Mini-Schirm schützt vor Schlaganfall
Herzzentrum Cottbus senkt mit Vorhofohrverschluss Schlaganfall-Risiko bei Herzrhythmusstörungen
- Tag gegen den Schlaganfall am 10. Mai 2025
- Herzzentrum Cottbus senkt mit Vorhofohrverschluss Schlaganfall-Risiko bei Herzrhythmusstörungen
- Kardiologin Dr. Kristin Rochor ist Lausitzer Expertin für winzige Schirm-Implantate
Jedes Jahr erleiden mehrere Hunderttausend Menschen in Deutschland ein Schlaganfall. Etwa ein Fünftel dieser schlimmen Notfälle werden durch Blutgerinnsel ausgelöst, die sich im Vorhofohr – einem kleinen Anhängsel am Herzen – bilden. Mit einem Mini-Schutzschirm helfen die erfahrenen Mediziner vom Sana-Herzzentrum Cottbus Patienten mit Vorhofflimmern, ihr Schlaganfall-Risiko deutlich zu senken.
Jeder vierte Mensch in Deutschland entwickelt im Laufe seines Lebens Vorhofflimmern – mit dieser Erkrankung steigt gleichzeitig die Gefahr, dass sich im Herzen Thromben bilden. Diese kleinen Blutgerinnsel sind eine der Hauptursachen für Schlaganfälle. Wenn plötzlich ein Thrombus eines der Blutgefäße im Kopf verstopft, wird das Gehirn schlagartig nicht mehr richtig versorgt. Dann zählt jede Sekunde, weil irreversible Schäden drohen.
Dr. Kristin Rochor ist im Sana-Herzzentrum Cottbus die Spezialistin für „Schirmchen“. Die kleinen Implantate werden über minimalinvasive Zugänge über die Blutgefäße in der Leiste und mit Hilfe von Kathetern eingesetzt. Sie helfen Patienten mit Vorhofflimmern, ihr Schlaganfall-Risiko zu senken.
Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, die Herzgesundheit immer im Blick zu behalten. Vorhofflimmern gehört weltweit zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen. „Ein Teil der Patienten merkt gar nicht, dass er Vorhofflimmern hat. Andere spüren einen unregelmäßigen Herzschlag und fühlen sich nicht mehr so belastbar und leistungsfähig“, erklärt Dr. Kristin Rochor. Die Kardiologin engagiert sich seit mehr als 25 Jahren im Sana-Herzzentrum Cottbus und ist Spezialistin für winzige Schirmchen, die im Herzen implantiert werden.
Gefahr lauert in einem kleinen Anhängsel
Beim Vorhofflimmern funktioniert die Koordination zwischen der Vorkammer, den Vorhöfen des Herzens, und der Hauptkammer des Herzens nicht mehr richtig. Wenn sich der Vorhof nicht mehr synchron zusammenzieht, sondern nur noch flimmert, wird das Blut schlechter hindurchgeleitet. Dadurch kann es passieren, dass sich das Blut in unserem Vorhofohr sammelt, dort verdickt und gerinnt. Wenn das Herz dann plötzlich unkoordiniert wieder richtig schlägt und sich der Vorhof wieder normal zusammenzieht, kann sich das Blutgerinnsel aus dem Vorhofohr lösen und sich einen Weg durch den Blutkreislauf bahnen. „Es gibt ärztliche Meinungen, die besagen, dass das Vorhofohr eines der gefährlichsten Anhängsel ist, die der Körper hat, weil sich eben dort Gerinnsel entwickeln und Schaden im Körper anrichten. Wenn sich diese Gerinnsel lösen, landen sie häufig im Kopf. Sie können aber auch in den Herzkranzgefäßen einen Infarkt auslösen oder eine Embolie in Beinen, Armen, Nieren, der Lunge und allen anderen Organen“, macht Dr. Kristin Rochor die Gefahr deutlich. „Der Goldstandard in der Therapie von Menschen mit Vorhofflimmern sind daher Blutverdünner“, sagt die Kardiologin. Allerdings vertragen nicht alle Menschen solche Medikamente und mit zunehmendem Alter steigt nicht nur das Risiko für Gerinnselbildung, sondern auch für Blutungskomplikationen. Eine ungünstige Kombination.
