Wenn die Erdnuss lebensgefährlich ist
• Lausitzer Chefärztin: Nahrungsmittelallergien bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu
• Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Sana Kliniken Niederlausitz begleitet Betroffene und Familien mit umfangreicher Diagnostik und Aufklärung
• Ab Juli 2024 stationäre Nahrungsmittelprovokation in Lauchhammer möglich
Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden an Nahrungsmittelallergien. Für die jungen Patienten und ihre Familien ist das oft belastend und bringt häufig viele Einschränkungen mit sich. Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Sana Kliniken Niederlausitz in Lauchhammer hilft betroffenen Familien mit einer umfassenden Diagnostik und Aufklärung.
Nüsse, Eier, Kuhmilch und Co. sind für die meisten von uns kein Problem. Wer allerdings allergisch auf eines oder mehrere Nahrungsmittel reagiert, für den können schon kleinste Mengen gefährlich werden. Echte Angstmacher für Eltern und Kinder. Studien zufolge sind aktuell rund 4,2 Prozent aller Kinder in Deutschland von Nahrungsmittelallergien betroffen. Insgesamt leiden bundesweit 16,1 Prozent aller Kinder und Jugendlichen an mindestens einer Allergie. Tendenz steigend. „Laut Anaphylaxie-Register steht die Erdnuss auf Platz eins der zehn häufigsten Auslöser für eine Nahrungsmittelallergie bei Kindern und Jugendlichen, gefolgt von Hühnereiern, Kuhmilch und Baumnüssen. Auslöser wie Fisch und Meeresfrüchte, die Erwachsene häufig betreffen, sind bei Kindern eher seltener“, sagt Dr. Carolin Stegemann. Die Chefärztin der Lauchhammeraner Kinder- und Jugendklinik ist unter anderem auf Allergologie spezialisiert.
Herausforderungen im Alltag durch Allergien
Ob Baby, Kitakind, Schülerin oder Jugendlicher: Die allergische Reaktion kann ganz unterschiedlich ausfallen: vom leichten Kribbeln im Mund über Hautirritationen, Husten, Atemnot und Erbrechen bis hin zu schweren Kreislaufreaktionen. „Für die Kinder und Eltern ist das oft etwas, was große Angst macht“, weiß die erfahrene Fachärztin für Kinderheilkunde und kennt die Einschränkungen, mit denen Betroffene leben. Die jungen Patienten müssen in der Regel Diäten einhalten, Besuche bei Freunden und Familie brauchen oft besondere Absprachen, die Essenversorgung in Kitas und Schulen wird häufig zur Herausforderung. Anaphylaxiepass und Notfallset werden zu ständigen Begleitern. „Das bringt meist auch Schwierigkeiten in der Schule und Kita mit sich“, berichtet die Chefärztin.
Diagnostik und Aufklärung hilft Familien
Umso wichtiger ist es ihr und ihrem Team, Familien mit einer verlässlichen Diagnostik und Aufklärung zu unterstützen. Seit Dr. Carolin Stegemann im März die Leitung der Klinik übernommen hat, hatte sie immer wieder junge Patienten, die mit allergischen Reaktionen in die Kinderklinik kamen. Der jüngste Patient war gerade sieben Wochen alt. „Das Baby wurde eingewiesen, weil es vier Tage lang plötzlich blutigen und schleimigen Stuhl hatte. Ansonsten war das Kind aber mopsfidel, hatte sich gut entwickelt und ordentlich zugenommen“, schildert Dr. Carolin Stegemann. Für die erfahrene Ärztin ein „Fall wie aus dem Lehrbuch“. Die Symptome sprachen eindeutig für eine allergische Proktokolitis. Diese Entzündung des Enddarms gehört zu den häufigsten nahrungsmittelinduzierten allergischen Erkrankungen bei kleinen Kindern. Mit einer gründlichen Anamnese und Diagnostik wurde der Verdacht bestätigt. „Da der Junge teilgestillt wird, müssen Mama und Baby jetzt in den kommenden Monaten auf Kuhmilch verzichten. Die Prognosen sind gut. In der Regel entwickeln die Kinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr eine Toleranz. Wir konnten die besorgten Eltern schnell beruhigen“, sagt die Fachärztin. Die Familie wurde vom Klinikteam umfangreich aufgeklärt und wird weiterbegleitet. In sechs Monaten können sie die Wiedereinführung von Kuhmilch in die Ernährung wagen.
Dr. Carolin Stegemann ist unter anderem auf Allergologie spezialisiert. In der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin werden Kinder mittels Allergiediagnostik gründlich auf Allergene und Beschwerden auslösende Lebensmittel hin untersucht.
