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Wirbelgleiten – was ist das?
Rückenschmerzen sind weit verbreitet. Oft ist die Ursache unspezifisch. Manchmal steckt jedoch ein Wirbelgleiten (med. “Spondylolisthesis”) dahinter. Was das ist, verrät Dr. Sebastian Katscher, Chefarzt des Interdisziplinären Wirbelsäulenzentrums am Sana Klinikum Borna.
Beim Wirbelgleiten verrutschen ein oder mehrere Wirbel – meist nach vorn, Richtung Körpermitte. Das kann den Wirbelkanal verengen. Werden dabei Nerven gequetscht, kann dies unter anderem zu Schmerzen und Taubheitsgefühlen führen. Fünf bis sechs Prozent der europäischen Bevölkerung, leiden – so wie Jane Gonschior aus Lissa bei Leipzig – an einem angeborenen Wirbelgleiten. Viel häufiger ist das durch degenerativen Verschleiß bedingte Wirbelgleiten. Das sehen Orthopäden in der Regel bei Patienten ab 55 Jahren. Kein Wunder, kurz vor dem Kreuzbein ist der Druck am größten.
Was passiert beim Wirbelgleiten im Körper?
Verschieben sich einzelne Wirbelkörper gegeneinander, spricht man von Wirbelgleiten. Gleichzeitig können dadurch der Wirbelkanal (Spinalkanal) und aus diesem abgehende Nervenwurzel eingeengt werden. Die Folge des Wirbelgleitens können aufgrund der Instabilität Rückenschmerzen sein. Die zusätzlich resultierende Einengung der Nervenabgänge führt nicht selten zu typischen Beinschmerzen bis hin zu neurologischen Funktionsausfällen, wie Bewegungseinschränkungen bis hin zu Lähmungen, Taubheit und Gefühlsstörungen. Die Überbeweglichkeit der Wirbelsäule belastet auch die angrenzenden Wirbelgelenke und kann sekundär zu Arthrose und Bandscheibenvorfällen führen. Meist betrifft das Wirbelgleiten die stark beanspruchte Lendenwirbelsäule.
Kann man Wirbelgleiten vorbeugen?
Nein – nicht wirklich. Selbst Menschen, die ganz schlank sind, gesund leben, sich viel bewegen, sportlich aktiv sind und keinen körperlich anstrengenden Beruf ausüben, kann es treffen. Man kann jedoch sagen, dass Übergewicht und schlechte Muskulatur generell nicht gut für den Rücken sind und bei Tendenz zum Wirbelgleiten dieses beschleunigen und verschlimmern können. Und so gilt: Gesund ernähren und die unsere Wirbelsäule stabilisierende Bauch-, Rücken- und seitliche Flankenmuskulatur gezielt trainieren.
Wann muss Wirbelgleiten operiert werden?
Ein Muss gibt es nicht. Die Operation ist eine Option, wenn der Leidensdruck groß ist, die Lebensqualität gering und alle konservativen Methoden bereits ausgeschöpft sind. Ziel der OP ist es, dass die Patienten wieder möglichst deutlich schmerzgelindert und besser am Alltag teilnehmen können.
Welche Risiken birgt die Operation?
Gefühlsstörungen, Taubheitsgefühle und Kraftminderung sind kurz nach der OP möglich, aber selten. Dank moderner, minimalinvasiver Verfahren und navigationsgestützter Schraubenplatzierung ist die Komplikationsrate äußerst gering. Die Patienten werden im Vorfeld umfassend aufgeklärt.
Gibt es alternative Behandlungsmethoden?
Selbstverständlich gibt es die konservative Behandlung. Dazu zählen Physiotherapie, rumpfstabilisierende Krankengymnastik, manuelle Therapie, Osteopathie, Pilates, Yoga sowie gezielte bildgestützte Spritzenhandlung, sogenannte Infiltrationsbehandlung, und Schmerzmittel. Medikamente beheben allerdings nicht die Ursache.
Welche Aktivitäten sind nach der Operation erlaubt?
In der Regel empfehlen wir Patienten, je nach Stärke des vorherigen Wirbelgleitens und der Knochenqualität, sechs bis zwölf Monate mit intensivem Sport zu warten. Wenn der versteifte Wirbelsäulenbereich ausgeheilt ist, das heißt knöchern zu einem Block verwachsen, ist wieder vieles möglich. Auf Extremsportarten sollte jedoch verzichtet werden. Kontrolliert wird der Heilungsprozess vom jeweiligen Orthopäden, Unfall- oder Neurochirurgen nach gezielten Zeitintervallen, zum Beispiel drei, sechs, zwölf und 24 Monaten nach der OP.
Symbolbild: Canva / Vintage Medical