Senftenberg,
07
November
2025
|
08:15
Europe/Amsterdam

135 Jahre Gesundheit

Sana Klinken Niederlausitz feiern 135. Jubiläum: Eine Reise durch die Zeit

Zusammenfassung
  • erste Ansätze der medizinischen Versorgung reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück
  • Krankenhaus Senftenberg behandelt seit November 1890 Patienten aus der Region
  • Geschichte des Hauses ist eng mit der Entwicklung der Region verbunden. 

Das Krankenhaus Senftenberg feiert Geburtstag. Seit 135 Jahren werden hinter der markanten Klinkerfassade Patienten wieder gesund gemacht. Die Geschichte des Gebäudes ist eine Geschichte vom Wandeln und Wachsen – und sie ist eng mit der Entwicklung der Region verwoben, mit Um- und Aufbrüchen.

Wer im Zeitraffer durch die Geschichte des Senftenberger Krankenhauses wandert, der sieht vor allem eine Konstante: stetigen Wandel. Das spiegelt sich allein im Namen wider: Aus dem einstigen Knappschaftskrankenhaus wurden über Bergmannskrankenhaus, Kreiskrankenhaus und Klinikum Niederlausitz die Sana Kliniken Niederlausitz. Zwischen dem 27 Bettenhaus, das am 3. November 1890 an das Elisabeth-Krankenhaus und Diakonissenhaus zu Berlin übergeben wurde, und dem größten Gesundheitsdienstleister der Grund- und Regelversorgung in Südbrandenburg, der rund um die Uhr die wohnortnahe, medizinische Betreuung für Patienten aller Generationen sichert, liegen Welten.

 

 

Das erste Bild ist golden

Doch fangen wir am Anfang an. Die Geschichte des Krankenwesens in Senftenberg reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück.  Das goldene Bild im Kleinen Ratssaal im Rathaus der Stadt zeigt die erste Ansicht von einem Senftenberger Krankenhaus und ist auf das Jahr 1580 datiert. „Dieses Krankenhaus hatte Bestand bis 1867 und dann hat sich die Stadt Senftenberg am Stadtgraben ein städtisches Krankenhaus gebaut“, berichtet Georg Messenbrink. Der Heimatforscher hat seine Begeisterung für Vergangenes schon früh entdeckt. „Mein Onkel war damals Museumsdirektor und ich habe ihn als Kind oft besucht und bin unter anderem in eine Ritterrüstung geschlüpft“, erzählt der Senftenberger. Statt Geschichte studierte er später Elektronik, war selbst 17 Jahre in den Sana Kliniken Niederlausitz tätig und kennt die Historie des Hauses so gut wie kein anderer. Bei Bauarbeiten wurde Georg Messenbrink immer dazu gerufen, wenn etwas Geschichtsträchtiges gefunden wurde und so hat der Hobbyhistoriker im Laufe der Jahrzehnte nicht nur jede Menge Fakten und Daten recherchiert, sondern auch Objekte aus der Vergangenheit von Medizin und Pflege zusammengetragen.

 

Senftenberg Krankenhaus Erweiterung bis 1924

 

Im Jahr 1924 erhält das Senftenberger Krankenhaus sein bis heute erhaltenes Gesicht mit Klinikerfassade. Der ursprüngliche Bau ganz links außen ist bis heute erhalten.Download und Copyright

Bau in Rekordgeschwindigkeit

„1886 hatte der Bergrevisor Koch schon den Wunsch gehabt, ein Knappschaftslazarett zu errichten und die Gründungsversammlung fand 1888 im Hotel zu Sonne auf dem Markt statt“, berichtet Georg Messenbrink. Bereits zwei Jahre später, am 3. November 1890, wurde das Gebäude - dort wo bis heute das Senftenberger Krankenhaus zu Hause ist - an das Elisabeth-Krankenhaus und Diakonissenhaus zu Berlin übergeben. „Zwei Jahre hat es gebraucht, das Geld zusammenzukriegen, einen Architekten zu finden und das Haus fertigzustellen. Also die heutigen Bauabteilungen wären begeistert gewesen“, sagt der Heimatforscher. Zu den ersten Patienten gehörten übrigens zwei Fahrgäste, die auf dem Rückweg von der Einweihungsfeier mit einem Pferdewagen verunglückt waren.

Doch auch das neue Krankenhaus mit seinen 27 Betten ist schnell zu klein für die Stadt, die wegen der Braunkohle weiterwächst. 1906 erfolgt der erste Anbau – allerdings ohne Baugenehmigung, wofür die Verantwortlichen ein Strafmandat vom Baudezernat Frankfurt/Oder kassierten. „Man konnte das abwenden, indem man gesagt hat, dass man schon Patienten wegschicken musste und man diesen Anbau dringend braucht“, blickt der Senftenberger zurück. Schon damals erhielt das Krankenhaus seine markante Klinkerfassade, die bis heute erhalten geblieben ist – auch wenn das Gebäude stetig weiterwuchs. 

