Cottbus,
11
Juni
2025
|
09:11
Europe/Amsterdam

Tropfen für Tropfen Leben

So wichtig sind Blutprodukte für die Herzmedizin

Zusammenfassung
  • Weltblutspendetag (World Blood Donor Day) am 14. Juni 2025
  •  Sana-Herzzentrum Cottbus benötigt jährlich mehr als 2.800 Blutkonserven zur Versorgung von Patienten
  • Besonders im Sommer ist Spenderblut knapp

Am 14. Juni 2025 ist Weltblutspendetag. Ein wichtiges Datum – auch für die Herzmedizin, denn Spenderblut ist im Klinikalltag unverzichtbar. Allein im Sana-Herzzentrum Cottbus wurden im Jahr 2024 mehr als 2.800 Blutprodukte für Operationen sowie die notfall- und intensivmedizinische Versorgung von Patienten benötigt. Die Spezialklinik für Herzerkrankungen engagiert sich seit Jahren für einen rationalen, sparsamen Umgang mit Transfusionen.

„Dank der stetigen Weiterentwicklung der Herzmedizin, modernster Medizintechnik und immer schonenderen Operationsmethoden können wir Blutkonserven immer sparsamer einsetzen“, erklärt PD. Dr. Sören Schenk, Oberarzt der Herzchirurgie und Transfusionsverantwortlicher im Sana-Herzzentrum Cottbus. Allerdings seien Blutprodukte, die aus Spenderblut aufbereitet werden, nach wie vor unverzichtbar, denn es bislang gibt es keine künstlich herstellbaren Ersatzprodukte mit ähnlichen Eigenschaften, betont der Herzchirurg.

Blutspende

 

 

Mit einer Blutspende zum Lebensretter: Im Sana-Herzzentrum Cottbus sind Blutprodukte für die Behandlung von Patienten unverzichtbar. Download und Copyright

Expertise im Patient-Blood-Management

Der rationale und sparsame Umgang mit Blutprodukten auch „Patient Blood Management“ (PBM) ist ein zentrales Thema in der modernen Medizin, auf das die Weltgesundheitsorganisation WHO erst 2021 in einem viel beachteten „Policy Brief“ hingewiesen hat. Im Sana-Herzzentrum Cottbus ist das PBM schon seit vielen Jahren aus verschiedenen Gründen ein wichtiges Thema. Mit Prof. Dr. Andreas Koster, der seit Anfang 2024 die Anästhesie leitet, hat das Cottbuser Herzzentrum einen Spezialisten auf dem Gebiet das Patient-Blood-Management hinzugewonnen. Das Konzept zielt darauf ab, Bluttransfusionen zu minimieren. Prof. Dr. Andreas Koster gehört zu den international anerkannten Experten dieses Fachgebietes und hat an den aktuell geltenden Leitlinien für dieses wichtige Verfahren mitgewirkt. Seine Expertise fließt in die hohen Standards, die beim Umgang mit Blutprodukten im Herzzentrum bereits angewendet werden, ein und trägt zu noch mehr Patientensicherheit bei.

Mangelware und Risiken

Seit längerer Zeit setzen die Cottbuser Mediziner auf einen sparsamen Einsatz von Fremdblut-Transfusionen. Das hat mehrere Gründe. „In den meisten Ländern besteht ein Mangel an Blutkonserven. Das ist auch bei uns in Deutschland so“, sagt der Chefarzt der Anästhesie. Zum anderen steigt durch den Einsatz von Blutprodukten nachweislich das Risiko für Komplikationen wie Entzündungen und Infektionen. Allerdings sei der Einsatz der Konzentrate bei bestimmten Operationen, bei Notfällen wie schweren Verletzungen oder der Behandlung verschiedener chronischer Krankheiten alternativlos.

Andreas Koster



Prof. Dr. Andreas Koster ist Chefarzt der Anästhesie im Cottbuser Herzzentrum und ein international anerkannter Experte für das Patient-Blood-Management. Download und Copyright

Mehrere Bausteine, ein Ziel: Blut sparen

Die Cottbuser Herzklinik baut beim Patient-Blood-Management auf eine Vielzahl verschiedener Elemente. Eines davon setzt schon vor der Operation an: So werden Patienten bereits vor einem Eingriff, bei dem das Risiko einer Bluttransfusion hoch ist, auf eine mögliche Blutarmut untersucht und bei Bedarf dagegen behandelt. Ein weiterer entscheidender Baustein ist die Anwendung minimalinvasiver Operationsmethoden: möglichst kleine Schnitte, blutsparende und schonende Verfahren werden wo immer möglich bevorzugt. Zudem können die Ärzte bei Eingriffen am Herzen mit speziellen Medikamenten die Viskosität und Gerinnung des Blutes so beeinflussen, dass möglichst wenig Blut im Operationsbereich austritt. Darüber hinaus setzen die Mediziner im Sana-Herzzentrum Cottbus während größerer Operationen „Cell-Saver“ ein. Durch diese maschinelle Autotransfusion kann das Blut des Patienten im Operationsgebiet gesammelt, aufbereitet und als Eigenblutspende zurücktransfundiert werden.

