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Adipositas: Zurück zu einer normalen Körperform nach massiver Gewichtsreduktion
Bei Patientinnen und Patienten mit krankhaftem Übergewicht, auch Adipositas genannt, kommt es nach erfolgreicher Behandlung durch den ausgeprägten Gewichtsverlust häufig zu überhängenden Hautlappen. Diese Fettschürzen bergen nicht nur gesundheitliche Risiken, sie belasten auch die Psyche.
Verläuft die Behandlung von krankhaftem Übergewicht erfolgreich, nehmen die Betroffenen sehr viel ab – teilweise bis zu 80, 90 oder noch mehr Kilogramm. Die Haut ist in diesen Fällen danach meist stark erschlafft, und es bilden sich Fettschürzen. Dabei handelt es sich um überhängende Hautlappen, unter denen sich Feuchtigkeit sammelt, zum Beispiel am Bauch, an den Oberarmen, an der Brust und an den Oberschenkeln. Diese Bereiche sind daher anfällig für Entzündungen, Ekzeme und Pilzinfektionen. Hinzu kommt die psychische Belastung durch ästhetische Probleme, die mit diesen großen Hautmengen einhergehen.
Mehr Lebensqualität für Betroffene
Wie Patienten damit umgehen können, weiß Privatdozent Dr. Andreas Wolter, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Leiter des Zentrums für Postbariatrische Chirurgie am Sana Krankenhaus Gerresheim: „Das wichtigste Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität unserer Patienten.” Das Selbstwertgefühl der Betroffenen sei oftmals stark beeinträchtigt. „Durch postbariatrische Wiederherstellungsoperationen können wir ihnen sehr gut helfen.” Mit diesem Fachbegriff meint Wolter chirurgische Maßnahmen zur Rekonstruktion einer normalen Körperform nach massiver Gewichtsreduktion. „Unser Rekordpatient erreichte 240 Kilogramm Gewichtsverlust“, führt Wolter weiter aus. Seine spezialisierte Einrichtung kooperiert mit regionalen Adipositatszentren sowie Selbsthilfegruppen und betreut Patientinnen und Patienten, die nach einem erheblichen Gewichtsverlust körperliche Wiederherstellungsoperationen, gegebenenfalls in Kombination mit einer Fettabsaugung (Liposuktion), benötigen. Jedes Jahr finden mehr als 100 Patientinnen und Patienten Hilfe bei Andreas Wolter und seinem Team.
Studien belegen die positiven Effekte der Eingriffe. Im Sommer 2024 veröffentlichte ein internationales Forschungsteam die Ergebnisse einer groß angelegten wissenschaftlichen Untersuchung in mehreren klinischen Zentren mit mehr als 5.000 Patienten. Die Auswertungen zeigen, dass sich die Lebensqualität der Betroffenen durch postbariatrische Wiederherstellungsoperationen weiter verbessern lässt.
Körperformung ist Teil der interdisziplinären Behandlung
Gemäß der S3-Leitlinie zur Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen ist die Körperformung nach massiver Gewichtsreduktion ein wichtiges Teilgebiet innerhalb der interdisziplinären Behandlung von Adipositaspatienten. Nach einer Operation und nachhaltigem Gewichtsverlust sollten Betroffene sich bei einem Facharzt beziehungsweise einer Fachärztin für Plastische Chirurgie mit entsprechender Expertise vorstellen.
Nicht alle Betroffenen benötigen eine plastisch-chirurgische Straffungsoperation. Unerlässlich ist daher die Beurteilung und Beratung durch Expertinnen und Experten, um rein ästhetische von medizinischen Gründen abzugrenzen. Ist der Eingriff medizinisch angezeigt, sollte eine Straffungsoperation angeboten und ausgeführt werden, wenn der Patient oder die Patientin dies wünschen. Je nach betroffenen Körperregionen können auch mehrere Eingriffe notwendig sein. In diesen Fällen erstellen die Fachärzte einen detaillierten Behandlungsplan, um Risiken wie Nachblutungen oder Wundheilungsstörungen durch mehrere nacheinander geplante Eingriffe so gering wie möglich zu halten.
Voraussetzungen für die Rekonstruktion der Körperform
Die Stabilität des Zielgewichtes für mindestens sechs Monate – besser ein Jahr oder länger – ist die wichtigste Voraussetzung für eine medizinisch begründete Straffungsoperation. Im besten Fall liegt der Body-Mass-Index unter 33.
Für Andreas Wolter sind zudem weitere Faktoren sehr wichtig: „Wer raucht, sollte damit unbedingt aufhören. Eine mindestens dreimonatige Nikotinabstinenz ist aus unserer Sicht empfehlenswert, um eine guten Heilungsverlauf zu gewährleisten. Ein bis zwei Monate vor der Operation raten wir außerdem zur Einnahme von Präparaten mit Zink, Selen und Vitaminen.“
Kostenübernahme
Für klassische Schönheitsoperationen übernehmen die Krankenkassen die Kosten in der Regel nicht. Ist die chirurgische Entfernung von Hautlappen beziehungsweise Fettschürzen aus medizinischen Gründen notwendig, zum Beispiel aufgrund wiederkehrender Infektionen oder Ekzeme, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse nach eingehender Prüfung in vielen Fällen erfahrungsgemäß die Kosten für den Eingriff. Der Mediziner sagt: „Wir führen mit den Betroffenen ein ausführliches Erstgespräch in unserer Ambulanz, untersuchen die Betroffenen und klären sie über die Risiken auf. Ist ein Eingriff medizinisch notwendig, erhalten unsere Patientinnen und Patienten einen Brief, in dem wir die Kostenübernahme befürworten. Sobald die Kostenübernahmebestätigung vorliegt, können wir die weiteren Schritte planen.“ Bei Privatversicherten hängt die Kostenübernahme für postbariatrische Operationen von dem individuellen Tarif und der medizinischen Notwendigkeit ab, die durch ärztliche Dokumentation nachgewiesen werden muss. Die Beihilfe übernimmt die Kosten meist, wenn die Operation medizinisch notwendig ist und spezifische Kriterien wie stabiler Gewichtsverlust und funktionelle Beeinträchtigungen erfüllt sind.
Weitere Informationen: Postbariatrische Straffungsoperationen