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Ismaning,
21
Januar
2025
|
09:52
Europe/Amsterdam

Thrombektomie: Blutgerinnsel im Gehirn entfernen

Zusammenfassung

Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Rund 80 Prozent aller Betroffenen erleiden einen ischämischen Schlaganfall. Dabei kommt es meist durch Blutgerinnsel, so genannte Thromben, in einem Hirngefäß zu einer Mangeldurchblutung der Nervenzellen. Neben der medikamentösen Auflösung des Gerinnsels gibt es die Möglichkeit der Thrombektomie, das heißt die mechanische Entfernung mit einem Katheter-Eingriff.

Die Thrombektomie hat die moderne Akuttherapie des Schlaganfalls revolutioniert. Mehrere Studien belegen die Effektivität und Zuverlässigkeit des Verfahrens. Der Eingriff ist minimal-invasiv und somit schonend für die Patienten. Neuroradiologen bringen einen dünnen Schlauch – den Katheter – über den Arm oder die Leiste in das Gefäßsystem ein und führen diesen bis an den Thrombus heran. Je nach Lage und Größe des Gerinnsels kann es dann entweder über den Katheter abgesaugt werden oder mit Hilfe eines Fangnetzes (Stent-Retriever) entfernt werden. Somit kann die Durchblutung des Gehirns wieder vollständig hergestellt werden. Die Fachwelt beschäftigt sich intensiv damit, wann und bei welchen Patienten die Methode effektiv ist.

Dr. Dominik Grieb, Sana Kliniken Duisburg

Therapiezeitpunkt

Gemäß Leitlinienempfehlung soll die Thrombektomie bei Patienten mit akutem ischämischem Schlaganfall und klinisch relevanten neurologischen Symptomen möglichst innerhalb eines knappen Zeitfensters von sechs Stunden erfolgen. Forschungsergebnisse der letzten Jahre legen jedoch nahe, dass die Thrombektomie auch bis zu 24 Stunden nach dem Ereignis in vielen Fällen noch zu besseren Ergebnissen führt als die herkömmliche Versorgung. Dr. Dominik Grieb, zertifizierter interventioneller Radiologe und Neuroradiologe sowie Leitender Oberarzt der Abteilung für Radiologie und Neuroradiologie an den Sana Kliniken Duisburg erklärt: „Wir wissen inzwischen, dass wir vielen Patienten auch nach mehr als sechs Stunden noch erfolgreich mit der Thrombektomie helfen können. Wir beurteilen in diesen Fällen die Erfolgsaussichten anhand erweiterter bildgebender Verfahren und der klinischen Symptome. Sofern sich Anhaltspunkte ergeben, dass noch Gewebe zu retten ist, kann die Durchführung einer Thrombektomie auch bei diesen längeren Zeitfenstern oder bei Patienten, bei denen der genaue Symptombeginn nicht bekannt ist, eine effektive Behandlung darstellen.“

Infarktgröße und betroffener Gehirnbereich

Früher waren Experten der Ansicht, dass die Thrombektomie nur bei Schlaganfällen mit kleinem Infarktbereich in der initialen Bildgebung nutzbar wäre. Zwei groß angelegte Studien mit den Namen SELECT2 und TENSION konnten jedoch zeigen, dass die Thrombektomie auch bei Schlaganfällen wirksam ist, bei denen bereits größere Bereiche des Hirngewebes geschädigt sind. Diese beiden Studien sowie vier weitere wissenschaftliche Untersuchungen wurden kürzlich auch im Rahmen einer Meta-Analyse, das heißt einer systematischen Übersichtsarbeit mit statistischer Zusammenfassung, ausgewertet. Die Analysen bestätigen, dass die Thrombektomie im Vergleich zur herkömmlichen medizinischen Versorgung auch bei Betroffenen mit bereits ausgedehnter Gewebeschädigung zu signifikant besseren Ergebnissen führte. Die Patienten erreichten mehr Alltagsfunktionen und eine bessere Gehfähigkeit. „Diese Erkenntnis unterstreicht einmal mehr die starke Wirksamkeit der Thrombektomie in der modernen Schlaganfalltherapie“ so Dominik Grieb.

Die Thrombektomie wurde bislang vorwiegend bei Verschlüssen der großen und mittelgroßen Arterien eingesetzt. Man geht jedoch davon aus, dass 20 bis 40 Prozent aller Schlaganfälle auf Verschlüsse kleinerer Hirngefäße zurückzuführen sind. Der herausragende Erfolg der Thrombektomie und die stetige Weiterentwicklung der Methode ermöglichen heutzutage in ausgewählten Fällen auch die anspruchsvolle mechanische Entfernung von Gerinnseln aus sehr kleinen Hirngefäßen.

Entscheidend ist dabei ein routiniertes Zusammenspiel der hochspezialisierten Experten aus der Neurologie, der Anästhesie und natürlich insbesondere aus der interventionellen Neuroradiologie in einer spezialisierten Schlaganfalleinrichtung (Stroke Unit).

Dr. Martina Nolden-Koch, Sana Kliniken Duisburg

Verdacht auf Schlaganfall: Sofort handeln

Je früher die Symptome eines Schlaganfalls erkannt werden, desto besser ist es. Für medizinische Laien gibt es einen ganz einfachen Schnelltest – FAST beziehungsweise BEFAST – mit dem Angehörige oder Freunde typische Warnzeichen schnell erkennen können. Dr. Martina Nolden-Koch, leitende Oberärztin der Stroke Unit, betont: „Sollte nur der geringste Verdacht auf einen Schlaganfall bestehen, ist unverzüglich der Notruf 112 zu wählen. Jede Sekunde zählt, denn das Gehirngewebe ist hochspezialisiert und vor allem sehr empfindlich, wenn es nicht durchblutet wird.“ Je eher die Betroffenen in eine spezialisierte Klinik mit Stroke Unit und Neuroradiologie gebracht werden, desto schneller kann die richtige Therapie eingeleitet werden. „Für die Patienten und deren Angehörigen ist die Verbesserung der Lebensqualität entscheidend. Sie wollen im Alltag wieder möglichst unabhängig oder mit wenig Hilfe zurechtkommen und sich im häuslichen Umfeld selbstständig bewegen können. Und diese Erfolge können wir mit der Thrombektomie in sehr vielen Fällen erreichen“, fassen Martina Nolden-Koch und Dominik Grieb die Fortschritte für Schlaganfall-Patienten zusammen.

Visual BEFAST Schlaganfall

Mit dem Schnelltest – FAST beziehungsweise BEFAST – können Angehörige oder Freunde typische Warnzeichen schnell erkennen.

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Thrombektomie ist Goldstandard

Die Methode ist mittlerweile der Goldstandard, das heißt die Therapie der Wahl, für die Behandlung von Blutgerinnseln in Gehirngefäßen. Insbesondere die Kombination mit der Thrombolyse zur medikamentösen Auflösung eines Thrombus erzielt die bestmöglichen Wiedereröffnungsraten der verschlossenen Hirngefäße. Bei Sana gibt es in ganz Deutschland Kliniken mit spezialisierten Expertenteams und zertifizierten Stroke Units, in denen das gesamte Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit einem Schlaganfall zur Verfügung steht.

Symbolbild: Canva / Yuriy