Wunderwerk der Technik bei Herz-OPs

Einen wichtigen Beitrag leisten auch Herz-Lungen-Maschinen der jüngsten Generation. Wenn der Lebensmotor während einer herzchirurgischen Operation stillstehen muss, übernehmen diese Hightech-Geräte die Funktion von Herz und Lunge, damit der Blutkreislauf weiter aufrechterhalten wird. Die hochkomplexe Maschine wurde in den 1950er-Jahren erfunden und machte Eingriffe am stehenden Herzen erst möglich. In den Anfangsjahren wurden für eine Operation, bei der die Herz-Lungen-Maschine zum Einsatz kam, mehrere Liter Spenderblut benötigt. Heute kommen die Geräte nahezu ohne Fremdblut aus. Ein riesiger medizinischer Fortschritt. Statt die Maschine wie früher zu Beginn der Operation mit Blutprodukten zu füllen, wird das Blut des Patienten heute mit einer speziellen Elektrolytlösung verdünnt, dass es so auch über mehrere Stunden in der Herz-Lungen-Maschine immer wieder aufbereitet und durch den Körper gepumpt werden kann.

Gut geschützter Vorrat

Trotz des konsequenten Patient-Blood-Managements ist das Sana-Herzzentrum Cottbus auf Blutprodukte angewiesen. Allein im vergangenen Jahr wurden 2884 Erythrozyten- und Thrombozytenkonzentrate verbraucht. Der leichte Anstieg im Vergleich zu 2023 ist dabei vor allem auf die gestiegene Anzahl an Operationen zurückzuführen. Dennoch zahlt sich der konsequent sparsame Umgang mit Blutkonserven aus. Statistisch gesehen hat jeder behandelte Patient im Sana-Herzzentrum Cottbus im Jahr 2024 nur 0,6 Blutkonserven erhalten.

Damit stets genügend Konzentrate zur Verfügung stehen, befindet sich in direkter Nähe zum Herzzentrum ein Depot, in dem verschiedene Blutprodukte gut geschützt lagern. „Blutprodukte sind sehr empfindlich und nicht lange haltbar. Wir benötigen ständig Nachschub“, sagt PD Dr. Sören Schenk. Erythrozytenkonzentrate halten sich bei +2 bis +6 ° Celsius bis zu 49 Tage. Thrombozytenkonzentrate sind nur rund vier Tage bei Raumtemperatur haltbar und müssen während der Lagerung durch Agitatoren ständig behutsam geschwenkt werden, damit sie in Bewegung bleiben. Am längsten haltbar ist schockgefrorenes Frischplasma, das bei minus 40 Grad Celsius bis zu zwei Jahre aufbewahrt werden kann.

Keine Frage des Alters, sondern der Gesundheit

Bundesweit werden nach Angaben des Blutspende-Dienstes des Deutschen Roten Kreuz jeden Tag rund 15.000 Blutspenden benötigt, um den Bedarf in Krankenhäusern und Arztpraxen zu decken. Vor allem während der Urlaubs- und Ferienzeit ist der Vorrat an Konserven regelmäßig recht klein, weil für gewöhnlich weniger Menschen Blut spenden. Umso wichtiger ist es also, auch im Sommer bei Blutspende-Aktionen mitzumachen. In Deutschland darf jeder gesunde Erwachsene ab 18 Jahren Blut spenden - Männer maximal sechsmal im Jahr, Frauen höchstens viermal jährlich. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern der Gesundheitszustand. Vor der Blutspende erfolgt eine ärztliche Untersuchung, bei der Temperatur, Blutdruck und Puls gemessen werden. Mit einem Test wird das Spenderblut auf Infektionen untersucht und bei Erstspenden zudem die Blutgruppe bestimmt.

Aktuelle Blutspendetermine

Wer Blut spenden möchte, kann das bei verschiedenen mobilen Blutspendediensten und stationären Blutspendezentren in Cottbus und Umgebung. Aktuelle Termine und Infos zum Thema gibt es im Internet unter www.blutspenden.de.  

Über das Sana-Herzzentrum Cottbus

Das Sana-Herzzentrum Cottbus ist ein modernes Krankenhaus, das auf die Versorgung von kardialen Erkrankungen spezialisiert ist. Die Klinik im Herzen der Lausitz bieten medizinisch-pflegerische Leistungen auf höchstem Niveau. Jährlich lassen sich mehr als 4.500 Patienten herzchirurgisch und kardiologisch stationär durch die versierten Mediziner behandeln. Moderne Technik und innovative Therapiekonzepte für den Patienten gewährleisten größtmögliche Sicherheit und beste Langzeitergebnisse. Dabei steht das Sana-Herzzentrum Cottbus für ausgezeichnete Herzmedizin und erreicht im Ranking Deutschlands beste Krankenhäuser bundesweit Platz 2. Die Klinik für Herzchirurgie ist im Jahr 2022 bereits das dritte Mal in Folge als beste Herzchirurgie Deutschlands vom FAZ-Institut auszeichnet worden. Bei der Anwendung der kathetergestützten Aortenklappenimplantation (TAVI) über die Leistenvene zählt die Cottbuser Spezialklinik mit mehr als 5.000 behandelten Patienten sogar zur Weltspitze.

Über die Sana Kliniken AG