Hameln-Pyrmont,
23
Januar
2024
|
08:11
Europe/Amsterdam

Mit Schockwellen gegen Verkalkungen im Herzen

Zusammenfassung

Nieren- oder Gallensteine werden schon seit vielen Jahren behandelt, indem sie mittels Stoß- beziehungsweise Schockwellen von außen zertrümmert werden. Nun hält diese Methode auch in der Klinik für Innere Medizin I (Kardiologie) am Sana Klinikum Hameln-Pyrmont Einzug. Mit dem aus Amerika stammenden „Shockwave“-Verfahren können durch Kalk verengte Gefäße am Herzen (Koronarstenosen) beseitigt werden. 

Es ist wichtig, dass der Kalk mit behandelt wird, da sich die Gefäße sonst nicht richtig aufdehnen lassen und nicht gut mit einer Gefäßstütze (Stent) versorgt werden können. Diese kleinen Drahtgitter können sogar vom Gefäßkalk wieder zusammengedrückt werden und so steigt das Risiko einer neuen Engstelle oder gar eines plötzlichen Gefäßverschlusses (Herzinfarkt). „Für die Patientinnen und Patienten ist das Shockwave-Verfahren ein Segen, denn dadurch können einige nun minimal-invasiv mittels Katheter behandelt werden, bei denen es vorher nicht möglich gewesen wäre“, erklärt Dr. David Vogler, Ltd. Oberarzt der Klinik für Innere Medizin I und Leiter des Herzkatheterlabors des Klinikums.

Das Beste aus zwei Welten

Die dabei bisher übliche Methode, die Rotablation, stößt jedoch ab einer gewissen Größe der Gefäße an ihre Grenzen. Das liegt daran, dass der Mini-Bohrer, der per Katheter im Herzkranz-Gefäß die Verkalkung abfräst, nur für kleinere Durchmesser geeignet ist. „Wird es zu groß oder sind die Kalkablagerung zu stark beziehungsweise zu tief, ist der Bohrer weniger effektiv“, so Dr. Vogler.

An dieser Stelle sollen die Schockwellen Abhilfe schaffen. Möglich macht das ein neues Werkzeug, ein sogenannter Lithotrypsiekatheter. Über einen Katheter wird ein Ballon an die verkalkte Stelle im Herzen geführt. In dem Ballon befinden sich Ultraschallkristalle. „Diese werden durch elektrische Energie angeregt und schwingen. Die Energie wird an die Kalkablagerungen abgegeben, so dass diese zertrümmert werden. Man kann sich das am besten so vorstellen, als ob Eierschalen zerbröseln“, so Dr. David Vogler. Das alles dauert nicht länger als zwei Minuten und ist schmerzfrei. Der Vorteil sei, dass das Verfahren auch in engen Gefäßen funktioniere und mit der Rotablation kombinierbar sei. Außerdem könne das „Shockwave“-Verfahren eingesetzt werden, um sich wieder zusetzende Stents vom Kalk zu befreien.

Dr. David Vogler bei der Anwendung des neuen Shockwave-Verfahrens

Foto: Dr. David Vogler bei der Anwendung des Shockwave-Verfahrens.