Nahrungsmittelprovokation schafft Klarheit
Weiterbetreut wird auch ein zehnjähriger Junge, der mit klassischen Heuschnupfensymptomen während der Birkenpollensaison in die Allergiesprechstunde nach Lauchhammer kam. Im Zuge der ausführlichen Anamnese stellte sich heraus, dass das Kind auch auf Erdnüsse mit Jucken der Haut und im Hals reagierte. Für die Mediziner ein Alarmsignal. Bei der Allergiediagnostik wurde eine Sensibilisierung nachgewiesen. Im Juli kommt das Kind zu einer Nahrungsmittelprovokation erneut in die Klinik. Bis dahin heißt es: Erdnüsse sind tabu. „Für uns ist entscheidend, herauszufinden, wie stark und mit welchen Symptomen die Patienten auf bestimmte Nahrungsmittel reagieren und welche Mengen allergische Reaktionen hervorrufen – zum Beispiel reichen schon Spuren von Haselnüssen oder kann das Kind fünf Haselnüsse essen, bevor es allergisch reagiert“, sagt die Ärztin und ist froh darüber, dass die Kinderklinik ab Juli stationäre Nahrungsmittelprovokationen anbieten kann. Unter klinischer Aufsicht können dann die Schwellenwerte von allergieauslösenden Nahrungsmitteln genau festgestellt werden. Das schafft Sicherheit für die kleinen Patienten und ihre Familien. „Wir können nahrungsmittelinduzierte Allergien in Lauchhammer sehr gut diagnostizieren und begleiten. Es ist wichtig, die Familien umfassend zu informieren, damit sie nicht in ständiger Angst leben, sondern wissen, was vermieden werden sollte und wie sie im Notfall richtig reagieren“, betont Dr. Carolin Stegemann.
Terminvereinbarungen möglich
Mit einer Einweisung durch einen niedergelassenen Kinderarzt können Eltern einen Termin für die stationäre Behandlung in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin vereinbaren. Damit die Behandlung der Kinder und die Betreuung der Eltern schon vor der Aufnahme bestmöglich organisiert werden kann, ist eine Terminvereinbarung über die Terminservicestelle der Sana Kliniken Niederlausitz unter (03573) 75 3333 oder über skn.terminservice@sana.de nötig.
Ab Juli 2024 bietet die Kinderklinik in Lauchhammer eine stationäre Behandlung von an Nahrungsmittelallergie leidender Kinder und die Betreuung ihrer Eltern an. Die Aufnahme erfolgt mittels Einweisung durch einen niedergelassenen Kinderarzt.
Über die Sana Kliniken Niederlausitz
Unter dem Dach der Sana Kliniken Niederlausitz vereinen sich 14 Kliniken und 3 Institute an den Krankenhausstandorten Lauchhammer und Senftenberg. Mit 542 stationären Betten und 74 tagesklinischen Behandlungsplätzen sind die Sana Kliniken Niederlausitz das größte Krankenhaus der Regelversorgung in Südbrandenburg und bieten ein breites Leistungsspektrum. 1.200 Mitarbeitende sichern auf höchstem medizinischem und pflegerischem Niveau die kompetente Versorgung von jährlich mehr als 22.000 stationären und 32.000 ambulanten Patienten. Mit hoher Fachkompetenz, aktuellem Wissen, ausgesprochener Patientenorientierung und modernster Medizintechnik sind unsere Kolleginnen und Kollegen rund um die Uhr für Patienten im Einsatz, die unsere Hilfe benötigen. Die Sana Kliniken Niederlausitz sind akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) und leisten gemeinsam mit der Sana Campusschule Niederlausitz einen wichtigen Anteil an der langfristigen und hochwertigen Ausbildung junger Ärzte und Pflegekräfte.
Über die Sana Kliniken AG
Die Sana Kliniken AG ist führender integrierter Gesundheitsdienstleister im deutschsprachigen Raum. Die ganzheitliche Gesundheitsversorgung erstreckt sich von Präventionsangeboten über die ambulante und stationäre Versorgung bis hin zu Nachsorge, Rehabilitation und Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln. Neben B2B-Services in Einkauf und Logistik bietet Sana Beratung, Implementierung und Instandhaltung in den Bereichen Medizintechnik und Medizinprodukte sowie Managementleistungen für externe Kliniken an. 2022 erwirtschafteten die rund 34.500 Beschäftigten einen Umsatz von drei Milliarden Euro. Zur Sana Kliniken AG zählen mehr als 120 Gesundheitseinrichtungen, darunter Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und 44 Krankenhäuser, in denen jährlich rund zwei Millionen Patientinnen und Patienten behandelt werden, sowie mehr als 50 Sanitätshäuser. Eigentümer der 1976 gegründeten Sana Kliniken AG sind 24 private Krankenversicherungen. Sitz der Unternehmenszentrale ist Ismaning bei München.