Digitalisierung bei Sana: Wandel mit Haltung
Stefanie Kemp
Gesundheitsversorgung ist im Kern eine zutiefst menschliche Aufgabe. Gleichzeitig ist sie längst zu einer hochkomplexen, technologiegestützten Gemeinschaftsleistung geworden. In kaum einem anderen Bereich treffen persönliches Vertrauen und digitale Präzision so direkt aufeinander wie in der Klinik, ob im OP oder in der Pflege am Bett. Bei Sana erleben wir den digitalen Wandel täglich – und gestalten ihn aktiv mit.
Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck. Sie ist ein Mittel, um das Leben und Arbeiten in unseren Einrichtungen besser zu machen: für Patientinnen und Patienten, für Mitarbeitende und für die gesamte Organisation. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern um Haltung. Digitalisierung bedeutet, Prozesse neu zu denken, Zusammenarbeit anders zu organisieren und mitunter auch liebgewonnene Gewohnheiten zu hinterfragen. Dementsprechend ist Digitalisierung nicht nur Aufgabe der IT, sondern der gesamten Sana.
Sana hat sich schon vor einigen Jahren auf den Weg gemacht, Digitalisierung strategisch zu denken. Von der Einführung der internen mobilen Akte (IMA) bis hin zur spracherkennungsbasierten Dokumentation und zum modernen Patientenportal: Unser Weg ist geprägt von Lernbereitschaft, Offenheit und dem Willen, Verantwortung zu übernehmen. Dieser Beitrag gibt Einblick in diesen Weg. Er beleuchtet Meilensteine, Herausforderungen, Erfolge und Visionen. Vor allem aber zeigt er, was Digitalisierung bei Sana ausmacht: ein Wandel mit Haltung – im Dienst der Menschen, die uns vertrauen.
Unsere Ausgangssituation
Die Sana Kliniken AG steht als integrierter Gesundheitsdienstleister vor der Aufgabe, ihre digitale Infrastruktur grundlegend zu modernisieren. Aktuell ist die Systemlandschaft noch wenig standardisiert und stark durch proprietäre Lösungen geprägt. Zudem besteht ein erheblicher Nachholbedarf in der Digitalisierung, was Effizienz, Vernetzung und Versorgungsqualität einschränkt.
Das Zielbild ist klar: Synergiepotenziale zwischen den Standorten ausschöpfen, moderne Systeme gezielt nutzen und kontinuierlich weiterentwickeln sowie die Digitalisierung als direkten Unterstützungsfaktor für die Patientenversorgung etablieren. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern um die Verbindung aus medizinischer Exzellenz, digitaler Präzision und patientenzentrierter Versorgung.
Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Sana auf eine Reihe strategischer Initiativen: Eine Interoperabilitätsplattform soll den reibungslosen Datenaustausch zwischen Systemen ermöglichen. Moderne Backend-Lösungen sorgen für eine zukunftssichere IT-Basis. Spracherkennung wird eingeführt, um die Dokumentation zu erleichtern und Zeit für die direkte Patientenarbeit zu gewinnen. Virtual-Reality-Anwendungen eröffnen neue Möglichkeiten in Schulung, Therapie und Planung. Und nicht zuletzt wird Künstliche Intelligenz gezielt eingesetzt, um Diagnostik, Prognosen und Behandlungsprozesse zu unterstützen.
Strategie und Vision: Digitalisierung als Enabler
Mit der zunehmenden Dynamik im Gesundheitswesen und den wachsenden Anforderungen an Qualität, Effizienz und Transparenz wurde schnell klar: Digitalisierung darf kein Nebenschauplatz sein. Sana entwickelt deshalb derzeit eine unternehmensweite Digitalstrategie, die auf die Konzernziele einzahlt und eigene Ziele beschreibt, sowie sich an den konkreten Herausforderungen des Klinikalltags orientiert. Dabei ist sie kein Selbstzweck, sondern ein strategisches Werkzeug, um die Konzernziele zu erreichen und gute medizinische Ergebnisqualität zu gewährleisten.
Die Zieldimension #1 Partner für Gesundheit wird durch digitale Lösungen unterstützt, die Versorgung verbessern, den Zugang erleichtern und das Patientenerlebnis optimieren. Durch Vernetzung und den gezielten Einsatz von Datenanalytik wird eine personalisierte und evidenzbasierte Medizin gefördert. Strukturierte Daten schaffen zudem die Grundlage für Vergleichbarkeit und ermöglichen ein gemeinschaftliches Lernen voneinander.
