„Rauchen hört man der Lunge an – manchmal erst, wenn es zu spät ist"
Experteninterview zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai 2026
- Rauchen ist der größte vermeidbare Risikofaktor für Lungenkrebs – doch zwischen erstem Zigarettenkonsum und Tumorerkrankung können Jahrzehnte liegen. Ein Rauchstopp lohnt sich in jedem Alter: Nach zehn rauchfreien Jahren sinkt das Lungenkrebsrisiko auf die Hälfte.
- Modernste Thoraxchirurgie ermöglicht schonende Heilung – das Lungenzentrum am Sana Klinikum Coburg setzt auf minimalinvasive VATS-Verfahren, gewebeschonende Segmentresektionen und seit 2026 auf Robotic-Chirurgie mit dem daVinci-System. Bei gesicherter Tumordiagnose erfolgt die Operation innerhalb von sieben Tagen.
- Regionale Versorgungssicherheit als klares Bekenntnis – als einziges DGT-zertifiziertes Kompetenzzentrum für Thoraxchirurgie in Nordbayern und Südthüringen übernimmt das Lungenzentrum Verantwortung für die gesamte Region: wohnortnah, vernetzt und auf höchstem Qualitätsniveau.
Lungenkrebs ist die häufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland – bei Männern und Frauen gleichermaßen. Der wichtigste vermeidbare Risikofaktor: Rauchen. Anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai spricht Prof. Dr. med. Zsolt Sziklavari, PhD, Chefarzt der Thoraxchirurgie und Leiter des Lungenzentrums am Sana Klinikum Coburg, über die Folgen des Rauchens, die Möglichkeiten der modernen Thoraxchirurgie – und darüber, warum die wohnortnahe Versorgung von Lungenpatienten in der Region für ihn weit mehr ist als ein beruflicher Auftrag.
Frage: Herr Professor Sziklavari, der Weltnichtrauchertag am 31. Mai ist ein guter Anlass, um über eine unbequeme Wahrheit zu sprechen: Rauchen tötet. Ist das für Sie als Thoraxchirurg Alltag?
Prof. Sziklavari: Leider ja – und das ist jeden Tag aufs Neue ein ernüchternder Befund. Der Großteil der Lungenkrebs-Erkrankungen, die wir operieren, ist direkt auf das Rauchen zurückzuführen. Lungenkarzinome sind bei Männern und Frauen gleichermaßen die häufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland. Was viele nicht wissen: Zwischen dem ersten Zug an einer Zigarette und einer manifesten Tumorerkrankung können Jahrzehnte liegen. Das macht Rauchen so heimtückisch – die Rechnung kommt mitunter spät, aber sie kommt.
Frage: Welche Schäden richtet Rauchen in der Lunge konkret an?
Prof. Sziklavari: Das Spektrum ist erschreckend breit. Rauchen schädigt nicht nur die Schleimhäute der Atemwege, sondern zerstört über Jahre die Blutgefäße und das Lungengewebe. Die bekannteste Folgeerkrankung ist COPD – die chronisch obstruktive Lungenerkrankung – bei der die Lungenbläschen unwiederbringlich zerstört werden, mit der Folge einer dauerhaft eingeschränkten Lungenfunktion. Hinzu kommen eine erhöhte Infektanfälligkeit, das Fortschreiten des erwähnten Lungenemphysems und natürlich das Lungenkarzinom. Aber Rauchen schädigt auch das Herz-Kreislauf-System, fördert Schlaganfälle und begünstigt zahlreiche andere Tumorarten. Als Thoraxchirurg sehe ich täglich, was Jahrzehnte des Rauchens aus einer Lunge machen – das ist keine abstrakte Statistik, das ist gelebte Realität auf unserem OP-Tisch.
Frage: Lohnt sich ein Rauchstopp auch noch im höheren Alter oder nach jahrzehntelangem Rauchen?
Prof. Sziklavari: Absolut – und das ist vielleicht die wichtigste Botschaft dieses Tages. Der Körper beginnt sich zu erholen, sobald man aufhört. Bereits nach 24 Stunden normalisiert sich der Kohlenmonoxidspiegel im Blut, somit sinkt das Herzinfarktrisiko. Nach einem Jahr halbiert sich das Risiko für koronare Herzerkrankungen. Und nach zehn rauchfreien Jahren ist das Lungenkrebsrisiko auf etwa die Hälfte des Risikos eines aktiven Rauchers gesunken. Es ist nie zu spät – weder mit 50 noch mit 70. Wer aufhört, gewinnt Lebensqualität und Lebenszeit zurück, oft auch messbar in der Lungenfunktion.
Frage: Was kann die moderne Thoraxchirurgie leisten, wenn der Schaden bereits eingetreten ist?
