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Warum die Krankenhausreform für die Niederlausitz eine echte Chance ist

Medizin der Zukunft beginnt hier

Herr Bernstädt, überall ist von Krankenhausreform die Rede. Was bedeutet das konkret für die Menschen hier in der Lausitz?

Die wichtigste Botschaft ist: Eine wohnortnahe medizinische Versorgung in Brandenburg bleibt – aber sie wird gezielter organisiert. Das ausgesprochene Ziel ist, sie sicherer und verlässlicher zu gestalten. Aus unserer Sicht ist die Reform richtig gedacht, aber in der Umsetzung für viele Häuser herausfordernd. Es gibt derzeit noch mehrere offene Fragen und viele Schritte laufen gerade parallel. Ob das hehre Ziel der Reform am Ende erreicht wird, kann nur die Zukunft zeigen.  

Viele Menschen haben trotzdem Sorge, dass Angebote wegfallen könnten. Können Sie diese Sorge nehmen?

Ganz nehmen kann ich diese Sorge nicht, da die finalen Entscheidungen durch das Ministerium als Planungsbehörde dazu noch ausstehen. Aber ich kann sie zumindest einordnen. Unser Ziel in den Sana Kliniken Niederlausitz ist klar: Wir sichern die Versorgung in der Region. Alle versorgungsrelevanten Bereiche bleiben vor Ort erhalten – exemplarisch etwa die Geriatrie, die Geburtshilfe, die Kinderklinik, die Allgemeinchirurgie, die Neurologie oder die Kardiologie. Und das gilt ausdrücklich auch für alle weiteren Fachbereiche der Sana Klinken Niederlausitz. Aktuell gehen wir nicht davon aus, dass wir Versorgungsbereiche abgeben müssen, weil wir uns gut vorbereitet haben. Wir haben uns engagiert, wo viele andere ausgestiegen sind. Wir waren da und haben uns trotz schlechter Rahmenbedingungen konsequent weiterentwickelt und sind im Brandenburger Süden unverzichtbar. Das bestätigt uns auch das Gesundheitsministerium in Potsdam.

Sie sprechen von Vorbereitung. Was haben die Sana Kliniken Niederlausitz anders gemacht als andere Häuser?

Wir haben früh begonnen, uns strategisch aufzustellen – lange bevor die Reform konkret wurde. Wir haben nicht gewartet, sondern aktiv gestaltet: Qualität aufgebaut, Strukturen geschärft und klare Schwerpunkte gesetzt. Dazu gehören zum Beispiel eine 24/7-Rufbereitschaft im Herzkatheterlabor, wichtige Zertifizierungen – etwa in der speziellen Rhythmologie oder als Alterstraumazentrum – sowie die konsequente Weiterentwicklung bestehender Bereiche wie unserer Stroke Unit – also der Schlaganfalleinheit - oder des Wirbelsäulenzentrums. Das gibt uns heute Stabilität in einer Phase, die für viele unsicher ist. Unser zertifiziertes regionales Traumazentrum ist existentiell wichtig für Menschen, die hier verunfallen und gleichzeitig für das gesamte Traumanetzwerk in Brandenburg. Ohne unser Traumazentrum wäre die Versorgung von Unfallverletzten in Südbrandenburg akut gefährdet. Wir haben damit alles getan, um uns bestmöglich auf die Krankenhausplanung vorzubereiten.

 

 

Ein Mann nimmt einen Holzwürfel in die Hand, auf dem ein Icon mit Handschlag abgebildet ist.

Fokus auf das Wesentliche

Wie zeigt sich diese Vorbereitung konkret in der aktuellen Krankenhausplanung?

Wir haben uns sehr genau angeschaut, welche Behandlungen die Menschen in Südbrandenburg brauchen. Auf dieser Grundlage haben wir 30 Leistungsgruppen beantragt. Das Entscheidende ist: Damit können wir weiterhin vollumfänglich die Bedarfe unseres Versorgungsgebietes decken, die heute bereits da sind – und erfüllen gleichzeitig die Anforderungen an Qualität, Personal und Organisation.