Die Zieldimension #2 Gesundes Wirtschaften steht im Fokus durch Effizienzgewinne, die durch automatisierte Prozesse und smarte Ressourcensteuerung erzielt werden. Eine datenbasierte Steuerung unterstützt fundierte Entscheidungen auf allen Ebenen und eröffnet die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle zu initiieren und umzusetzen.
In der Zieldimension #3 Attraktiver Arbeitgeber profitieren Mitarbeitende von digitalen Arbeitswelten, die Entlastung schaffen und die Zufriedenheit steigern. Neue Technologien bieten Raum für persönliche Weiterentwicklung und fördern Innovation.
Die Zieldimension #4 Soziale Verantwortung umfasst digitale Teilhabe und barrierefreie Angebote, die allen Bevölkerungsgruppen – unabhängig von Wohnort – ermöglicht werden sollen. Transparenz und Datensouveränität tragen darüber hinaus dazu bei, Vertrauen zu schaffen und Patientenzufriedenheit nachhaltig zu fördern.
Wo stehen wir jetzt? Projekte und Praxisbeispiele
Innerhalb des Vorstandsressorts werden fünf zentrale Bereiche – die Sana IT Services GmbH, die Sana change it! GmbH, Information Security, Datenschutz sowie das Data Office – zusammengefasst und gesteuert.
Die Sana IT Services befindet sich aktuell inmitten eines grundlegenden Wandels. Ziel ist der Umbau hin zu zentralisierten Strukturen im Sinne einer modernen Ablauforganisation. Dabei werden IT-Services konzernweit definiert, zentral gesteuert und standardisiert betrieben. Gleichzeitig bleibt genügend Flexibilität bestehen, um dynamische Arbeitsprozesse innerhalb der neuen Strukturen zu ermöglichen.
Die Sana change it! verantwortet das konzernweite Projekt- und Prozessmanagement. Das Customer Success Management Office als weitere Einheit der Sana change it! GmbH fungiert als zentrale Ansprechstelle für unsere konzerninternen Kunden – insbesondere für die Krankenhäuser – und stellt die kontinuierliche Weiterentwicklung der Kundenzufriedenheit sicher. Im Bereich Information Security wurde der Security-by-Design-Prozess fest verankert.
Das Data Office hat mit der Gründung der Sana Data Solutions GmbH einen wichtigen Schritt unternommen, um Daten strukturiert zu erfassen, intelligent zu vernetzen und nutzbar zu machen. Gleichzeitig stellt der Datenschutz Krankenhäuser weiterhin vor komplexe Aufgaben – insbesondere im Kontext der fortschreitenden Digitalisierung, der Cloud-Nutzung, des Einsatzes von KI-Lösungen sowie der sicheren und rechtskonformen Nutzung von Gesundheitsdaten.
Innovative Projekte und starke Partnerschaften
Aktuell laufen zahlreiche zukunftsweisende Projekte. Eines der Leuchtturmprojekte ist „Neuland Impetus“, das gemeinsam mit dem Münchener Start-up Avelios umgesetzt wird. Im Fokus steht die Einführung einer Data-Workflow-Engine in einer unserer Fachkliniken. Gemeinsam entwickeln wir eine modulare, vernetzte und skalierbare Plattform, die sich flexibel in bestehende Systeme integrieren lässt und sektorenübergreifend funktioniert. Ziel ist es, strukturierte Daten automatisiert zu generieren, Prozesse zu digitalisieren und so vollständig digitale und effiziente Workflows zu ermöglichen – ein bedeutender Beitrag zur Steigerung der Qualität der Patientenversorgung und zur Entlastung der Mitarbeitenden.
Ein weiteres Beispiel für die intelligente Nutzung von Technologie ist die Kooperation mit Brainomix. Mithilfe von KI-Algorithmen wird die Auswertung von Gehirnaufnahmen unterstützt, was eine schnellere und präzisere Diagnostik ermöglicht – etwa auch in der Rufbereitschaft durch ortsunabhängigen Zugriff. Im Bereich des digitalen Wundmanagements arbeiten wir mit Imito zusammen. Die Lösung ermöglicht eine moderne, KI-gestützte Foto-, Video- und Wunddokumentation sowie eine effiziente Verwaltung von Patientendokumenten.
