Coburg,
29
April
2026
|
20:18
Europe/Amsterdam

Luft nach oben – warum die Lungengesundheit in unserer Region jetzt mehr denn je zählt

Welt-Asthma-Tag am 5. Mai 2026

Zusammenfassung
  • Welt-Asthma-Tag rückt Asthma in den Fokus: Der Welt-Asthma-Tag am 5. Mai erinnert daran, dass Asthma eine chronische Erkrankung ist, die nicht nur Kinder betrifft, sondern auch immer mehr Erwachsene, einschließlich älterer Menschen. Frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend.
  • Zunahme von Atemwegserkrankungen durch Umweltfaktoren: Asthma und Allergien nehmen aufgrund von Faktoren wie Klimawandel, Luftverschmutzung und veränderten Pollenflugzeiten zu.
  • Moderne Therapieoptionen und interdisziplinäre Behandlung: Durch fortschrittliche Therapien und der engen Vernetzung zwischen verschiedenen Fachbereichen im Lungenzentrum Coburg profitieren Patienten und niedergelassene Kollegen. Der Welt-Asthma-Tag verdeutlicht, wie wichtig der Zugang zu spezialisierter Versorgung und eine ganzheitliche Behandlung ist.

Ein Gespräch mit Dr. med. Sandor Kokai, kommissarischer Chefarzt der Pneumologie am Lungenzentrum des Sana Klinikums Coburg 

Frage: Herr Dr. Kokai, der Welt-Asthma-Tag am 5. Mai rückt eine Erkrankung in den Fokus, die viele Menschen als „Kinderkrankheit" kennen. Ist Asthma heute noch eine Kinderkrankheit? 

Antwort: Nein, dieses Bild ist längst überholt – und das ist eine wichtige Botschaft. Asthma ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit, und sie betrifft Menschen in jedem Lebensalter. In Deutschland leben schätzungsweise 3 bis 4 Millionen Menschen mit Asthma bronchiale. Viele davon sind Erwachsene, die entweder schon seit der Kindheit betroffen sind oder die Erkrankung erst im Erwachsenenalter - auch im fortgeschrittenen Alter! - entwickelt haben. Die Dunkelziffer ist jedoch hoch und kann gefährlich sein: Asthma ist keine Kleinigkeit – unbehandelt oder schlecht kontrolliert schränkt es die Lebensqualität massiv ein und kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein.  

Frage: Warum nehmen Atemwegserkrankungen wie Asthma eigentlich zu? 

Antwort: Tatsächlich verzeichnen wir Asthmaerkrankungen auf konstantem Niveau. Einerseits bessert sich die Luftqualität tendenziell seit Jahrzehnten - Feinstaub, Ozon, Stickoxide aber auch Rauchen und Passivrauchen spielen hier eine Rolle. Gleichwohl gibt es hierbei große Unterschiede, abhängig davon, wo man lebt. Zum anderen sind allerdings Allergien auf dem Vormarsch, und Asthma und Allergien sind eng miteinander verbunden. Der Klimawandel und veränderte Pollenflugzeiten verlängern die Belastungssaison für Allergiker erheblich. Auch neue, invasive Pflanzenarten kommen als bislang in Deutschland wenig bekannte Allergene noch hinzu. Ein typisches Beispiel ist das Traubenkraut (auch Ambrosia oder Ragweed).

Zusammen mit individuellen Lebensstilfaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel oder auch Stress, die das Erkrankungsrisiko erhöhen, gilt Asthma heute als so genannte “Zivilisationskrankheit”, als Krankheit der industrialisierten Länder. 

Frage: Wie macht sich das konkret in Ihrer täglichen Arbeit bemerkbar? 