Können Sie das an einem Beispiel greifbar machen?

Gern. In der Kardiologie arbeiten wir beispielsweise mit spezialisierten Fachärzten, moderner Technik und einer rund um die Uhr verfügbaren Versorgung für Herzinfarktpatienten. So ist das auch in allen anderen Bereichen. Beispielsweise im regionalen Traumazentrum und in der Gefäßchirurgie: Auch hier greifen Erfahrung, Technik und abgestimmte Abläufe ineinander. Genau diese Kombination fordert die Reform künftig ein – und darauf sind wir vorbereitet. Wir erfüllen sämtliche Qualitäts- und Personalanforderungen schon heute.

Ein zentraler Punkt Ihrer Medizin-Strategie ist die Neuordnung der Notfallversorgung. Warum ist das notwendig?

Weil Notfallversorgung Klarheit braucht. Heute erleben wir noch, dass Patienten durch das geteilte Leistungsspektrum an zwei Standorten nicht immer direkt am richtigen Ort ankommen. Im Zweifel bedeutet das: zusätzliche Wege, Zeitverlust – und eine unnötige Belastung für den Rettungsdienst. Gerade bei akut bedrohten Patienten ist das ein Risiko.

Wie konkret wollen Sie das in der Zukunft ändern?

Wir werden die Akut- und Notfallmedizin am Standort Senftenberg bündeln. Das bedeutet neben dem Umzug aller Akutbereiche auch, dass die Notaufnahmen in Senftenberg gebündelt und nicht mehr an zwei Standorten vorgehalten werden. Das ist keine leichte Entscheidung – aber eine notwendige. Denn unser Anspruch ist, dass Patienten im Notfall direkt am richtigen Ort sind und ohne Umwege weiterversorgt werden.

Gezielte Weiterentwicklung

Verlieren die Menschen in Lauchhammer damit ihre medizinische Versorgung?

Nein. Lauchhammer bleibt ein wichtiger Bestandteil unserer Struktur – aber mit einemklaren Profil. Wir bauen dort insbesondere die psychiatrische und psychosomatische Versorgung sowie die ambulante Medizin in Polikliniken aus. Gleichzeitig entsteht ein moderner Gesundheitscampus mit neuen Angeboten für die Versorgung. Das ist kein Rückzug, sondern eine gezielte Weiterentwicklung fernab der Akutmedizin.

Herr Bernstädt, Sie sprechen von Akutmedizin. Was meinen Sie damit?

Wenn wir von Akutmedizin sprechen, meinen wir die Somatik – also das, was im Körper gerade passiert. Schmerz, Luftnot, ein Sturz oder eine plötzliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Es sind diese Momente, in denen Menschen nicht planen können, sondern auf schnelle Hilfe angewiesen sind. Genau dafür sind wir da.

Folglich ziehen die Allgemeinchirurgie und die Urologie nach Senftenberg um?

Ja. Aber auch die Gynäkologie, Pädiatrie, Innere Medizin und die Geriatrie. In allen diesen Fachbereichen geschieht etwas im Körper und deshalb konzentrieren wir diese Fachbereiche an einem Ort für kurze Wege und eine effektive und interdisziplinäre Versorgung.

Sie sagen das sehr entschieden. Sind die Umzugskisten schon bestellt?

Nein. Noch lange nicht. Zunächst müssen wir die notwendigen Voraussetzungen schaffen: Räume, Ausstattung, Abläufe. Und wir werden den Standort Senftenberg erweitern müssen. Dafür haben wir einen Antrag auf Fördermittel gestellt, der die ersten wichtigen Befürwortungen erhalten hat und aktuell auf Bundesebene geprüft wird. Wir rechnen damit, dass die ersten Umzüge frühestens im Jahr 2031 stattfinden können, denn Bauen braucht Zeit. Hier geht es um eine langfristige, richtige, strategische und vor allem tragfähige Lösung und nicht um die schnelle Umsetzung einer Idee. Aber ja, ich sage dies sehr entschieden, da es diese Konzentration an einem Standort zwingend geben muss, um unsere Medizin noch besser zu machen und den Menschen einen verlässlichen und vollumfänglichen Zugang zur Medizin zu ermöglichen.