Neben diesen Leuchtturmprojekten existiert eine Vielzahl weiterer, kleinerer Initiativen und Kooperationspartner, die hier nicht alle im Detail aufgeführt werden können – sie tragen jedoch ebenso wesentlich zur digitalen Transformation bei.
MeineSana – die digitale Patientenplattform
Im Zentrum der Entwicklung unseres Patientenportals steht nicht die Technik, sondern der Mensch. Für die meisten Menschen ist ein Krankenhausaufenthalt selten – sie erwarten vor allem eine bestmögliche Versorgung. Digitale Lösungen müssen deshalb echten Mehrwert bieten, Prozesse verbessern und alle Beteiligten vernetzen.
Das Portal MeineSana ist Teil der langfristigen Digitalisierungsstrategie, die weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen des Krankenhauszukunftsgesetzes hinausgeht. MeineSana ist Teil einer offenen, interoperablen Plattform, die Patientinnen und Patienten, Zuweiser, medizinisches Personal und Partner verbindet. Ziel ist es, den gesamten Behandlungspfad digital zu begleiten – von Prävention und ambulanter Versorgung über den stationären Aufenthalt bis zur Rehabilitation und Pflege.
Zentrale Funktionen wie digital unterstützte Aufnahmeprozesse, Self-Check-in, frühzeitige Patienteninformation, Videosprechstunden, strukturiertes Entlassmanagement und sichere Zuweiserkommunikation entlasten das Personal, verbessern Abläufe und erhöhen die Versorgungsqualität. Entscheidend für den Erfolg ist das Change-Management: Die Einführung des Portals wird eng mit den klinischen Prozessen verzahnt, Mitarbeitende werden frühzeitig eingebunden. In jeder Klinik gibt es dafür eine „Leitung Klinische Prozesse und Digitalisierung“ an der Schnittstelle zwischen Management, Medizin, Pflege und IT. Mit MeineSana schafft Sana die Basis für eine zukunftsfähige, vernetzte und patientenzentrierte Versorgung – ein Portal, das nicht nur digitale Kommunikation ermöglicht, sondern die gesamte Gesundheitsversorgung smarter, effizienter und menschlicher macht.
Realitätscheck
Wie bei jeder tiefgreifenden Transformation verlaufen auch bei uns nicht alle Projekte reibungslos – und das ist bei der Komplexität unserer Aufgaben weder ungewöhnlich noch vermeidbar. Was zählt, ist der kontinuierliche Fortschritt – und der ist erkennbar, auch wenn wir an mancher Stelle hinter den ursprünglich gesteckten Zeit- oder Wirkungszielen zurückbleiben.
Mehrere Projekte sind von Verzögerungen betroffen. So verschob sich der Go-live des Projekts „Neuland Impetus“ deutlich, obwohl die inhaltliche Ausrichtung und das Konzept vielversprechend sind. Auch die Einführung der internen mobilen Akte zur digitalen Unterstützung des Medikationsmanagements erweist sich als komplexer als geplant. Technische Hürden und Abstimmungsbedarfe haben hier den ursprünglich vorgesehenen Zeitplan ins Wanken gebracht.
Ein weiteres Beispiel: Die zunächst sehr hoffnungsvoll gestartete Kooperation, durch die ein Patientendatenmanagementsystem entwickelt werden sollte, musste auf ein Haus begrenzt werden. Trotz intensiver Zusammenarbeit konnten die gewünschten Ergebnisse nur teilweise erreicht werden – und damit auch der Mehrwert, den wir unseren Mitarbeitenden sowie Patientinnen und Patienten bieten wollen. Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, war jedoch notwendig, um den Fokus wieder klar auf funktionierende und praxistaugliche Lösungen zu richten. Denn bei aller Innovationsfreude und allen technologischen Ambitionen gilt für uns ein klarer Grundsatz: Eine Lösung ist nur dann eine gute Lösung, wenn sie funktioniert – im Alltag, unter realen Bedingungen, zuverlässig und nachhaltig. Alles andere kostet nicht nur Ressourcen, sondern auch Zeit und Motivation.