Hunger und Mangel im Ersten Weltkrieg

Mit dem Ersten Weltkrieg begann auch für das Senftenberger Krankenhaus ein düsteres Kapitel mit katastrophalen Folgen. „Sämtliches Fachpersonal wurde an die Front abgezogen und dienstverpflichtet. Senftenberg hatte einen einzigen Arzt. Die Patienten kamen aufgrund des Lazaretts hier in Größenordnungen herein, dass man nicht einmal mehr infektiöse von nichtinfektiösen Patienten trennen konnte. Es gab kein Essen, kein Desinfektionsmittel und keine Wundversorgungsmittel wie Binden“, sagt Georg Messenbrink. Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Typhus und Syphilis grassierten. Hinzukamen Hunger und zahlreiche Kriegsverletzte, die wegen Wundfieber, Tetanus und Gasbrand behandelt wurden.

Krankenhaus Senftenberg Ende Erster Weltkrieg

 

Im Ersten Weltkrieg ist das Krankenhaus Senftenberg Reservelazarett. Verwundete werden von der Kriegsfront nach Senftenberg gebracht und von den wenigen verbleibenden Ärzten behandelt. Der Ort, am dem dieses Foto aufgenommen wurde, ist auch heute noch existent. Download und Copyright

Not-OP im Keller

Nach dem Ende des Krieges erhält das Krankenhaus 1924 sein heutiges Gesicht mit dem neuen Haupteingang, der damals statt Treppen eine Anfahrt bekam, über die die ersten Krankenwagen Patienten direkt bis an die Tür bringen konnten. 1929 übernahm mit Professor Max Grauhan ein Mann die ärztliche Leitung, der das Haus intensiv prägte – nicht nur medizinisch. So lässt er beispielsweise rund um das Krankenhaus einen Park mit seltenen Pflanzen anlegen. „Er übernimmt ein ganz modernes Haus mit einer Radiologie, mit einem Labor, mit vielen Betten und er führt neue OP-Methoden ein. So gibt es ein interessantes Bild von 1941, wo er eine Knochennadelung durchführt“, erzählt der Heimatforscher. Max Grauhan trägt das Krankenhaus auch durch die dunklen Jahre des Zweiten Weltkriegs, in denen es von Patienten überflutet wird. Im Keller wird ein bombensicherer Not-OP eingerichtet, umliegende Gebäude werden zu Notlazaretten, das „Café Vaterland“ dient als Hilfskrankenhaus. Kurz nach Kriegsende – am 11. Juni 1945 – stirbt er selbst an Fleckfieber. Max Grauhan findet auf dem Krankenhausgelände seine letzte Ruhestätte.

Modernisierung und „Höhe 304“ 

Mit Gründung der DDR beginnt ein neues Kapitel. Sichtbarstes Zeichen nach außen ist der Anbau der Kinderstation in den 1950er-Jahren. Innen wurden Aufzüge erneuert, der OP vergrößert, Lastenaufzüge eingebaut, eine Intensivstation eingerichtet. In Rauno, einem Ort, der später der Braunkohle weichen musste, entstand 1950 eine Außenstelle, die bis 1982 als Tuberkulosekrankenhaus „Höhe 304“ diente. 

Bauboom in den 1990ern

Mit der politischen Wende beginnt eine dynamische Zeit. Am 1. Oktober 1992 werden die Krankenhäuser in Senftenberg, Lauchhammer und Klettwitz zum Klinikum Niederlausitz vereint. Der Klinikstandort Senftenberg bekommt einen umfangreichen Neubau. Am 13. Juni 1997 wird der erste Spatenstich gesetzt. Gemeinsam mit Regine Hildebrandt, damals Brandenburger Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen, wird am 4. Juni 1998 der Grundstein für die 53-Millionen-Mark-Investition gelegt.  Eine moderne Notaufnahme mit Liegendanfahrt, Endoskopie- und Röntgenabteilung, OP-Trakt, Intensivstation, Labor und vier neue Stationen entstehen bis zum Jahr 2000 in dem Anbau, der an den historischen Altbau angefügt wird. Mit der Schließung des Klinikstandortes Klettwitz wurde das Senftenberger Krankenhaus wenig später noch durch den Anbau für die Psychiatrie erweitert.

Prof Max Grauhan im OP Saal

 

Professor Max Grauhan prägt als Ärztlicher Direktor das Haus: 1941 führt er die erste Knochennagelung in Senftenberg unter den Augen der Schwestern und Ärzte durch. Download und Copyright

Neuer Name. Neuer Anspruch an Medizin.

Im Jahr 2020 beginnt die Suche nach einem strategischen Partner. Ein Jahr später werden aus dem Klinikum Niederlausitz die Sana Kliniken Niederlausitz. Mit wichtigen Investitionen in Medizintechnik und Personal ist das Team rund um die Uhr für die hilfesuchenden Patienten vor Ort im Einsatz. Gestern, heute und in Zukunft.

Sana Kliniken Niederlausitz. Wo Medizin seit 135 Jahren zu Hause ist.

Heute ist das Krankenhaus Senftenberg mit seinem regionalen Traumazentrum, einer Schlaganfall-Einheit, einer modernen hochkomplexen Intensivmedizin, einer zertifizierten Herzinfarkt-Versorgung, einer leistungsstarken Orthopädie und Unfallchirurgie sowie dem Gefäßzentrum Lausitz, der Wirbelsäulenchirurgie und der Klinik für Neurologie einer der wichtigsten Anlaufpunkte für die medizinische Versorgung im Süden Brandenburgs.

Sana Kliniken Niederlausitz
Krankenhausstraße 10
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