Offenbach,
15
Oktober
2026
|
11:50
Europe/Amsterdam

Mythos oder Wahrheit: Kann man sich zu Tode erschrecken?

Zusammenfassung

Schaurige Gestalten, plötzliches Knallen, flackerndes Licht und ein lautes „Buh!“ aus dem Dunkeln: Wenn an Halloween das Gruseln zum Programm gehört, schlägt das Herz schon einmal schneller. Doch kann ein besonders heftiger Schreck tatsächlich gefährlich werden – oder sogar tödlich enden?

„Du hast mich zu Tode erschreckt!“ – Was im Alltag meist nur eine Redewendung ist, ist medizinisch interessant. Denn ein plötzlicher Schreck löst im Körper eine ganze Reihe von Reaktionen aus: Der Herzschlag beschleunigt sich, der Blutdruck steigt, die Atmung verändert sich und Stresshormone wie Adrenalin werden ausgeschüttet. Der Körper schaltet innerhalb kürzester Zeit auf höchste Aufmerksamkeit und bereitet sich auf eine mögliche Gefahr vor.

„Für einen gesunden Menschen ist ein einmaliger Schreck in der Regel nicht gefährlich. Bei Menschen mit bestehenden Herzerkrankungen kann eine starke körperliche und emotionale Stressreaktion jedoch tatsächlich zum Problem werden“, erklärt Prof. Dr. med. Timm Bauer, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Internistische Intensivmedizin und Allgemeine Innere Medizin am Sana Klinikum Offenbach.

Wenn der Schreck das Herz belastet

Insbesondere bei Menschen mit einer bereits bestehenden strukturellen Herzerkrankung, beispielsweise einer koronaren Herzkrankheit (KHK) oder einer Herzinsuffizienz, kann eine starke Stressreaktion das Herz-Kreislauf-System erheblich belasten. Durch die Ausschüttung von Stresshormonen steigen unter anderem Herzfrequenz und Blutdruck. Bei vorgeschädigten Gefäßen kann dies im Extremfall einen Herzinfarkt begünstigen.

Bei anderen seltenen Erkrankungen können starke Emotionen oder Stress sogar Herzrhythmusstörungen auslösen. Dazu gehört beispielsweise das so genannte Long-QT-Syndrom Typ 2. Bei dieser angeborenen Erkrankung kann insbesondere eine plötzliche Stresssituation mit einem starken Adrenalinausstoß gefährliche Herzrhythmusstörungen begünstigen. Auch bei der katecholaminergen polymorphen ventrikulären Tachykardie (CPVT) können körperliche Belastung oder starke emotionale Aufregung schwere Herzrhythmusstörungen auslösen.

„Eine weitere Besonderheit ist die Takotsubo-Kardiomyopathie, die auch als ‚Broken-Heart-Syndrom‘ bekannt ist und vornehmlich Frauen nach der Menopause betrifft“, erklärt Professor Bauer. Sie kann infolge außergewöhnlich starken emotionalen oder körperlichen Stresses auftreten – beispielsweise nach einem schweren Verlust, aber auch durch große Aufregung oder Angst. „Dabei kommt es vorübergehend zu einer erheblichen Einschränkung der Herzfunktion. Die Beschwerden können denen eines Herzinfarkts sehr ähnlich sein. Mit der richtigen Behandlung erholt sich das Herz in den meisten Fällen vollständig und ohne bleibende Schäden.“

Kann man sich also doch zu Tode erschrecken? Ganz so einfach ist es nicht. „Dass ein Mensch allein durch einen kurzen Schreck plötzlich stirbt, ist äußerst selten. Die Redewendung „zu Tode erschrecken“ ist deshalb vor allem eines: eine Redewendung“, verdeutlicht Prof. Bauer.

Dennoch sollte man die Wirkung von Stress auf das Herz nicht unterschätzen. Vor allem Menschen mit bekannten Herzerkrankungen sollten Beschwerden nach einer starken emotionalen Belastung ernst nehmen. Treten plötzlich starke Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel, Herzrasen oder Bewusstlosigkeit auf, sollte umgehend medizinische Hilfe gerufen werden.

Das Halloween-Fazit des Kardiologen: „Ein guter Schreck gehört zum Gruselspaß dazu. Für ein gesundes Herz ist ein plötzliches „Buh!“ normalerweise kein Grund zur Sorge. Wer allerdings eine bekannte Herzerkrankung hat, sollte wissen, dass starke Stress- und Adrenalinreaktionen das Herz tatsächlich belasten können.“

Professor Timm Bauer,  Sana Klinikum Offenbach

“Für ein gesundes Herz ist ein plötzliches „Buh!“ normalerweise kein Grund zur Sorge”, sagt Prof. Dr. Timm Bauer Download und Copyright

Über das Sana Klinikum Offenbach

Das Sana Klinikum Offenbach ist ein akademisches Lehrkrankenhaus der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt und zählt zu den größten Klinikeinrichtungen der Rhein-Main-Region. Als Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 900 Planbetten verfügt das Klinikum über 27 Fachkliniken, 13 Institute und zertifizierte Fachzentren sowie die größte Notaufnahme Hessens. Etwa 3.000 Beschäftigte sorgen dafür, dass jährlich rund 37.000 stationäre und 90.000 ambulante Patient:innen mit den neuesten medizinischen Diagnose- und Therapiemethoden optimal versorgt werden. Unsere Beschäftigten erbringen ausgezeichnete Spitzenleistungen, arbeiten in effektiven und patientenorientierten Prozessen und mit modernster Medizintechnik. Als einer der größten Gesundheitsdienstleister in Deutschland verfügt Sana über verschiedene Business Units (Gesundheitsversorgung, Krankenhaus-Services und Gesundheit) und versorgt jährlich rund 2,2 Millionen Patient:innen nach höchsten Qualitätsansprüchen. Mehr als 35.500 Mitarbeitende an über 54 Standorten vertrauen bereits auf uns. Sie alle profitieren von einem Arbeitsumfeld mit abwechslungsreichen Herausforderungen und viel Raum für Eigeninitiative. Bei Sana können Sie sowohl eigene Schwerpunkte entwickeln als auch ein interdisziplinäres Netzwerk aufbauen.

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