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Metabolische Chirurgie senkt das Krebsrisiko bei Menschen mit krankhafter Fettleibigkeit
Bei der metabolischen Chirurgie handelt es sich um schonende operative Eingriffe – zum Beispiel ein Magenbypass oder Schlauchmagen – für Menschen mit krankhafter Fettleibigkeit. Damit einher gehen auch Stoffwechselstörungen wie die Zuckerkrankheit, das heißt Diabetes. Dabei geht es längst nicht nur um eine Reduzierung des Körpergewichts. Aus der Forschung ist bekannt, dass die Eingriffe sich positiv auf die Lebenserwartung auswirken. Aber nicht nur das. Es kommt auch zu einer Reduzierung des Krebsrisikos.
„Die Patienten kommen in der Regel zu uns, weil ihr extrem hohes Körpergewicht zu zahlreichen Beschwerden führt. Daher steht für viele Betroffene die Reduzierung des Gewichts im Vordergrund“, erklärt Dr. med. Sylvia Weiner, Fachärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Chefärztin der Klinik für Adipositas-Chirurgie und Metabolische Chirurgie am Sana Klinikum Offenbach.
Fettleibigkeit und Diabetes erhöht das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs
Aus Studien ist bekannt, dass Menschen mit krankhafter Fettleibigkeit, also Adipositas, und Typ-2-Diabetes ein höheres Risiko für die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs haben. Ein Forschungsteam aus Kanada um die Biochemikerin Anni M. Y. Zhang lieferte in einer aktuellen Untersuchung nun eine Erklärung dafür. Die Wissenschaftler vermuten, dass die vermehrte Produktion des körpereigenen Hormons Insulin bei Menschen mit Adipositas und Diabetes auch eine Wirkung auf die Zellen in der Bauchspeicheldrüse hat. Dadurch kommt es zu einer Entzündung, die wiederum zur Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs beitragen kann. „Diese Ergebnisse untermauern die Bedeutung der metabolischen Chirurgie zur Senkung des Krebsrisikos“, betont Dr. med. Sylvia Weiner. „Nach dem Eingriff kommt es häufig zu einer vorübergehenden oder sogar dauerhaften Verbesserung der Diabetes-Symptome und damit auch zu einer Normalisierung des Zuckerstoffwechsels. Somit sinkt auch das Krebsrisiko“, erklärt die Medizinerin.
Diabetiker haben ein höheres Risiko für Leberkrebs – auch adipöse Menschen sind betroffen
Diabetiker erkranken dreimal häufiger an Leberkrebs als Menschen ohne Störungen des Zuckerstoffwechsels. Warum das so ist, untersuchte ein Team von Wissenschaftlern um die Ärztin Natalie Torok von der Stanford Universität. Die Forschenden veröffentlichten ihre Ergebnisse im renommierten Journal Nature. Sie verglichen Gewebeproben aus der Leber von Gesunden, Diabetikern und Patienten mit einer nichtalkoholisch bedingten Leberentzündung durch Leberverfettung. Bei der letzten Gruppe unterschieden die Wissenschaftler noch zwischen Patienten mit normalen und jenen mit erhöhten Blutzuckerwerten.
Am auffälligsten waren die Gewebeproben der Patienten mit einer nichtalkoholischen Leberentzündung und Typ-2-Diabetes. Die gefundenen Veränderungen tragen wahrscheinlich dazu bei, dass Krebszellen sich in der Leber leichter ausbreiten können. „Viele unserer Patienten haben zusätzlich zu ihrem extremen Gewicht auch eine Störung des Zuckerstoffwechsels. Durch die neuen Erkenntnisse verstehen wir immer besser, auf welchen Ebenen wir den Patienten mit krankhafter Fettleibigkeit und Diabetes helfen können“, betont Dr. med. Sylvia Weiner.
Darmkrebspatienten mit Diabetes sterben früher
Auch bei Darmkrebs wirkt sich eine Störung des Zuckerstoffwechsels möglicherweise negativ auf den Krankheitsverlauf aus. Eine Studie von Forschenden um Kuo‐Liong Chien von der National Taiwan University mit rund 60.000 Darmkrebs-Patienten stellte einen Zusammenhang zwischen dem Vorliegen von Diabetes und der Sterblichkeit der Patienten fest.
Dr. med. Weiner erklärt: „Ob die Störung des Zuckerstoffwechsels tatsächlich die Ursache für die höhere Sterblichkeit ist, lässt sich nicht ableiten. Viele unserer Patienten haben zusätzlich zur Adipositas auch Diabetes. Die metabolische Chirurgie führt zu einer Normalisierung des Zuckerstoffwechsels und hat somit möglicherweise einen zusätzlichen positiven Einfluss auf die Sterblichkeit durch Darmkrebs. Die Ergebnisse sind für uns sehr wichtig, denn sie deuten auf mögliche Mechanismen hin, mit deren Hilfe wir die Erfolge der metabolischen Chirurgie noch besser verstehen können.“
Mit gesundem Lebensstil das Krebsrisiko senken
Die Vorbeugung von Krebserkrankungen spielt auch für Menschen mit krankhafter Fettleibigkeit eine wichtige Rolle. Die Bedeutung eines gesunden Lebensstils zur Vorbeugung von Krebserkrankungen ist kürzlich in einer Untersuchung bestätigt worden. Das Forschungsteam um Fiona C. Malcomson wertete die Daten von rund 95.000 Teilnehmenden aus. Die Wissenschaftler analysierten über einen Zeitraum von acht Jahren, ob die Probanden Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil zur Krebsprävention mit gesunder Ernährung und körperlicher Aktivität befolgten. Im Vordergrund stand die Frage, ob das Gesundheitsverhalten einen Einfluss auf die Entwicklung von Krebsleiden haben könnte.
Die Ergebnisse zeigen: Das Risiko für die Entstehung von Krebs war umso geringer, je stärker die Teilnehmenden auf einen gesunden Lebensstil geachtet hatten. „Wir finden es sehr wichtig, unsere Patientinnen und Patienten umfassend aufzuklären. Dazu gehört auch die Ermutigung zu einem gesunden Lebensstil. Die neuen Daten liefern uns weitere Argumente zur Motivation unserer Patienten. Eines ist klar: Es ist nie zu spät, Adipositas zu behandeln.“
Dr. med. Sylvia Weiner ist Chefärztin der Klinik für Adipositas-Chirurgie und Metabolische Chirurgie am Sana Klinikum Offenbach. Unter ihrer Leitung wurde Offenbach von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie DGAV als Exzellenzzentrum für Adipositas Chirurgie zertifiziert.
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