Benrath,
27
Oktober
2026
|
14:29
Europe/Amsterdam

Wahrheit oder Mythos: Kann man sich zu Tode erschrecken?

Zusammenfassung

Halloween lässt das Herz höherschlagen – doch wann kann ein Schreck tatsächlich gefährlich werden? Prof. Dr. Thorsten Dill von den Sana Kliniken Düsseldorf-Benrath erklärt, was bei Angst im Körper passiert und warum insbesondere Menschen mit Herzerkrankungen vorsichtig sein sollten.

Schaurige Gestalten, plötzliches Knallen, flackerndes Licht und ein lautes „Buh!“ aus dem Dunkeln: Wenn an Halloween das Gruseln zum Programm gehört, schlägt das Herz schon einmal schneller. Doch kann ein besonders heftiger Schreck tatsächlich gefährlich werden – oder sogar tödlich enden?

„Du hast mich zu Tode erschreckt!“ – Was im Alltag meist nur eine Redewendung ist, hat einen medizinischen Hintergrund. Denn ein plötzlicher Schreck löst im Körper eine ganze Reihe von Reaktionen aus: Der Herzschlag beschleunigt sich, der Blutdruck steigt, die Atmung verändert sich und Stresshormone wie Adrenalin werden ausgeschüttet. Innerhalb von Sekunden schaltet der Körper in den Alarmmodus und bereitet sich auf eine mögliche Gefahr vor.

„Für einen gesunden Menschen ist ein einmaliger Schreck in der Regel ungefährlich. Bei Menschen mit bestehenden Herzerkrankungen kann eine starke emotionale Stressreaktion das Herz-Kreislauf-System jedoch erheblich belasten“, erklärt Prof. Dr. Thorsten Dill von den Sana Kliniken Düsseldorf-Benrath.

Wenn der Schreck das Herz belastet

Insbesondere Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit oder einer Herzschwäche können empfindlich auf starke Stresssituationen reagieren. Durch die Ausschüttung von Stresshormonen steigen Herzfrequenz und Blutdruck. Bei vorgeschädigten Herzkranzgefäßen kann dies im Extremfall einen Herzinfarkt begünstigen.

Auch bestimmte, seltene Herzrhythmusstörungen können durch starke Emotionen ausgelöst werden. Dazu zählen beispielsweise das angeborene Long-QT-Syndrom Typ 2 oder die katecholaminerge polymorphe ventrikuläre Tachykardie (CPVT). Bei diesen Erkrankungen kann ein plötzlicher Adrenalinausstoß gefährliche Herzrhythmusstörungen hervorrufen.

Eine weitere Besonderheit ist die sogenannte Takotsubo-Kardiomyopathie, auch bekannt als „Broken-Heart-Syndrom“. Sie betrifft vor allem Frauen nach den Wechseljahren und kann durch außergewöhnlich starken emotionalen oder körperlichen Stress ausgelöst werden – etwa durch einen schweren Verlust, große Angst oder eine extreme Schrecksituation.

„Dabei kommt es zu einer plötzlich auftretenden, meist vorübergehenden Einschränkung der Herzfunktion. Die Symptome ähneln häufig denen eines Herzinfarkts. Mit der richtigen medizinischen Behandlung erholt sich das Herz in vielen Fällen wieder vollständig“, erläutert Prof. Dill.

Kann ein Schreck also tatsächlich tödlich sein?

Die Antwort lautet: theoretisch ja, aber nur in äußerst seltenen Fällen.

„Dass ein Mensch allein durch einen kurzen Schreck plötzlich verstirbt, ist extrem selten. Für die allermeisten Menschen bleibt das Erschrecken deshalb völlig harmlos. Entscheidend ist vor allem, ob bereits eine Herzerkrankung oder eine entsprechende Veranlagung vorliegt“, erklärt der Kardiologe.

Dennoch sollte die Wirkung von Stress auf das Herz nicht unterschätzt werden. Besonders Menschen mit bekannten Herzerkrankungen sollten Beschwerden nach einer starken emotionalen Belastung ernst nehmen.

Treten plötzlich starke Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel, anhaltendes Herzrasen oder Bewusstlosigkeit auf, sollte umgehend der Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 verständigt werden.

Halloween darf trotzdem gruselig bleiben

Für die meisten Menschen besteht also kein Grund, auf den Halloween-Spaß zu verzichten.

Das Fazit von Prof. Dill: „Ein guter Schreck gehört zu Halloween einfach dazu. Für ein gesundes Herz ist ein plötzliches ‚Buh!‘ normalerweise kein Grund zur Sorge. Wer allerdings unter einer Herzerkrankung leidet, sollte wissen, dass starke Stressreaktionen das Herz tatsächlich belasten können.“