Ambulante Versorgung im Blick

Für die stationäre Versorgung gibt es also große Pläne. Sie betonen immer wieder, dass Sana Medizin 360° denkt. Welche Rolle spielt dann also zukünftig die ambulante Medizin?

Eine sehr große. Viele Behandlungen, die früher stationär erfolgt sind, können heute bereits ambulant durchgeführt werden. Das ist für Patienten oft einfacher und sinnvoller. Gleichzeitig ist der Hausarzt oder der Facharzt in der Niederlassung der wichtigste Anlaufpunkt für medizinische Fragestellungen.  Deshalb bauen wir unser Netzwerk gezielt aus – mit neuen Angeboten wie zuletzt im Januar mit der Neugründung der Hausarztpraxis in Senftenberg oder im Mai mit der Eröffnung einer gastroenterologischen Praxis im Elbe-Elster-Kreis. So schließen wir konkret Versorgungslücken.

Wie fügt sich das alles in das große Ganze der Region ein?

Wir denken Versorgung als Netzwerk. Die Sana Kliniken Niederlausitz sind Teil eines starken Verbundes – gemeinsam mit dem Sana-Herzzentrum Cottbus, dem Klinikum Dahme-Spreewald und auch dem Lausitzer Seenland Klinikum auf sächsischer Seite bieten wir starke Medizin für die Menschen, die hier leben. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit niedergelassenen Ärzten und weiteren Partnern zusammen oder betreiben eigene Medizinische Versorgungszentren. So stellen wir sicher, dass Patienten immer die passende Behandlung bekommen – auch bei sehr speziellen Fragestellungen.

Zum Abschluss: Was ist Ihre zentrale Botschaft an die Menschen in der Lausitz?

Die Krankenhausreform bringt Veränderungen – und sie bringt Herausforderungen.

Aber wir haben früh begonnen, uns darauf vorzubereiten und unseren Weg klar definiert. Unser Ziel bleibt: eine verlässliche, hochwertige Versorgung hier in der Region.

Nicht alles wird einfacher. Aber wir sorgen dafür, dass es für die Menschen besser funktioniert.

 

Zur PersonMarc Bernstädt

Geschäftsführer Marc Bernstädt

Marc Bernstädt ist seit Januar 2023 Geschäftsführer der Sana Kliniken Niederlausitz und verantwortet zudem das Sana-Herzzentrum Cottbus und das Klinikum Dahme-Spreewald als Clustergeschäftsführer für die Sana Kliniken AG. Sein beruflicher Weg steht für konsequent aufgebaute Führungserfahrung im Krankenhausmanagement: vom Assistenten der Geschäftsführung über Stationen als stellvertretender Krankenhausdirektor und Krankenhausdirektor bis hin zur Geschäftsführung mehrerer Klinikstandorte und -verbünde. Stationen bei großen Klinikträgern prägten seinen Blick für Strukturen, Prozesse und die konsequente Weiterentwicklung medizinischer Angebote. Dabei hat der 40-Jährige Krankenhausmanagement von der Pike aufgelernt – nah am operativen Geschäft und mit wachsender Verantwortung für komplexe Versorgungsstrukturen.

Mit seinem Wechsel in die Lausitz hat Marc Bernstädt nicht nur beruflich eine neue Aufgabe übernommen. Die Region ist für ihn mehr und mehr zu einem Ort geworden, an dem Zukunft entsteht – auch ganz persönlich. Wenn es die Zeit erlaubt, zieht es ihn an die Seen der Region, die für ihn heute zu den schönsten Orten im gesamten Bundesgebiet zählen. Die Lausitz ist inzwischen seine Wahlheimat geworden.