Senftenberg,
03
August
2026
|
09:40
Europe/Amsterdam

Wenn jede Minute zählt, zählt Können

Zusammenfassung

Zusammenfassung

  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie erkennt die Klinik für Kardiologie und Rhythmologie als Stätte der Zusatzqualifikation Interventionelle Kardiologie an
  • Auszeichnung würdigt Ausbildung, die am Standort bereits seit mehr als zwei Jahren nach den Kriterien der Fachgesellschaft gelebt wird
  • Präklinische Notfallmedizin, Notaufnahme, Herzkatheterlabor, Intensivmedizin und das Sana-Herzzentrum Cottbus bilden eine eng verzahnte Versorgungskette für Herzpatienten

Ein Herzinfarkt kommt ohne Termin. Am Morgen, mitten in der Nacht oder am Wochenende. Dann sind nicht nur ein Herzkatheterlabor, das rund um die Uhr erreichbar ist, und Menschen entscheidend, die auch unter höchstem Zeitdruck das Richtige tun. Es kommt auf eine vollständige Rettungskette an, in der jeder Handgriff sitzt und alle Beteiligten dieselbe medizinische Sprache sprechen.

Genau solche Spezialisten werden in den Sana Kliniken Niederlausitz nicht erst künftig ausgebildet. Seit mehr als zwei Jahren qualifiziert die Senftenberger Klinik für Kardiologie und Rhythmologie Kardiologen nach den anspruchsvollen Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Jetzt hat die Fachgesellschaft die Klinik offiziell als Stätte der Zusatzqualifikation Interventionelle Kardiologie anerkannt und damit die bereits geleistete Arbeit des gesamten Teams gewürdigt.

„Wer im Herzkatheterlabor arbeitet, braucht medizinisches Wissen, technisches Können, eine ruhige Hand und die Fähigkeit, in entscheidenden Momenten Verantwortung zu übernehmen“, sagt Chefkardiologe Prof. Dr. Guido Matschuck. „Die Anerkennung bestätigt, dass wir all das in unserer Klinik auf einem hohen und verlässlichen Niveau zusammenbringen. Wir beginnen jetzt nicht erst mit der Ausbildung. Wir geben unser Wissen bereits seit mehr als zwei Jahren strukturiert an die nächste Generation von Spezialisten weiter. Genau diese Arbeit ist nun unabhängig geprüft und offiziell anerkannt worden.“

Symbolbild Herzkatheter

Ein akuter Verschluss eines Herzkranzgefäßes hat große Folgen. Zeit ist Gewebe - so lautet eine alte Weisheit der Herzmediziner. Je schneller ein Gefäß wieder eröffnet werden kann, umso geringer sind die dauerhaften Schäden für das Herz. Wenn jede Minute zählt, zählt Können. Genau das geben die Senftenberger Experten jetzt weiter. Download und Copyright

Mit einem dünnen Katheter direkt zum Herzen

Interventionelle Kardiologie bedeutet, Erkrankungen des Herzens mithilfe minimalinvasiver Katheterverfahren zu diagnostizieren und zu behandeln. Über ein Blutgefäß am Handgelenk oder in der Leiste wird ein dünner Katheter bis zum Herzen geführt. So können die Ärzte verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße sichtbar machen, mit einem Ballon erweitern und durch eine Gefäßstütze – einen sogenannten Stent – offenhalten.

Gerade bei einem akuten Herzinfarkt kann dieser Eingriff Leben retten. Je schneller ein verschlossenes Herzkranzgefäß wieder eröffnet wird, desto mehr Herzmuskel kann erhalten werden. Interventionelle Kardiologen müssen deshalb nicht nur unterschiedliche Kathetertechniken sicher beherrschen. Sie müssen komplexe Befunde in kürzester Zeit beurteilen, Risiken abwägen und gemeinsam mit Pflegekräften, Notfallmedizinern und Intensivmedizinern die richtige Entscheidung treffen.

