Trotz einer optimalen Nachbehandlung können sich in jedem bei einer Schilddrüsenoperation belassenen und vermeintlich gesundem Schilddrüsenrest im Verlauf erneut krankhafte Veränderungen bilden (Rezidiv). Das kann eine erneute Schilddrüsenoperation zur Folge haben. Solche Operationen sind in der Regel wegen Verwachsungen, insbesondere an den Stimmbandnerven und Nebenschilddrüsen, operationstechnisch anspruchsvoller und prinzipiell auch komplikationsträchtiger als eine Erstoperation.
Grundsätzlich gilt: Je weniger Schilddrüsengewebe bei der Operation belassen wurde, umso geringer ist das Risiko für erneute krankhafte Veränderungen. Umgekehrt gilt aber auch: Je mehr Schilddrüsengewebe entfernt wurde, umso höher wird die Notwendigkeit einer postoperativen Behandlung mit Schilddrüsenhormon-Tabletten.
Bei manchen Erkrankungen (zum Beispiel Morbus Basedow, Struma multinodosa) gibt es ohnehin kein gesundes Schilddrüsengewebe, sodass bei diesen Erkrankungen in der Regel die komplette Entfernung oder zumindest fast-komplette Entfernung der Schilddrüse angestrebt wird.
Operation gutartiger Schilddrüsenerkrankungen
Erfahrung und Kompetenz für sichere Operationen
Bei einer Schilddrüsenoperation wegen gutartiger Erkrankungen sollten alle krankhaften Veränderungen mit möglichst geringem Risiko sicher und zuverlässig entfernt und gesundes Schilddrüsengewebe belassen werden. Dieses Vorgehen erfordert aufgrund des Schwierigkeitsgrades viel Erfahrung und Kompetenz des Operateurs.
Operationsverfahren für die Entfernung von Schilddrüsengewebe
Das Spektrum der Operationsverfahren reicht von der sparsamen Ausschälung eines Knotens bis zur kompletten Entfernung beider Schilddrüsenlappen. Es können verschiedene Operationsverfahren zum Einsatz kommen:
- Enukleation: Ausschälung eines Knotens entlang seiner Kapsel.
- Knotenexzision: Entfernen eines Knotens mit einem Saum normalen Schilddrüsengewebes.
- Isthmusresektion: Entfernung der Gewebebrücke zwischen beiden Schilddrüsenlappen vor der Luftröhre.
- Subtotale Lappenresektion: Teilentfernung eines Schilddrüsenlappens mit einem Schilddrüsenrest von ein bis vier Gramm.
- Fast-totale Lappenresektion: Teilentfernung eines Schilddrüsenlappens mit einem Rest von weniger als ein Gramm.
- Lappenresektion (Hemithyreoidektomie): Vollständige Entfernung eines Schilddrüsenlappens.
- Subtotale Lappenresektion beidseits: Teilentfernung beider Schilddrüsenlappen mit beidseitigen Resten von jeweils ein bis vier Gramm.
- Operation nach Dunhill: Komplette Entfernung des einen Lappens und Teilentfernung des anderen mit einem Rest von ein bis vier Gramm.
- Fast-totale Schilddrüsenentfernung (Near-total Thyreoidektomie): Fast komplette Entfernung mit ein- oder beidseitigen kleinen Resten von insgesamt weniger als zwei Gramm.
- Totale Schilddrüsenentfernung (Thyreoidektomie): Komplette Entfernung der Schilddrüse ohne Reste.
Das konkrete operative Vorgehen hängt von der Grunderkrankung, dem konkreten intraoperativen Befund, der Erfahrung des Operateurs und auch dem Wunsch der Patientin oder des Patienten ab. Bei der Wahl des Operationsverfahrens sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen:
Genauso wichtig wie eine möglichst dauerhafte Sanierung der Schilddrüsenerkrankung, ist eine möglichst schonende Operation mit möglichst geringem Komplikationsrisiko. So ist zum Beispiel die Schonung der Stimmbandnerven und der Nebenschilddrüsen operationstechnisch manchmal leichter und manchmal schwieriger. Das ist vor einer OP in der Regel nicht vorhersagbar und kann erst bei der OP festgestellt werden. Daher kann es sinnvoll sein, vom eigentlich geplanten operativen Vorgehen abzuweichen und beispielsweise zur Schonung wichtiger Strukturen in deren Nähe Schilddrüsenreste zu belassen oder nur auf einer Seite zu operieren. Das OP-Risiko hängt auch von der Erfahrung und Expertise des Operateurs ab, so dass auch dies bei der Auswahl des konkreten operativen Vorgehens eine Rolle spielt.
Heutzutage ermöglichen die modernen diagnostischen Verfahren bereits eine gute Diagnose. Aber auch hier gibt es Grenzen. Nicht selten kann der Operateur bei der Operation weitere krankhafte Veränderungen feststellen, die bei den präoperativen Untersuchungen noch nicht erkannt werden konnten und die dann besser direkt mit entfernt werden sollten. Das können zum Beispiel sehr kleine und versteckte knotige Veränderungen sein, oder ein eigentlich unauffälliger Knoten erweist sich intraoperativ überraschenderweise als bösartig. Auch dann sollte das Operationsverfahren entsprechend angepasst werden.
Bei der Wahl des Operationsverfahrens werden natürlich auch die individuellen Wünsche und Erwartungen jedes einzelnen Betroffenen berücksichtigt. Manche Patientinnen und Patienten möchten am liebsten so viel wie möglich Schilddrüsengewebe behalten und haben Bedenken vor einer postoperativen Hormonersatztherapie, andere – die häufig auch schon vor der Operation täglich Schilddrüsenhormone einnehmen – sind offener für die Therapie. Sie favorisieren nach Möglichkeit die dauerhafte und definitive Sanierung durch die komplette Entfernung der Schilddrüse. Alle diese Aspekte werden bei der OP-Aufklärung zwischen der Patientin oder dem Patienten und dem Operateur erläutert und die grundsätzlichen Operationsstrategien inklusive möglicher Abänderungen in Abhängigkeit vom tatsächlichen intraoperativen Befund individuell vereinbart.
Der Operationserfolg hängt wesentlich von der Erfahrung und Expertise des Operateurs ab. Daher werden im Sana-Krankenhaus Hürth alle Schilddrüsenoperationen ausschließlich von unseren sehr erfahrenen Operateuren durchgeführt.