Lauchhammeraner Projekt mit Strahlkraft fürs gesamte Land
Niederlausitzer Netzwerk Gesunde Kinder feiert 20. Gründungsjubiläum
- Jubiläum am 1. Juni: Niederlausitzer Netzwerk Gesunde Kinder feiert 20-jähriges Bestehen
- Projekt mit Strahlkraft: Initiative in Lauchhammer ist Vorbild für flächendeckende regionale Netzwerke in Brandenburg
- Tragende Säulen: ehrenamtliche Familienpaten und engagierte Akteure bilden stabiles Gerüst für Kinder und Eltern
Manche Ideen besitzen so viel Potenzial, dass sie weit über sich hinauswachsen: Das Netzwerk Gesunde Kinder ist ein solches Projekt. Seit der Gründung der Niederlausitzer Initiative im Jahr 2006 sind flächendeckend weitere regionale Netzwerke in ganz Brandenburg entstanden. Diese Erfolgsgeschichte wird am 1. Juni gefeiert – mit zahlreichen engagierten Akteuren und Unterstützern sowie Familienpaten und Patenkindern der ersten Stunde.
Das Niederlausitzer Netzwerk Gesunde Kinder bewegt Generationen: In den 20 Jahren seit der Gründung haben mehr als 270 Familienpaten über 2600 Kinder in rund 2300 Familien begleitet. Bis heute haben mehr als 220 Akteure das Netzwerk bereichert. „Wir feiern eine Erfolgsgeschichte, die vor 20 Jahren hier in der Niederlausitz begonnen hat – und die weit über die Region hinausgewirkt hat. Denn von hier aus ist etwas entstanden, das heute in ganz Brandenburg Familien begleitet und unterstützt“, betont Marc Bernstädt, Cluster-Geschäftsführer der Sana Kliniken in Brandenburg-Süd und erklärt, was für ihn die großen Stärken der Initiative sind: „Hier wird Hilfe nicht von oben herab gedacht, sondern von den Menschen aus. Für die einen bedeutet das: Austausch, Orientierung, ein offenes Ohr. Für andere bedeutet es: echte Begleitung im Alltag – durch Familienpaten, die da sind, wenn sie gebraucht werden.“
Katja Bilik, Koordinatorin des Niederlausitzer Netzwerkes Gesunde Kinder, mit Melanie Hanold. Die Lauchhammeranerin war eine der Familienpatinnen der ersten Stunde.
Ihrer Zeit voraus
Dass die Idee einmal eine solche Strahlkraft entwickeln und so viele Menschen in der Region erreichen würde, ahnten Simone Karpinski und Kinderarzt Dipl.-Med. Hendrik Karpinski vor über 20 Jahren nicht, als sie das heutige Netzwerk Gesunde Kinder Niederlausitz ins Leben gerufen haben. „Wir hatten damals in der Kinderklinik mit unserer Interaktionstherapie nach IntraActPlus einen Weg gefunden, Familien zu helfen, bei denen ganz früh Unterstützung im gegenseitigen Kontakt mit der Videoarbeit möglich war“, blickt Hendrik Karpinski zurück. Dieses Angebot sollten Eltern so früh wie möglich nutzen können. Ein Gedanke, mit dem die Initiatoren ihrer Zeit voraus waren: „Frühe Hilfen gab es vor 20 Jahren noch gar nicht. Wir waren damals ganz früh dran. Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) wurde erst später gegründet, nachdem unser Netzwerk schon länger lief“, erinnert sich der Gründervater.
Ein Ort der Begegnung und des Austauschs
Das Niederlausitzer Netzwerk Gesunde Kinder ist heute für alle da. Es ist zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs geworden, wo echte Nähe, Vertrauen und Zuverlässigkeit zählen. Grundlegende Eckpunkte, die in der Konzeptphase von den Initiatoren entwickelt wurden, sind dabei über all die Jahre erhalten geblieben: Von Anfang an wurden die ehrenamtlichen Familienpaten als „ein Geschenk der Zivilgesellschaft für junge Familien“ betrachtet, wie es in den Leitgedanken aus der Gründungsphase nachzulesen ist. Als gut qualifizierte Begleiter brachten und bringen sie Angebote und Unterstützung zu den Familien nach Hause. Und damals wie heute zählt die enge Zusammenarbeit der zahlreichen regionalen Akteure - von Ärzten über Beratungsstellen bis zum Jugendamt. Das Ziel: die breite Unterstützung für junge Familien – ohne erhobenen Zeigefinger, vertrauensvoll, auf Augenhöhe, damit Kinder gesund aufwachsen können und Familien gestärkt werden.