Eine Rettungskette ohne Brüche

Bei einem schweren Herznotfall beginnt die medizinische Versorgung häufig lange vor der Ankunft im Krankenhaus. Ärzte der Sana Kliniken Niederlausitz sind im boden- und luftgebundenen Rettungsdienst im Einsatz und kennen die Anforderungen der präklinischen Notfallmedizin aus eigener Erfahrung. Noch während ein Patient auf dem Weg nach Senftenberg ist, können sich die Teams in der Zentralen Notaufnahme, im Herzkatheterlabor und auf der Intensivstation auf seine Versorgung vorbereiten.

Im Krankenhaus greifen die nächsten Schritte unmittelbar ineinander: erste Diagnostik und Stabilisierung in der Notaufnahme, bei Bedarf der sofortige Eingriff im Herzkatheterlabor, das 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr einsatzbereit ist, und anschließend die hoch spezialisierte intensivmedizinische Überwachung und Behandlung. Benötigt ein Patient eine herzchirurgische oder noch weiter spezialisierte Therapie, wird die Versorgung in enger Abstimmung mit dem Sana-Herzzentrum Cottbus fortgesetzt.

„Unsere Aufgabe endet nicht, wenn das Gefäß wieder geöffnet ist“, erklärt Prof. Dr. Guido Matschuck. „Wir müssen den Menschen in seiner gesamten akuten Erkrankung verstehen und behandeln – vom ersten Verdacht über den lebensrettenden Eingriff bis hin zur intensivmedizinischen Stabilisierung. Entscheidend ist, dass an den Übergängen keine Zeit und keine Information verloren gehen.Genau diese Verbindung aus präklinischer Notfallmedizin, Notaufnahme, interventioneller Kardiologie, Intensivmedizin und Herzchirurgie macht moderne Herzversorgung aus.“

Zwei Chefärzte, die beide Seiten kennen

Hinter dieser engen Verzahnung steht in Senftenberg eine personelle Konstellation, die selbst an großen Klinikstandorten nicht selbstverständlich ist. Prof. Dr. Guido Matschuck verfügt als interventioneller Kardiologe zugleich über die DGK-Zusatzqualifikation Kardiovaskuläre Intensiv- und Notfallmedizin. Dr. Volkmar Hanisch, Ärztlicher Direktor und Chefarzt des Zentrums für interdisziplinäre Intensivmedizin und Anästhesie, ist nicht nur Intensiv- und Notfallmediziner, sondern zugleich Facharzt für Kardiologie und ebenfalls von der DGK für Kardiovaskuläre Intensiv- und Notfallmedizin zertifiziert.

Damit kennt der Chefkardiologe die Intensivmedizin nicht nur von der Schnittstelle – und der Chefarzt der Intensiv- und Notfallmedizin die Kardiologie nicht nur aus Übergaben. Beide können die gesamte Akuterkrankung des Patienten aus kardiologischer und intensivmedizinischer Perspektive beurteilen. Herzkatheterlabor und Intensivstation arbeiten dadurch nicht nebeneinander, sondern auf der Grundlage eines gemeinsamen medizinischen Verständnisses. Von dieser Doppelkompetenz profitieren die Patienten ebenso wie die Ärzte, die in Senftenberg zu Spezialisten ausgebildet werden.

Katheterlabor

Im Herzkatheterlabor und im Hybrid-OP werden die angehenden interventionellen Kardiologen von morgen ausgebildet. Seit August 2022 ist das Senftenberger Herzensretter-Team rund um die Uhr im Einsatz, um bei einem akuten Verschluss der Herzkranzgefäße schnell und adäquat helfen zu können. Download und Copyright

24 Monate, vier Stufen, ein hoher Anspruch

Die Zusatzqualifikation Interventionelle Kardiologie richtet sich nicht an Berufsanfänger. Voraussetzung sind nach den Angaben der DGK mindestens drei Jahre Erfahrung in der Inneren Medizin und Kardiologie. Anschließend durchlaufen die angehenden interventionellen Kardiologen eine insgesamt 24-monatige Qualifikation mit überwiegender Tätigkeit im Herzkatheterlabor.

