Themendienst

Ismaning,
13
September
2024
|
07:00
Europe/Amsterdam

Blutvergiftung: Warum hat denn am Anfang keiner an eine Sepsis gedacht?

Zusammenfassung

Als Sandra eine Blasenentzündung bekam, machte sie sich keine Gedanken. Die Schmerzen im Unterleib und der ständige Harndrang waren lästig, mehr nicht. Eine Woche später lag die zweifache Mutter mit septischem Schock auf der Intensivstation und kämpfte mit dem Tod. Was war passiert? Wie konnte aus einem harmlosen Infekt ein lebensbedrohlicher Zustand werden?

Sepsis: Die Menschen wissen nicht Bescheid

Die gute Nachricht ist: Bei Sandra, einer 35-jährigen Lehrerin aus Hessen, handelt es sich um eine fiktive Person. Die schlechte: Das mangelnde Wissen der Menschen um die Gefahr einer Sepsis (oft auch Blutvergiftung oder Blutstrominfektion genannt) ist real. Symptome werden häufig nicht früh genug erkannt und dann kann es plötzlich Ernst werden. Das war auch bei Sandra der Fall. Zu Beginn äußerten sich die Symptome nur leicht. Sandra musste seit ein paar Tagen häufig auf die Toilette, verspürte ein Brennen beim Wasserlassen und litt unter Schmerzen im Unterleib. Da sie schon öfter eine Blasenentzündung gehabt hatte, trank sie viel Wasser, nahm Ibuprofen ein und ging davon aus, dass die Beschwerden bald wieder nachlassen würden. Die Schmerztabletten halfen diesmal allerdings kaum, Sandra fühlte sich zunehmend schlapp und unendlich müde. Ihre Kinder schickte sie irgendwann zu Freunden, um sich ein wenig schonen zu können. Doch weder Tabletten noch Ruhe halfen.

Falsche Einschätzung mit fatalen Folgen

Sandra war abwechselnd heiß und kalt. Ihr Herz raste und sie hatte das Gefühl, nicht mehr richtig atmen zu können. Sandra bekam starkes Fieber, rief beim Hausarzt an und schilderte die mittlerweile schweren Symptome. Der Hausarzt erkannte in der Geschichte keine ernste Gefahr, beruhigte die Frau und sagte, sie müsse nur weiter Geduld haben und sich ausruhen. Sandra fühlte sich zwar immer noch elend, aber auch ein bisschen erleichtert. Wenn der Arzt sie nicht einbestellte, konnte es ja auch nicht so schlimm sein. Aber es wurde schlimmer, viel schlimmer.

Rasante Verschlechterung des Gesundheitszustands bei einer Sepsis

Während Sandra darauf wartete, dass die zahlreichen Schmerztabletten, die sie mittlerweile genommen hatte, endlich wirkten, wurde ihr schwindelig und speiübel. Plötzlich schüttelten schwere Krämpfe ihren Körper, die Schmerzen waren unerträglich geworden und ihr wurde schwarz vor Augen. Als sie wieder zu Bewusstsein kam, stand ein Rettungsteam um sie herum. Ihr Mann hatte in der Zwischenzeit den Notarzt gerufen. Stimmengewirr drang zu ihr durch, aber Sandra konnte kaum erfassen, was um sie herum oder mit ihr geschah. Was danach passierte, nahm Sandra nur noch bruchstückhaft wahr.

Kampf ums Leben

Als Sandra in die Notaufnahme eingeliefert wurde, hatte sie schon einen septischen Schock. 

Eine Sepsis ist ein Notfall

Die Ärzte und Pflegefachkräfte erkannten den Ernst der Lage sofort, verlegten die Patientin auf die Intensivstation und leiteten die Therapie ein. Trotzdem war es zu diesem Zeitpunkt keinesfalls sicher, dass Sandra überleben würde. Ist erst ein septischer Schock eingetreten, liegt die Sterblichkeit bei mehr als 50 Prozent. Mehrere Tage lang kämpften Ärzte und Pflegende um Sandras Leben. Und gewannen. Bis Sandra wieder richtig zu Bewusstsein kam, dauerte es zwei Tage. Sie fühlte sich erschöpft, das Reden mit der Familie fiel ihr schwer. Sandra konnte sich nicht an die vergangenen Tage erinnern. Über den Berg war Sandra noch lange nicht, aber sie hatte überlebt. Doch eine Frage bleibt: Warum hat denn am Anfang keiner an eine Sepsis gedacht?

Bei Verdacht sofort eingreifen

Zur Erkennung einer Sepsis stellt die Kampagne "Deutschland erkennt Sepsis" auf ihrer Website eine umfangreiche Checkliste für Laien zur Verfügung. Ganz neu ist die Sepsis Checkliste für Kinder, mit deren Hilfe sich Risikofaktoren, Frühwarnzeichen und Notfallzeichen einschätzen lassen. Die Checkliste ist eine Unterstützung für Eltern, Betreuungspersonen und medizinisches Personal, damit Anzeichen schnell erkannt und die adäquaten Maßnahmen eingeleitet werden können. Bei Verdacht ist der Notruf 112 oder der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zu kontaktieren. Je besser auch die Öffentlichkeit Bescheid weiß, desto eher kommen Verdachtsfälle in die Klinik und können erfolgreich behandelt werden.

Sana engagiert sich schon seit vielen Jahren für die Früherkennung sowie Therapie einer Sepsis und wurde dafür bereits mit dem Best-Abstract-Preis der Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung e. V. ausgezeichnet. Prämiert wurde die Sepsis-Initiative, deren Kernstück der Sana Sepsis Pathway 2.0 ist. Schwerpunkt des Programms ist die Umsetzung eines standardisierten Prozesses für die Erkennung, Diagnose und Therapie in allen Sana-Kliniken. Damit bringt Sana etablierte Maßnahmen zur Vermeidung der lebensbedrohlichen Erkrankung zu den Patienten „ans Bett“. Damit der Ernstfall erst gar nicht eintritt.

 

Download