Prof. Sziklavari: Sehr viel – und das ist die gute Nachricht. Wird ein Lungentumor früh entdeckt, ist er in vielen Fällen operativ heilbar. Wir setzen dabei auf modernste, minimalinvasive Verfahren: die videoassistierte Thorakoskopie, sogenannte VATS, oder gewebeschonende Segmentresektionen, bei denen wir nur den betroffenen Lungenabschnitt entfernen und möglichst viel gesundes Gewebe erhalten. Des Weiteren haben wir im Jahr 2026 auch in der Thoraxchirurgie das Robotic-Programm mit dem daVinci-System gestartet, die Ergebnisse sind faszinierend. Mit jährlich rund 500 Eingriffen gehören wir zu den größten thoraxchirurgischen Zentren in Oberfranken – und wir sind das einzige von der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie zertifizierte Kompetenzzentrum in Nordbayern und Südthüringen. Für Patienten bedeutet das: höchste Qualitätsstandards und regelmäßige Überprüfungen. Und: Zwischen einer gesicherten Krebsdiagnose bis zur Operation liegen bei uns maximal sieben Tage. Denn bei Krebs zählt jeder einzelne Tag.
Frage: Sie sind nicht nur Chirurg, sondern auch Leiter des Lungenzentrums – wie blicken Sie auf die Versorgungssituation in der Region?
Prof. Sziklavari: Das ist eine Frage, die mich weit über den OP-Saal hinaus beschäftigt. Wir stehen in Nordbayern und Südthüringen vor einer strukturellen Herausforderung: Die Zahl der Lungenerkrankungen steigt – durch Rauchen, durch Umweltbelastungen, durch eine alternde Bevölkerung. Gleichzeitig befindet sich die stationäre Versorgungslandschaft im Wandel. Spezialisierte Angebote werden seltener, die Wege für Patienten länger. Das ist eine Entwicklung, die ich mit großer Sorge beobachte.
Deshalb haben wir das Lungenzentrum am Sana Klinikum Coburg von Anfang an nicht nur als Klinik gedacht, sondern als regionales Versorgungsnetzwerk. Wir arbeiten eng mit niedergelassenen Pneumologen, Hausärzten, Onkologen, Reha-Einrichtungen und Palliativdiensten zusammen. Unser Anspruch ist klar: Wer in dieser Region eine Lungenerkrankung hat, soll wohnortnah auf höchstem Niveau versorgt werden – ohne lange Wartezeiten, ohne weite Fahrten, ohne das Gefühl, allein gelassen zu werden. Dieses Versprechen geben wir gemeinsam mit unseren Partnern – und wir nehmen es sehr ernst.
Frage: Wie sieht die Versorgung nach einer Operation aus – wie begleiten Sie Ihre Patienten weiter?
Prof. Sziklavari: Eine Operation ist selten das Ende der Behandlung, sondern ein wichtiger Schritt in einem oft langen Weg. Deshalb haben wir unser Netzwerk bewusst weit gespannt: Wir arbeiten eng mit der Onkologie, der Strahlentherapie, der ambulanten Pneumologie, der Physiotherapie und der Atemtherapie zusammen. Für Patientinnen und Patienten, die eine intensive Nachsorge brauchen, stehen uns Kooperationspartner in der Reha, der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung und Beatmungs-WGs zur Verfügung. Und wir lassen die Patienten nicht allein: In unserer wöchentlichen Lungenkonferenz besprechen wir jeden komplexen Fall gemeinsam im Team – auch mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, die ihre Patienten oft viel länger kennen als wir.
Frage: Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich zum Weltnichtrauchertag – von der Politik, von der Gesellschaft, von jedem Einzelnen?
Prof. Sziklavari: Von der Politik wünsche ich mir etwas mehr Mut zu konsequenten Maßnahmen – man könnte beispielsweise Tabakwerbung vollständig verbieten und Zigarettenautomaten aus dem öffentlichen Raum verbannen. Vor allem aber: Aufklärungsarbeit bei Jugendlichen - Prävention, bevor jemand mit dem Rauchen beginnt. Von der Gesellschaft wünsche ich mir, dass wir aufhören, Rauchen zu verharmlosen – es ist keine Lifestyle-Entscheidung, es ist eine Sucht mit tödlichen Folgen. Und vom Einzelnen? Nur eines: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Über das Aufhören, über Unterstützungsmöglichkeiten, über eine Früherkennungsuntersuchung – gerade, wenn Sie lange geraucht haben. Wir im Lungenzentrum Coburg sind für genau diese Gespräche da. Und wir freuen uns, wenn Menschen zu uns kommen, bevor es dringend wird.
Bild: Prof. Dr. Zsolt Sziklavari (Copyright: SKOF)