs Wusterhausen eingesetzten Fibula-Nagel können geeignete Außenknöchelbrüche über einen kleinen Zugang stabilisiert und Patienten früh wieder mobilisiert werden.
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Wie eine Schiene im Knochen
Der jetzt erstmals in Königs Wusterhausen eingesetzte Fibula-Nagel funktioniert anders als eine Platte. Er wird nicht außen auf dem Knochen befestigt, sondern liegt in dessen Innerem. Dort wirkt er wie eine innere Schiene: Er überbrückt die gebrochene Stelle und hält das Wadenbein stabil zusammen. Kleine Schrauben sichern den Nagel und sorgen dafür, dass das Sprunggelenk in der richtigen Position bleibt. Für das Einsetzen ist lediglich ein etwa ein bis zwei Zentimeter langer Schnitt an der Spitze des Wadenbeins notwendig. Hinzu kommen wenige kleine Einstiche für die Schrauben. Die Ärzte müssen den gebrochenen Knochen deshalb nicht über einen größeren Schnitt freilegen. Haut, Muskulatur und das umliegende Gewebe werden deutlich weniger beansprucht.
„Wir können den Bruch über sehr kleine Zugänge stabilisieren. Das ist der entscheidende Unterschied zu früheren Operationsmethoden“, erklärt Dr. Irmer. „Je weniger Haut und Gewebe durch die OP zusätzlich belastet werden, desto geringer ist das Risiko für Wundheilungsstörungen und Infektionen.“ Der kleine Zugang kann außerdem dazu führen, dass die Operation früher möglich ist. Unter bestimmten Voraussetzungen muss nicht erst abgewartet werden, bis eine starke Schwellung vollständig zurückgegangen ist.
Die jahrelang bewährte Versorgung mit Platten und Schrauben wird dadurch jedoch nicht vollständig ersetzt, denn nicht jeder Bruch eignet sich für den Nagel. Die Unfallchirurgen des Klinikum Dahme-Spreewald haben mit dem neuen Implantat nun aber eine zusätzliche Möglichkeit und können noch genauer entscheiden, welches Verfahren für den jeweiligen Patienten am besten geeignet ist.
Wer auftreten darf, kommt schneller in Bewegung
Ein weiterer Vorteil zeigt sich direkt nach der Operation: Bei geeigneten Brüchen ist der Nagel so stabil, dass das verletzte Bein mit einer stützenden Spezialschiene früh wieder voll belastet werden kann. Das ist für ältere Menschen besonders wichtig. Eine sogenannte Teilbelastung - wie sie bei der herkömmlichen Plattenversorgung notwendig war - bedeutet, dass Patienten beim Gehen nur einen Teil ihres Körpergewichts auf das verletzte Bein bringen dürfen. Was zunächst einfach klingt, erfordert viel Kraft, Gleichgewicht und einen sicheren Umgang mit Gehhilfen. Viele ältere Patienten können diese Vorgabe im Alltag kaum zuverlässig umsetzen.
„Wenn ein Patient nur teilweise auftreten darf, muss er einen großen Teil seines Gewichts mit den Armen und dem gesunden Bein abfangen. Das ist für viele ältere Menschen kaum zu schaffen“, weiß Dr. Christian Irmer aus Erfahrung. „Dürfen sie dagegen voll auftreten, können Pflege und Physiotherapie viel früher mit ihnen das Aufstehen und Gehen üben.“ Die schnellere Bewegung soll außerdem helfen, Folgen längerer Bettruhe zu vermeiden. Denn wer sich nach einer Operation kaum bewegt, verliert rasch Muskelkraft und damit häufig auch die Sicherheit beim Stehen und Gehen. „Unser Ziel ist es, die Patienten so früh wie medizinisch möglich wieder auf die Beine zu bringen“, betont der erfahrene Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. „Damit steigt die Chance, dass sie ihre Selbstständigkeit bewahren und in ihr vertrautes Lebensumfeld zurückkehren können.“
Wie groß dieser Unterschied sein kann, zeigt die erste Patientin: Trotz ihres gebrochenen Außenknöchels konnte die 76-Jährige ihr Bein nach der Operation wieder voll belasten und bereits nach kurzer Zeit nach Hause entlassen werden.
Neue Möglichkeiten für immer mehr ältere Patienten
Mit einer älter werdenden Bevölkerung nimmt auch die Zahl älterer Menschen zu, die nach einem vermeintlich leichten Sturz mit einem Knochenbruch ins Krankenhaus kommen. Viele von ihnen haben weitere Erkrankungen, weniger Muskelkraft oder eine geringere Knochendichte. Ihre Behandlung muss deshalb nicht nur zum Bruch, sondern zum ganzen Menschen passen. Genau darum geht es in der Alterstraumatologie – der spezialisierten Versorgung verletzter älterer Menschen. Moderne Unfallchirurgie bedeutet dabei mehr, als einen Knochen wieder zusammenzufügen. Sie soll Bewegung erhalten, längere Bettlägerigkeit vermeiden und den Weg zurück in ein möglichst selbstständiges Leben unterstützen.
Auch für jüngere Patienten kann der Fibula-Nagel infrage kommen – etwa wenn sie aus anderen medizinischen Gründen nicht in der Lage sind, das verletzte Bein nur teilweise zu belasten. Ob das Verfahren geeignet ist, wird in jedem Fall individuell entschieden. Mit dem erstmaligen Einsatz des Fibulanagels erweitert das Achenbach-Krankenhaus seine Möglichkeiten für eine schonende und auf den einzelnen Menschen abgestimmte Behandlung. „Am Ende zählt nicht, wie modern ein Implantat ist. Entscheidend ist, was es für den Patienten verändert“, sagt Dr. Christian Irmer. „In diesem Fall bedeutet es: eine kleine Operationswunde, ein stabil versorgter Bruch und die Chance, schneller wieder auf die eigenen Beine und zurück nach Hause zu kommen.“
Über das Klinikum Dahme-Spreewald
Unter dem Dach des Klinikums Dahme-Spreewald vereinen sich die beiden Standorte Spreewaldklinik Lübben und das Achenbach-Krankenhaus Königs Wusterhausen. Die beiden Krankenhäuser versorgen jährlich mehr als 25.000 stationäre und mehr als 50.000 ambulante Patientinnen und Patienten. Dafür stehen in den beiden Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung insgesamt 448 Betten in neun Fachbereichen zur Verfügung. Die jährlich steigende Zahl an versorgten Patienten belegt die Bedeutung und die Akzeptanz einer kompetenten und qualitativ hochwertigen Versorgung in der Region. Besondere Expertise beweist das Klinikum Dahme-Spreewald in der Weichenstellung von zukünftig wichtigen Bereichen. So gehören Palliativmedizin und Spezielle Schmerztherapie schon heute zum fest etablierten Behandlungsspektrum. In der Gesundheitsakademie Heinz-Sielmann, die ebenfalls unter der Trägerschaft des Klinikum Dahme-Spreewald steht werden mehr als 130 Schülerinnen und Schüler auf den Berufsalltag in der Pflege vorbereitet. Die Gesundheitsakademie zählt zu den größten Einrichtungen dieser Art im Land Brandenburg. Ergänzend bestehen seit 2019 ambulante Versorgungsmöglichkeiten. Zunächst durch das Medizinische Versorgungszentrum Dahme-Spreewald in Königs Wusterhausen in den Bereichen Allgemeinmedizin/Innere Medizin, Chirurgie und Kinder- und Jugendmedizin sowie seit 2022 im MVZ Poliklinik Lübben in den Bereichen Allgemeinmedizin, Gynäkologie und Chirurgie.