In vier aufeinander aufbauenden Stufen erwerben sie theoretisches Wissen und umfangreiche praktische Erfahrung. Sie lernen, Herzkatheteruntersuchungen selbstständig durchzuführen, Engstellen der Herzkranzgefäße zu beurteilen und auch anspruchsvolle Gefäßveränderungen interventionell zu behandeln. Prozeduren, Kenntnisse und Entwicklungsschritte werden dokumentiert und von dafür qualifizierten Spezialisten begleitet.

Auch die Klinik selbst muss für ihre Anerkennung hohe Anforderungen erfüllen. Dazu gehören eine geeignete personelle und technische Ausstattung, ein ausreichend großes und vielfältiges Spektrum an Untersuchungen und Eingriffen, strukturierte Fallbesprechungen sowie erfahrene und von der DGK anerkannte Ausbilder. Die Entscheidung über die Anerkennung trifft eine Gutachterkommission der Fachgesellschaft. „Diese Anerkennung unserer Klinik im Herzen der Niederlausitz ist deshalb weit mehr als ein Zertifikat für die Wand“, betont Prof. Dr. Guido Matschuck. „Sie ist eine unabhängige Bestätigung unserer Strukturen, unserer Behandlungsqualität und der Erfahrung des gesamten Teams. Ohne hoch qualifizierte Pflegekräfte, Ärzte und verlässlich aufeinander abgestimmte Abläufe wäre eine solche Auszeichnung nicht möglich.“

Was längst gelebt ist, wird jetzt anerkannt

Die Anerkennung markiert den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die innerhalb weniger Jahre deutlich an Fahrt aufgenommen hat. Erst im August 2022 führten die Sana Kliniken Niederlausitz die 24/7-Rufbereitschaft im Herzkatheterlabor ein. Seitdem steht das spezialisierte Team an jedem Tag des Jahres rund um die Uhr bereit, um Patienten mit einem akuten Herzinfarkt oder anderen bedrohlichen Herzerkrankungen zu versorgen. Denn Herzinfarkte halten sich nicht an Tages- oder Nachtzeiten.

Parallel hat das Team um Prof. Dr. Guido Matschuck das kardiologische Leistungsspektrum konsequent weiterentwickelt und spezialisiert. Seit mehr als zwei Jahren werden angehende interventionelle Kardiologen bereits nach den Kriterien der DGK qualifiziert. Die formale Anerkennung setzt deshalb keinen Anfangspunkt. Sie bestätigt, dass die Ausbildung, die Strukturen und die fachliche Begleitung am Standort den hohen Anforderungen der Fachgesellschaft entsprechen.

Heute behandelt die Klinik jährlich mehr als 5.000 stationäre Patienten. Neben der neuen Anerkennung in der Interventionellen Kardiologie ist sie bereits als Stätte der Zusatzqualifikation Spezielle Rhythmologie anerkannt. Damit können in Senftenberg auch Spezialisten für die Behandlung komplexer Herzrhythmusstörungen ausgebildet werden.

Gemeinsam mit der Expertise von Prof. Dr. Guido Matschuck und Dr. Volkmar Hanisch in der Kardiovaskuläre Intensiv- und Notfallmedizin entsteht so ein außergewöhnlich breites Ausbildungsprofil: Ärzte können am Standort lernen, komplexe Herzrhythmusstörungen zu behandeln, lebensrettende Eingriffe im Herzkatheterlabor durchzuführen und kritisch kranke Herzpatienten intensivmedizinisch zu versorgen. Das hier aufgebaute Wissen kommt damit nicht allein den Patienten von heute zugute. Es wird genutzt, um die Spezialisten auszubilden, die auch morgen für eine verlässliche Herzversorgung in der Region gebraucht werden.

