Duisburg,
26
Oktober
2026
|
08:56
Europe/Amsterdam

Schlaganfall: Schnell erkennen, richtig handeln, Leben retten

Zusammenfassung
  • Etwa alle zwei Minuten erleidet in Deutschland eine Person einen Schlaganfall. Das sind rund 270.000 Menschen pro Jahr.
  • Frühzeitige Erkennung, eine schnelle Behandlung in einer spezialisierten Stroke Unit und eine umfassende Nachsorge können lebensrettend sein.
  • Zum „Welt-Schlaganfall-Tag“ am 29. Oktober beantworten Prof. Wilhelm Nacimiento, Chefarzt der Klinik für Neurologie, Neurologische Frührehabilitation mit überregionaler Stroke Unit, sowie Dr. Martina Nolden-Koch, Leitende Oberärztin der Stroke Unit an den Sana Kliniken Duisburg, wichtige Fragen rund um Schlaganfälle.

Was ist ein Schlaganfall und warum zählt jede Minute?

Prof. Wilhelm Nacimiento: „Bei einem Schlaganfall wird die Blutversorgung eines Teils des Gehirns plötzlich unterbrochen. Meist geschieht das durch ein verschlossenes Blutgefäß, also einen Hirninfarkt, seltener durch eine Hirnblutung, bei der eine Arterie platzt. Die betroffenen Nervenzellen werden dadurch nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Das kann innerhalb kurzer Zeit zu einer dauerhaften Schädigung führen. Ob und welche Folgen auftreten, hängt davon ab, welche Hirnregion betroffen ist. Häufig kommt es zu Lähmungen, Sprachstörungen oder anderen neurologischen Ausfällen. Deshalb gilt: Je schneller gehandelt wird, desto größer ist die Chance, bleibende Schäden zu vermeiden oder zumindest zu verringern.“

Woran erkenne ich einen Schlaganfall?

Dr. Martina Nolden-Koch: „Typisch sind plötzlich auftretende Beschwerden wie beispielsweise eine halbseitige Schwäche oder Lähmung, Taubheitsgefühle, Sprach- oder Verständnisstörungen, Sehstörungen, Schwindel mit Gangunsicherheit oder ungewohnt starke Kopfschmerzen. Nicht jede betroffene Person zeigt alle Symptome gleichzeitig. Bereits eines dieser Warnzeichen reicht aus, um sofort den Notruf zu wählen. Und um es ganz deutlich zu sagen: Den Notruf sollte man bei solchen Symptomen lieber einmal zu viel als einmal zu spät rufen. Wer trotzdem unsicher ist: Zur schnellen Orientierung im Alltag hat sich der sogenannte BEFAST-Test bewährt.“

Was ist der BEFAST-Test?

Dr. Nolden-Koch: „Der BEFAST-Test ist eine einfache Merkhilfe, um typische Anzeichen eines Schlaganfalls rasch zu erkennen. Die Buchstaben stehen für Balance, Eyes, Face, Arm, Speech und Time. Zunächst sollte geprüft werden, ob Gleichgewichtsprobleme oder Sehstörungen bestehen. Anschließend bittet man die betroffene Person zu lächeln – hängt ein Mundwinkel herab, kann das auf eine Gesichtslähmung hinweisen. Danach werden beide Arme gleichzeitig nach vorne ausgestreckt. Sinkt ein Arm ab oder kann nicht angehoben werden, ist das ebenfalls ein Warnsignal. Abschließend lässt man einen einfachen Satz nachsprechen. Eine verwaschene Sprache oder Schwierigkeiten beim Sprechen deuten auf einen Schlaganfall hin. Erkennt man eines dieser Symptome, zählt jede Minute – dann sollte sofort die 112 angerufen werden.“

Was sollte ich tun, wenn ich den Rettungsdienst verständigt habe?

Prof. Nacimiento: „Bleiben Sie möglichst ruhig und lassen Sie die betroffene Person nicht allein. Sprechen Sie beruhigend mit ihr und beobachten Sie, ob sich der Zustand verändert. Wichtig ist außerdem, keine Speisen oder Getränke anzubieten, da die Gefahr besteht, dass sich die Person verschluckt. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sollte sie möglichst sicher gelagert und nicht unnötig belastet werden.“

Und was passiert anschließend?

Prof. Nacimiento: „Besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall, erfolgt der Transport in eine spezialisierte Stroke Unit wie hier in den Sana Kliniken Duisburg. Dort stellen wir umgehend mittels bildgebender Verfahren fest, ob tatsächlich ein Schlaganfall vorliegt und ob ein Gefäßverschluss oder eine Hirnblutung die Ursache ist. Bei einem Gefäßverschluss prüfen wir sofort, ob eine Akuttherapie zur Wiedereröffnung des Gefäßes möglich ist. Diese Behandlung ist zeitkritisch und deshalb von einem schnellen Transport abhängig.“

Was ist entscheidend für eine erfolgreiche Weiterbehandlung?

