StufentherapieStufentherapie der Rheumatoiden Arthritis

Im Regelfall wird die Basistherapie mit einem einzelnen Medikament begonnen. Der Standard für mittelschwere und schwere Erkrankungen ist heute Methotrexat (MTX), ein im Vergleich zu den älteren Basistherapeutika sehr wirksames und gut verträgliches Medikament. Daneben gibt es eine Reihe von weiteren Basistherapeutika, die sich in ihrem Wirkprofil unterscheiden und entsprechend der Krankheitsaktivität und den individuellen Voraussetzungen des Patienten ausgewählt werden. Der Therapieeffekt muss im Verlauf regelmäßig überprüft und die Therapie angepasst werden.

Zu Beginn der Basistherapie wird häufig ein Kortisonstoß gegeben. Kortison hat einen besonders schnell einsetzenden Effekt und hilft so, Immobilität und die daraus resultierenden Folgen wie den Abbau von Muskulatur und den Verlust von Gelenkbeweglichkeit zu vermeiden. Im weiteren Verlauf wird die Kortisondosis auf ein Minimum reduziert. In niedrigen Dosen über längere Zeitabschnitte angewandt kann Kortison die Wirkung vieler Basistherapeutika unterstützen. Nur in sorgfältig ausgewählten Einzelfällen sollte aber der Versuch unternommen werden, die Rheumatoide Arthritis allein mit Kortison zu behandeln. Dieser Weg kommt nur in Frage, wenn die Krankheitsaktivität gering ist und Risikofaktoren für einen aggressiven Krankheitsverlauf fehlen.

Falls mit einem einzelnen Medikament keine Entzündungsfreiheit erreicht wird, können mehrere Basistherapeutika kombiniert werden. Es gibt eine Reihe von gut untersuchten Kombinationen, die sich in ihrem antientzündlichen Effekt verstärken, ohne dass es zu mehr Nebenwirkungen kommt.

Seit 1999 ist mit den "Biologika" eine neue Gruppe von Medikamenten für die Behandlung der Rheumatoiden Arthritis und anderer chronischer Arthritiden (z.B. der Psoriasisarthrits) verfügbar. Diese Medikamente zielen auf bestimmte Zytokine oder Immunzellen, die eine besondere Rolle bei rheumatischen Entzündungen spielen. Zytokine sind Überträgerstoffe, die u.a. von Immunzellen freigesetzt werden und Entzündungen fördern oder auch hemmen können. Besondere Bedeutung für rheumatische Gelenkentzündungen hat der Tumornekrosefaktor alpha (TNF ). Er wird in großen Mengen in entzündeten Gelenken freigesetzt. Hohe TNF-Spiegel unterhalten die Entzündung, die Neutralisierung von TNF bessert sie. Derzeit sind drei TNF-Blocker für die Behandlung der Rheumatoiden Arthritis zugelassen (Infliximab, Etanercept, Adalimumab). Diese drei Medikamente haben sich insbesondere bei den Patienten bewährt, die auf herkömmliche Basistherapeutika nicht ausreichend ansprechen. Ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit wurde in großen Studien bestätigt. Eine Minderheit der so behandelten Patienten entwickelt unter dieser Therapie schwerwiegende Infektionskrankheiten, sodass für diese Therapie geeignete Patienten sorgfältig ausgesucht und besonders intensiv überwacht werden müssen.

Weitere "Biologika" wurden bereits in die Behandlung der Rheumatoiden Arthritis eingeführt oder werden derzeit geprüft. Rituximab hemmt die Funktion von B-Lymphozyten, einem Typ von Immunzellen mit vielfältigen Wirkungen auch auf rheumatische Entzündungen. Die Behandlung mit Rituximab kommt bei Patienten in Betracht, die auf herkömmliche Medikamente wie Methotrexat und auf TNF-Blocker ungenügend angesprochen haben. Eine weitere Alternative für diese Patienten ist Abatacept, das die Aktivierung weiterer Immunzellen hemmen und so rheumatische Entzündungen bessern kann.

Weitere "Biologika" befinden sich im Entwicklungsstadium und werden in den nächsten Jahren das Repertoir der immunsuppressiven Therapie erweitern. Sie werden die Möglichkeit bieten, noch individueller zu behandeln, die Entzündung noch schneller zu beseitigen und die Schädigung durch chronische Entzündung noch wirkungsvoller zu unterbinden.