Das Herz des Netzwerks: Familienpaten
„Unsere Familienpaten sind bis heute das Herz des Netzwerks. Sie nehmen häufig eine Schlüsselposition zwischen Kinderarzt und Oma ein – so wie eine gute Seele oder ein aufmerksamer Zuhörer. Mit ihrer Erfahrung sind sie gute Ratgeber für eine Vielzahl von Fragen, die Familien mit kleinen Kindern bewegen - vom Stillen über den Kontakt zur Krabbelgruppe bis hin zum Übergang in die Kita“, sagt Katja Bilik, die als Koordinatorin die Fäden des Netzwerks in der Hand hält. Sie freut sich, wenn Eltern gezielt den Weg zum Netzwerk im Krankenhaus Lauchhammer finden. „Manche Mütter kommen, weil sie einfach mal jemanden zum Reden brauchen, und merken: Es geht ja nicht nur mir, sondern allen Eltern so. Für andere suchen wir eine Familienpatin, die genau zu ihnen passt“, sagt sie. Was ihr besonders am Herzen liegt, ist, dass das Netzwerk als vertrauensvoller Ort wahrgenommen wird. Ein Anlaufpunkt, an dem Familien gestärkt werden, wo Eltern offene Ohren und weitere Unterstützung finden, wenn sie gewünscht ist.
Netzwerk-Familie der ersten Stunde
Eine, die der Initiative von der ersten Stunde an verbunden war, ist Melanie Hanold. Mit ihrer Tochter Sarah gehörte sie zu den ersten Netzwerkfamilien in der Niederlausitz – und Melanie Hanold war selbst als Patin für insgesamt acht Familien im Einsatz. „Meine Familienpatin war wie eine Freundin für mich. Sie hatte selbst Kinder und ich konnte mich gut mit ihr austauschen“, erzählt die Lauchhammeranerin. Bis heute hat sie ihr Patenbuch, in dem unter anderem alle Besuche der Familienpatin dokumentiert sind, bewahrt. Melanie Hanold denkt gern an die Zeit als Familienpatin zurück, weil sie anderen Eltern mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen weiterhelfen konnte – und dadurch auch neue Kontakte in ihrer damals neuen Heimat fand. Außerdem habe sie selbst viel dazugelernt: „Wir hatten damals mehrere Seminare – und so mancher Rat des Dozenten hat mich als Mutter in all den Jahren bei der Erziehung begleitet“, erinnert sie sich.
Die ehrenamtlichen Familienpatinnen und -paten sind bis heute das Herz des Niederlausitzer Netzwerks Gesunde Kinder. Sie geben Rat, hören zu und sind da, wenn sie gebraucht werden.
Wertvolles Wissen für den Alltag mit Kindern
Wissen vermitteln und Erfahrungen austauschen – das spielt bis heute eine bedeutende Rolle im Netzwerk. Wer das Projekt als Familienpatin unterstützen möchte, bekommt eine umfangreiche Schulung. „Wir bieten heute mehrere Seminare online an, sodass sie flexibel absolviert werden können. Einige Kurse wie Erste Hilfe am Kind und Gesprächsführung werden aber weiterhin in Präsenz vermittelt“, zählt Katja Bilik auf. Zum anderen gibt es auch regelmäßige Angebote für Mütter und Väter – vom Babymassage-Kurs über Reanimationstraining bis hin zu Seminaren zu gesunder Ernährung und Umgang mit Medien. Die Inhalte sind so vielfältig wie der Familienalltag. Der Weg zu den Experten der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und der Geburtsklinik in Lauchhammer ist dabei bis heute kurz geblieben.
Jubiläum in großer Runde
Gemeinsam mit Netzwerkfamilien, Familienpaten, Akteuren, Unterstützern und Förderern wird am 1. Juni der 20. Geburtstag der Initiative auf dem Familiencampus in Klettwitz gefeiert. Und was wünscht sich der Gründervater für die Zukunft der Netzwerke „Gesunde Kinder“ – nicht nur in der Niederlausitz, sondern in ganz Brandenburg? „Ich wünsche mir, dass es weitergeht und immer wieder als Ermutigung taugt, dass Kinder in unsere wunderschöne Welt hinein geboren werden. Und für unser Land Brandeburg wünsche ich mir, dass dieser schöne Weg als „Brandenburger Weg“ auch bundesweit noch mehr Wertschätzung findet“, sagt Hendrik Karpinski. Für ihn steht außer Frage, dass es die Initiative auch in den kommenden Jahren weiterhin braucht: „Gerade in einer Zeit, in der junge Familien sich in einem Überfluss von Informationen und manchmal zweifelhaften Empfehlungen orientieren müssen, ist es wichtig, strukturiert das wichtige und gut belegte Gesundheitswissen in die Familien zu tragen. Ich glaube, dass solche Initiativen mit Gemeinsinn gerade in unserer heutigen Zeit ein wichtiger ,Kitt‘ für unsere Gesellschaft sind.“