Gebannter Blick auf den Bildschirm: Mit einer 3D Konstruktion des später verschlossenen Vorhofohrs wird die lebensverändernde Prozedur vorbereitet. Download und Copyright
Kleines Schirmchen kann Leben retten
Patienten, die an Vorhofflimmern leiden und keine blutverdünnenden Mittel einnehmen können, kann mit einem winzigen Schutzschirmchen geholfen werden. Seit mehr als 20 Jahren wird dieses Verfahren inzwischen angewendet. Dr. Kristin Rochor gehört im Team des Sana-Herzzentrum Cottbus zu denjenigen, die diese lebensrettende Prozedur bereits unzählige Male angewandt hat.
Bevor der eigentliche Eingriff, der mit Hilfe eines Katheters erfolgt, beginnen kann, schaut sich die erfahrene Ärztin unter Nutzung eines Schluckultraschalls an, wie das Vorhofohr gebaut ist und ob sich eventuell gerade ein Gerinnsel darin befindet. Während der Untersuchung wird digital auch eine dreidimensionale Rekonstruktion des Vorhofohrs erstellt, die Dr. Kristin Rochor bei der Vorbereitung des Eingriffs hilft. „Vorhofohren sind etwa ein bis vier Zentimeter groß und sehr variabel gebaut – mal erinnert ihre Form an Broccoli, mal an einen Windsack, einen Kaktus oder einen Hähnchenschenkel“, erklärt die Kardiologin.
Klein aber oho: Mit diesen Schirmchen sinkt das Schlagfanfallrisiko. Download und Copyright
Unter Ultraschallkontrolle bis zum Herzen
Über die Blutgefäße in der Leiste wird während des Eingriffs ein Katheter zum Herzen geschoben und dann mit einer Punktionsnadel ein winziger Durchgang von der rechten zur linken Vorkammer geschaffen. Per Schluckultraschall und mithilfe von Kontrastmitteln sehen die Spezialisten im OP jederzeit, wo sie sich befinden. Mit gekonnten Griffen löst Dr. Kristin Rochor das Schirmchen aus dem Katheter und öffnet es am Eingang zum Vorhofohr. Winzige Häkchen verankern sich in dem Gewebe. „Damit ist das Vorhofohr sofort verschlossen und die Gefahr gebannt. Die Membran des Schirmchens wächst im Laufe der ersten Wochen zu“, erklärt die Herzspezialistin.
Der komplizierte Eingriff dauert etwa eine halbe bis eine ganze Stunde und ist für die Patienten dank der kleinen Zugänge an der Leiste sehr schonend. Nach ein bis zwei Tagen können sie bereits wieder nach Hause gehen – mit der Gewissheit, dass sie nun ein deutlich kleineres Schlaganfall-Risiko in sich tragen. „Ein solches Schirmchen ist ein Segen für Patienten mit Vorhofflimmern, die keine Blutverdünner nehmen können.“
Über das Sana-Herzzentrum Cottbus
Das Sana-Herzzentrum Cottbus ist ein modernes Krankenhaus, das auf die Versorgung von kardialen Erkrankungen spezialisiert ist. Die Klinik im Herzen der Lausitz bieten medizinisch-pflegerische Leistungen auf höchstem Niveau. Jährlich lassen sich mehr als 4.500 Patienten herzchirurgisch und kardiologisch stationär durch die versierten Mediziner behandeln. Moderne Technik und innovative Therapiekonzepte für den Patienten gewährleisten größtmögliche Sicherheit und beste Langzeitergebnisse. Dabei steht das Sana-Herzzentrum Cottbus für ausgezeichnete Herzmedizin und erreicht im Ranking Deutschlands beste Krankenhäuser bundesweit Platz 2. Die Klinik für Herzchirurgie ist im Jahr 2022 bereits das dritte Mal in Folge als beste Herzchirurgie Deutschlands vom FAZ-Institut auszeichnet worden. Bei der Anwendung der kathetergestützten Aortenklappenimplantation (TAVI) über die Leistenvene zählt die Cottbuser Spezialklinik mit mehr als 5.000 behandelten Patienten sogar zur Weltspitze.