Dr. Nolden-Koch: „Nach der Akutversorgung beginnt unmittelbar die weitere Behandlung. Neben der Stabilisierung der Patienten ist es wichtig, die Ursache des Schlaganfalls zu ermitteln, um das Risiko für ein erneutes Ereignis zu senken. Gleichzeitig starten wir früh mit rehabilitativen Maßnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Viele Betroffene benötigen außerdem Medikamente, die langfristig eingenommen werden, um weiteren Schlaganfällen vorzubeugen.“

Wieso ist eine frühzeitige Rehabilitation so wichtig?

Prof. Nacimiento: „Das Gehirn besitzt die Fähigkeit, Funktionen teilweise neu zu organisieren. Diese Chance sollte möglichst früh genutzt werden. Deshalb beginnt die Rehabilitation häufig bereits während des Aufenthalts auf der Stroke Unit. Ziel ist es, verloren gegangene Fähigkeiten wie Sprache, Beweglichkeit oder Selbstständigkeit so weit wie möglich zurückzugewinnen. Je nach individuellem Bedarf wird die Behandlung anschließend ambulant oder stationär in einer Rehabilitationsklinik fortgesetzt.“

Haben Sie Tipps für Angehörige?

Dr. Nolden-Koch: „Ein Schlaganfall verändert oft das Leben einer ganzen Familie. Angehörige übernehmen häufig von heute auf morgen Verantwortung und stehen vor vielen neuen Herausforderungen. Deshalb ist es wichtig, sich im Fall der Fälle umfassend über die Erkrankung und ihre Folgen zu informieren. Gleichzeitig sollten Angehörige die eigene Belastung nicht unterschätzen. Wer regelmäßig Pausen einplant und Unterstützung annimmt, kann langfristig besser helfen. Auch der Austausch mit Selbsthilfegruppen oder anderen Betroffenen kann eine wertvolle Unterstützung sein.“


Prof. Nacimiento: „Wir beantworten gerne die Fragen der Angehörigen. Zudem beraten und begleiten unsere Kolleginnen und Kollegen der ‚Familialen Pflege‘ Familien dabei, sich auf die neue Situation einzustellen und den Alltag nach einem Schlaganfall bestmöglich zu gestalten.“

Welche Risikofaktoren können zu einem Schlaganfall führen?

Prof. Nacimiento: „Der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor ist Bluthochdruck. Darüber hinaus steigern unter anderem Diabetes mellitus, erhöhte Blutfettwerte, Rauchen sowie Bewegungsmangel das Schlaganfallrisiko. Häufig wirken mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen. Umso wichtiger ist es, bekannte Erkrankungen konsequent behandeln zu lassen und auf einen gesunden Lebensstil zu achten.“

Haben ältere Menschen ein erhöhtes Risiko?

Dr. Nolden-Koch: „Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für einen Schlaganfall deutlich an. Dennoch ist die Erkrankung keineswegs ausschließlich ein Problem älterer Menschen. Auch jüngere Erwachsene können betroffen sein, beispielsweise durch seltene Gefäßerkrankungen oder andere spezielle Ursachen. Deshalb sollten Schlaganfall-Symptome unabhängig vom Alter immer ernst genommen werden. Und nicht nur das: Sogar Kinder können einen Schlaganfall erleiden. Jedes Jahr sind rund 300 Kinder betroffen, die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher sein, da Schlaganfälle bei Kindern manchmal auch keine oder nur sehr wenige Symptome hervorrufen.“

Kann man einen Schlaganfall vorbeugen?

Prof. Nacimiento: „Viele Schlaganfälle lassen sich durch eine konsequente Vorbeugung verhindern. Dazu gehören gut eingestellter Blutdruck und -zucker, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung sowie der Verzicht auf das Rauchen. Wer seine persönlichen Risikofaktoren kennt und behandelt, kann sein Schlaganfallrisiko deutlich senken. Prävention beginnt deshalb lange vor einem möglichen Notfall.“

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Über die Sana Kliniken Duisburg

Die Sana Kliniken Duisburg sind ein Krankenhaus der Maximalversorgung und behandeln jährlich zirka 22.000 stationäre Patientinnen und Patienten. Weitere rund 60.000 Patienten werden ambulant versorgt. Das Klinikum verfügt über 17 Fachabteilungen, drei Institute und ein angeschlossenes Ärztezentrum sowie 550 Betten und beschäftigt 1.600 Mitarbeitende. Träger ist zu 99 Prozent die Sana Kliniken AG und zu einem Prozent die Stadt Duisburg.

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