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Ismaning,
15
März
2024
|
08:00
Europe/Amsterdam

Mit Aktivität und innerer Stärke gegen chronische Rückenschmerzen

Zusammenfassung

Jeder Sechste in Deutschland ist von chronischen Schmerzen betroffen, leidet also unter Beschwerden, die länger als drei Monate andauern, so die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. Das sind umgerechnet mehr als 12 Millionen Betroffene. Ist die Schwelle zur Chronifizierung erst einmal überschritten, dauert die Leidensgeschichte der Patienten im Durchschnitt sieben Jahre. Bei jedem Fünften sind es sogar mehr als 20 Jahre. 

PD Dr. med. Uwe Vieweg

„Wir müssen unbedingt verhindern, dass Patienten mit akuten, unspezifischen Rückenschmerzen ohne eindeutige körperliche Ursache chronische Schmerzverläufe entwickeln“, erklärt Privatdozent Dr. med. Uwe Vieweg, Chefarzt der Klinik für chirurgische und konservative Wirbelsäulentherapie mit interdisziplinärem Wirbelsäulendeformitätenzentrum am Krankenhaus Rummelsberg. 

„Chronische Schmerzen sind nicht nur für die Patienten und deren Familien eine große Belastung, sondern auch für das Gesundheitssystem“, so der Mediziner. „Deshalb müssen wir viel früher ansetzen und das hat jeder selbst in der Hand“, erklärt der Chefarzt. Dabei spielen Bewegung und Aktivität schon sehr früh im Krankheitsverlauf eine entscheidende Rolle. 
 

Zauberwort „Resilienz“ 

Menschen aller Altersstufen – Kinder, Erwachsene, Senioren, Hochbetagte – können Beschwerden aktiv den Kampf ansagen bevor sie chronisch werden. Die Resilienz, also die seelische Widerstandsfähigkeit beziehungsweise die innere Stärke des Organismus gegenüber belastenden Situationen, dazu gehören zum Beispiel auch akute Rückenschmerzen, findet in der heutigen Betrachtungsweise chronischer Krankheitsverläufe noch zu wenig Beachtung. 

PD Dr. med. Vieweg betont: „Gerade zu Beginn und bei leichten, unspezifischen Problemen kann und muss jeder Einzelne durch einen gesunden Lebensstil selbst die Verantwortung für den Genesungsverlauf übernehmen“. Dazu gehören ein gesundheitsförderndes Essverhalten, regelmäßiger Sport, eine ausgeglichene psychische Balance, ein gesundes Medienverhalten, bewegungsfördernde Freizeitaktivitäten und eine positive Gestaltung des Berufsalltags. „Wer dem Körper zu viele belastende Reize zumutet, beeinfluss den Verlauf von anfangs unspezifischen Rückenschmerzen negativ. 

Diese Zusammenhänge sind viel zu wenigen Menschen wirklich bewusst“, erklärt Dr. Vieweg weiter. „Unser Gesundheitssystem mit ambulanten und stationären Versorgungsangeboten leistet einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung chronischer Verläufe – das ist gut und richtig. Viel wichtiger ist es aber, dass jeder Mensch selbst die richtigen Entscheidungen für seine Gesundheit trifft.“ 

Nur ein Zehntel der Betroffenen sucht Spezialisten auf 

Fatal ist, dass chronische Schmerzen häufig zu spät oder gar nicht erkannt werden. Wie die Deutsche Schmerzgesellschaft mitteilt, dauert es bei etwa der Hälfte der Betroffenen länger als zwei Jahre, bis eine wirksame multimodale Schmerztherapie mit einer Kombination verschiedener Therapiebestandteile beginnt. Nur ein Zehntel der Betroffenen geht zu einem Spezialisten. 

„Wir wissen aus der Forschung, dass chronische Schmerzen durch ein komplexes Zusammenspiel organischer, psychischer und kontextualer (z. B. Lebensumstände, Umweltbelastung) Faktoren entstehen – je früher wir Patienten mit Risikofaktoren für chronische Verläufe erkennen, desto besser ist die Prognose“, erklärt PD Dr. med. Uwe Vieweg. 

Risikofaktoren bei Angestellten mittleren Alters 

Eine neue Untersuchung zu dieser Fragestellung wurde kürzlich im renommierten European Journal of Pain veröffentlicht und kommt von einem Forschungsteam der Universitäten Halle-Wittenberg und Lübeck. Die Forschungsgruppe konzentrierte sich in ihrer Studie auf eine für die tägliche Praxis sehr wichtige Gruppe: Angestellte im mittleren Alter mit zu Beginn starken und einschränkenden Rückenschmerzen. Fast die Hälfte der 1.215 Befragten litt auch zwei Jahre später noch unter Schmerzen. 

Es zeigte sich, dass insbesondere die folgenden Faktoren mit langandauernden Beschwerden zusammenhingen: Alter, schlechter allgemeiner Gesundheitszustand, Begleiterkrankungen, depressive Symptome, Belastung durch pflegerische Aufgaben, eine geringe Selbstwirksamkeit im Umgang mit Schmerzen und bewegungsbezogene Ängste. 

Es liegt nahe, dass Patienten mit den genannten Risikofaktoren auch eine schlechte Resilienz aufweisen. Das erklärt unter anderem, warum die Betroffenen nach zwei Jahren immer noch unter starken Schmerzen litten. 
„Wir sind bei Sana im Bereich der Prävention und Versorgung von Patienten mit Rückenschmerzen breit aufgestellt und können komplexe Konstellationen von Risikofaktoren frühzeitig identifizieren und auch interdisziplinär behandeln. Je nach zugrundeliegender Problematik brauchen wir unterschiedliche Therapiestrategien“, betont PD Dr. med. Uwe Vieweg „und die gibt es bei uns aus einer Hand.“ 

 

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Podcast 

Mit PD Dr. med. Uwe Vieweg gibt es eine neue Wirbelsäulen-Podcast-Serie zu wichtigen Fragen rund um die Wirbelsäule und mögliche Erkrankungen. Der erste Teil der Serie ist im Januar auf Spotify, Deezer und anderen gängigen Podcast-Portalen erschienen.