Cardio MRT

Mit dem neuen Kardio-MRT haben die Herzspezialisten aus Senftenberg seit neustem auch die Möglichkeit den Zustand der Herzkranzgefäße ganz ohne invasive Diagnostik zu beurteilen. Auch diese Weiterentwicklung der Herzmedizin war für die neue Zertifizierung als Ausbildungsstätte ein wichtiger Schritt. Download und Copyright

Wer Spezialisten ausbildet, sichert Versorgung

Für SKN-Klinikgeschäftsführer Marc Bernstädt ist die Anerkennung deshalb zugleich ein wichtiges Signal für die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Südbrandenburg: „Partner Nummer eins für Gesundheit wird man nicht durch einen Anspruch auf dem Papier. Man wird es, indem man Verantwortung übernimmt – für die Menschen, die heute Hilfe brauchen, und für die Fachkräfte, die sie morgen behandeln werden. Genau das beides verbindet diese Anerkennung.“

Gerade in einer ländlich geprägten Region sei es – auch mit Blick auf die aktuellen politischen Rahmenbedingungen – nicht selbstverständlich, hoch spezialisierte Medizin dauerhaft wohnortnah vorzuhalten. Dafür brauche es attraktive Arbeitsbedingungen, moderne Technik, verlässliche Strukturen und die Möglichkeit, sich fachlich auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln.

„Ob ein Mensch im Notfall schnell Zugang zu exzellenter Herzmedizin erhält, darf nicht davon abhängen, ob er in einer Großstadt oder in der Niederlausitz lebt“, sagt Marc Bernstädt. „Unsere soziale Verantwortung besteht deshalb nicht allein darin, bestehende Angebote zu erhalten. Wir müssen medizinisches Wissen konsequent an junge Mediziner weitergeben und langfristig in der Region verankern. Wer Spezialisten vor Ort ausbildet, schafft Perspektiven für Ärzte und Sicherheit für Patienten.“

Teil eines starken Gesundheitsnetzwerks

Die Weiterentwicklung der Kardiologie ist zugleich Bestandteil eines regionalen Versorgungsnetzwerks. Die Sana Kliniken Niederlausitz arbeiten eng mit Haus- und Fachärzten, Rettungsdiensten, ambulanten Einrichtungen und weiteren Krankenhäusern zusammen. Innerhalb des Sana-Verbundes ergänzen sich die Angebote der Sana Kliniken Niederlausitz, des Sana-Herzzentrum Cottbus, des Klinikum Dahme-Spreewald und des Lausitzer Seenlandklinikums im sächsischen Hoyerswerda.

Eine besondere Bedeutung hat die enge Verbindung mit dem Sana-Herzzentrum Cottbus. Direkte kollegiale Abstimmungen, abgestimmte Patientenwege sowie der fachliche und personelle Austausch mit standortübergreifenden Einsätzen sorgen dafür, dass beide Teams einander und die jeweiligen Strukturen genau kennen. Patienten, die eine herzchirurgische oder hoch spezialisierte Weiterbehandlung benötigen, können dadurch ohne vermeidbare Umwege in die passende Versorgung gelangen. Umgekehrt fließen Erfahrungen und hoch spezialisiertes Wissen aus dem Herzzentrum unmittelbar in die Weiterentwicklung der Herzmedizin in Senftenberg ein.

So entsteht ein Versorgungsnetz, das nicht an Klinikmauern oder Landesgrenzen endet. Patienten erhalten möglichst direkt und ohne Zeitverlust die Behandlung, die sie benötigen – vom ersten notärztlichen Kontakt über die Notaufnahme, Herzkatheterlabor und Intensivstation bis zur hoch spezialisierten herzchirurgischen Weiterbehandlung.

Prof. Dr. Guido Matschuck bringt die Bedeutung der neuen Anerkennung auf einen einfachen Nenner: „Wenn wir Wissen teilen, wächst nicht nur unser Team. Es wächst die medizinische Sicherheit einer ganzen Region. Genau das ist unser Auftrag: heute Leben retten und gleichzeitig dafür sorgen, dass auch morgen die richtigen Menschen zur richtigen Zeit das Richtige tun können.“