Antwort: Man muss klar feststellen: Die Behandlungsoptionen und die Behandlungserfolge dieser chronischen Erkrankung haben sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Besonders verantwortlich für diese Entwicklung sind die fortschrittlichen inhalativen Therapien sowie die neuen, sogenannten biologischen Antikörper-Therapien, die die Therapie von schwerem Asthma bronchiale in den letzten 10 bis 15 Jahren maßgeblich optimiert haben. Dementsprechend sind die Häufigkeit von Krankenhauseinweisungen und auch die Sterblichkeit deutlich gesunken. Hier ist nun auch eine gute Vernetzung zwischen ambulanten und stationären Versorgungen gefragt. Eine regelrechte, frühzeitige Diagnose und eine gute Therapieeinstellung sind essenziell. Dies erfordert auch eine gute Schulung und eigenverantwortliche Mitarbeit der Patienten. Zudem sind präventive Maßnahmen erforderlich: regelmäßige Schutzimpfungen und auch - soweit möglich - das Meiden der auslösenden Allergene. 

Und dennoch sehen wir weiterhin schwere Asthmaanfälle, die sofortige Aufnahme auf die Intensivstation und eine Beatmung benötigen.  

Weiterhin sehen wir immer öfter komplexe Krankheitsbilder bei denen, ein vermeintliches Asthma, Belastungsluftnot oder chronischer Husten vorliegt. Hier findet man häufig neben oder auch statt eines vermuteten Asthmas andere Erkrankungen wie COPD, Herzinsuffizienz, Schlafapnoe, Lungenfibrose oder auch bösartige Erkrankungen wie Lungenkrebs. Auch andere, weniger bekannte Lungenerkrankungen spielen hier eine Rolle. 

Frage: Was kann das Lungenzentrum am Sana Klinikum Coburg Patientinnen und Patienten mit Asthma konkret anbieten? 

Antwort: Prinzipiell bieten wir das gesamte Spektrum der modernen Asthma-Diagnostik und -Therapie. Es liegt die Möglichkeit zu moderner Allergiediagnostik und Lungenfunktionsdiagnostik inklusive Spiroergometrie als differenzierter Belastungstest vor. Zudem können wir alle bildgebende und falls erforderlich bronchoskopische Verfahren zügig durchführen können.  

Dazu muss man sagen: Gut eingestellte Patienten müssen wir im Lungenzentrum am Klinikum gar nicht sehen. Wir kommen dann ins Spiel, wenn die zu erwartende Verbesserung ausbleibt, wiederholt Verschlechterungen oder Asthmaanfälle auftreten, wenn ein komplexes Krankheitsbild mit diversen Aspekten vorliegt, oder der Patient sehr schwer betroffen ist - dann stehen wir mit “Rat und Tat” zur Verfügung. 

Was uns besonders auszeichnet, ist das Zusammenspiel aller Disziplinen unter einem Dach: Pneumologie mit Schlaflabor, Thoraxchirurgie, Kardiologie, Nephrologie, Radiologie, Pathologie, Physiotherapie, Atemtherapie. Die komplexen Fälle werden im Rahmen von interdisziplinären Konferenzen besprochen, hier sind neben Experten von weiteren Fachbereichen auch niedergelassene Kollegen regelmäßig präsent.  

Frage: Welche Botschaft möchten Sie zum Welt-Asthma-Tag an Betroffene und an Ihre Kollegen in der Praxis mitgeben? 

Antwort: An die Betroffenen: Asthma ist behandelbar – und gut behandeltes Asthma bedeutet ein weitgehend normales, erfülltes Leben. Bitte suchen Sie frühzeitig ärztliche Hilfe, wenn Sie unter Husten, Atemnot oder Pfeifen in der Brust leiden. Warten Sie nicht ab. Die Therapiemöglichkeiten heute sind so gut wie nie zuvor. 

An die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen: Wir sind für Sie und Ihre Patienten da. Unser Lungenzentrum steht als Partner bereit – für eine schnelle Mitbehandlung, für die gemeinsame Fallbesprechung und  eine nahtlose Weiterbetreuung nach dem Klinikaufenthalt. Eine gute Patientenversorgung gelingt nur gemeinsam.

Das Lungenzentrum am Sana Klinikum Coburg bietet spezialisierte Diagnostik und Therapie für alle Formen von Atemwegserkrankungen. Weitere Informationen unter www.sana.de/oberfranken oder telefonisch unter 09561 22-34999. 

Dr. Kokai_Sandor

Bild: Dr. med. Sandor Kokai, komm. Chefarzt der Pneumologie am Sana Klinikum Coburg (Copyright: SKOF)