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Ismaning,
10
Mai
2024
|
08:00
Europe/Amsterdam

Workshop für Angehörige von Schlaganfall-Patienten: Best-Practice-Beispiel

Zusammenfassung

Nach Angaben der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erleiden rund 270.000 Menschen jedes Jahr in Deutschland einen Schlaganfall. Mit den Folgen leben etwa fünf Millionen Menschen – die Patienten selbst, aber auch Angehörige, die sich um die Pflege der Betroffenen kümmern. Ein Schlaganfall geht mit sehr unterschiedlichen und vielfältigen Einschränkungen einher – je nachdem welcher Gehirnbereich betroffen ist, leiden die Patienten manchmal unter schweren Behinderungen und benötigen oftmals pflegerische Unterstützung.

Die Versorgung der Schlaganfallpatienten zuhause wird zum größten Teil von Familienangehörigen, insbesondere vom Lebenspartner und den Kindern übernommen. Dazu gehören die Unterstützung bei alltäglichen Tätigkeiten wie Körperpflege, Ernährung, Bewegung und die geistige Anregung. Angehörige sind dabei eine emotionale Stütze für den Patienten, stehen den behandelnden Therapeuten für Informationen zur Verfügung und kümmern sich um die weitere Versorgung. 

Wie ein aktueller Beitrag zu Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit bei pflegenden Angehörigen in Deutschland zeigt, sind Angehörige mittlerweile die tragende Säule der pflegerischen Versorgung in Deutschland. Viele müssen die Pflegeaufgaben mit beruflichen Verpflichtungen und der Erziehung minderjähriger Kinder unter einen Hut bringen. Das ist eine große Herausforderung, unter anderem für Familienmitglieder, die Menschen nach einem Schlaganfall betreuen.

Auch Angehörige haben Bedürfnisse

Prof. Dr. med. Peter Flachenecker ist Chefarzt am Neurologischen Rehabilitationszentrum Quellenhof in Bad Wildbad, Baden-Württemberg. Der Mediziner erklärt: „Die Betroffenen stehen im Fokus der medizinischen und rehabilitativen Versorgung – das ist auch nachvollziehbar. Die Bedürfnisse der Angehörigen werden aber leider häufig übersehen. Das müssen wir ändern, denn die Familien und Freunde der Patienten stehen selbst meist unter Strom und müssen die neue Lebenssituation bewältigen.“

Daher entwickelte ein interdisziplinäres Team aus den Fachbereichen Physio- und Ergotherapie, Logopädie, Medizin sowie Psychologie vor rund acht Jahren ein besonderes Unterstützungsangebot für Angehörige: den Workshop „Pflegend leicht aktiv bleiben“. Grundlage für das Konzept war eine Bedarfsanalyse pflegender Angehöriger von Ergotherapeutin B. Sc. Nadine Raqué sowie die Empfehlungen aus dem Leitfaden „Prävention“ des GKV-Spitzenverbandes. Schon damals zeigten die Auswertungen der Ergotherapeutin, dass die Entlassung der Patienten für die Angehörigen häufig mit Sorgen und Ängsten verbunden ist, die Familienmitglieder die neue Situation nur schwer überblicken können und sich zu wenig auf die kommende Lebensphase vorbereitet fühlen. Seit der Entwicklung findet das Angebot nun regelmäßig unter der Leitung von Physiotherapeutin B. A. Ann-Christin Weiland statt. Die Neuro-Expertin erklärt: „Unser Programm richtet sich an Angehörige von Schlaganfallpatienten der Phase C, also in der weiterführenden Rehabilitation, die sich nicht mehr selbstständig versorgen oder ihren Alltag nicht mehr unabhängig bewerkstelligen können.“

Bestmögliche Vorbereitung auf die neue Situation

Ziel des Programms „Pflegend leicht aktiv bleiben“ ist es, die Angehörigen bestmöglich auf die Pflege zuhause vorzubereiten und auch deren körperliche sowie psychische Leistungsfähigkeit zu erhalten. Dabei vermitteln die Neuro-Experten Tipps und Anregungen für einen reibungslosen Übergang in das häusliche Umfeld und erproben die Maßnahmen praktisch mit den Angehörigen. So lässt sich Schwierigkeiten direkt entgegenwirken. 

Der mehrstündige Workshop umfasst verschiedenen Vorträge zu wichtigen Themen für Angehörige aus den Bereichen Physio- und Ergotherapie sowie Pflege, Medizin, Psychologie und Neuropsychologie. Angehörige und Patienten nehmen gemeinsam teil. Behandelnde Therapeuten und Fachärzte stehen den Teilnehmenden als Ansprechpartner zur Verfügung.

Praktische Anleitung im Fokus

Nach den Vorträgen folgt die Arbeit in Kleingruppen mit praktischen Übungen sowie Anleitung und Beratung. Die Therapeuten stellen zum Beispiel verschiedene Hilfsmittel vor und die Patienten können diese Alltagshilfen mit ihren Angehörigen ausprobieren. Ebenso geben die Neuro-Experten Tipps für die Gestaltung des Raumes im häuslichen Umfeld. Physiotherapeutin Ann-Christin Weiland ergänzt: „Wir möchten dazu beitragen, dass der Übergang von der Reha nach Hause so reibungslos wie möglich verläuft. Die Situation ist sowieso schon belastend. Stress durch Unsicherheiten und fehlendes Know-how bei pflegenden Aufgaben lässt sich vermeiden, wenn die Familienmitglieder wissen, wie Pflege geht und wie sie sich ihre Kräfte gut einteilen können.“

Die Angehörigen haben außerdem die Möglichkeit, während des Rehabilitationsaufenthaltes an den verschiedenen Behandlungen teilzunehmen und damit als Co-Therapeuten zu fungieren. „Dieses Angebot trägt dazu bei, das in der Therapie Erlernte nachhaltig in den Alltag zu übertragen. Darüber hinaus haben wir im Quellenhof die Möglichkeit, Angehörige als Begleitperson mit aufzunehmen“, führt Chefarzt Prof. Dr. med. Peter Flachenecker weiter aus. Mit diesen Angeboten ist das Konzept im Neurologischen Rehabilitationszentrum Quellenhof ein gelungenes Beispiel für die professionelle Betreuung und Anleitung pflegender Angehöriger.

 

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