Wir sind uns bewusst, dass Rückschläge und Verzögerungen Auswirkungen auf die Stimmung und das Vertrauen der Mitarbeitenden haben können. Gerade in einem fordernden Umfeld wie dem Gesundheitswesen, in dem Zeitdruck und Verantwortung zum Alltag gehören, kann das zu Frustration führen. Umso wichtiger ist es für uns, offen mit Herausforderungen umzugehen, Erfolge sichtbar zu machen und vor allem aus Rückschlägen zu lernen. Unser Anspruch bleibt dabei klar: Wir wollen Lösungen entwickeln und bereitstellen, die Mitarbeitende spürbar entlasten und Patientinnen und Patienten konkret unterstützen – zuverlässig, nutzerfreundlich und zukunftsfähig. Das gelingt nicht immer auf Anhieb. Aber es gelingt – mit einem starken Team, klarer Zielsetzung und dem festen Willen, aus jedem Rückschlag neue Stärke zu ziehen.
Besondere Herausforderungen
Die Transformation des CTO-Bereichs sowie die Digitalisierung bei Sana bringen eine Vielzahl von Herausforderungen mit sich. Besonders die Zusammenarbeit mit Start-ups gestaltet sich oftmals komplex – nicht zuletzt aufgrund unterschiedlicher Geschwindigkeiten, Mentalitäten und Herangehensweisen. Gleichzeitig liegt in diesen Unterschieden ein großes Potenzial: Wenn sie bewusst reflektiert und aktiv gestaltet werden, können beide Seiten voneinander profitieren und innovative Lösungen gemeinsam vorantreiben.
Ein zentrales Erfolgskriterium der digitalen Transformation liegt in der aktiven Einbindung der Mitarbeitenden. Nur wenn sie frühzeitig in Entwicklungs- und Einführungsprozesse neuer digitaler Produkte und Anwendungen eingebunden werden, kann Akzeptanz entstehen.
Neben technischen und datenschutzrechtlichen Fragestellungen stellen insbesondere kulturelle und organisationale Faktoren eine Herausforderung dar. Veränderungsängste, fehlende Partizipationsmöglichkeiten, ausgeprägte Hierarchien sowie begrenzte zeitliche und personelle Ressourcen können die Digitalisierung erheblich bremsen.
Wissenschaftliche Studien belegen jedoch klar: Eine offene Fehler- und Lernkultur, transparente Kommunikation sowie engagierte und zugewandte Führungskräfte sind entscheidende Voraussetzungen, um diese Hürden zu überwinden. Sie schaffen Vertrauen und fördern die Bereitschaft, neue Wege zu gehen – stets mit dem Ziel, die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu verbessern und die Mitarbeitenden in ihrer Arbeit zu unterstützen (Edmonson 2004). Veränderung bedeutet im organisationalen Kontext nicht nur die Einführung neuer Technologien oder Prozesse, sondern stets auch einen kulturellen Wandel. Wissenschaftlich betrachtet ist Unternehmenskultur – verstanden als das kollektive Wertesystem, die Normen und das geteilte Selbstverständnis einer Organisation – ein zentraler Hebel für Innovation und digitale Transformation (Schein 2010; Kane et al. 2015).
In einem Konzern wie Sana ist es daher entscheidend, strukturelle Trägheit und eingespielte Routinen bewusst zu hinterfragen. Veränderung gelingt nur, wenn Sicherheit geschaffen wird und Mitarbeitende das Gefühl haben, dass ihre Perspektiven gehört werden. Studien zeigen, dass eine innovationsfreundliche Kultur durch Merkmale wie Offenheit, Lernbereitschaft, flache Hierarchien und die Förderung von Ambidextrie – also dem Gleichgewicht zwischen Effizienz im Kerngeschäft und Raum für Neues – gekennzeichnet ist (Birkinshaw u. Gibson 2004).
Digitale Transformation kann nur dort erfolgreich sein, wo kulturelle Voraussetzungen wie Fehlerfreundlichkeit, Vertrauen, interdisziplinäre Zusammenarbeit und ein klares gemeinsames Zielbild gegeben sind (Westerman et al. 2014). Führungskräfte spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie müssen als kulturelle Übersetzerinnen und Übersetzer wirken, Veränderungen vorleben und Räume für Partizipation und Experimentieren schaffen. Die Führungskräfte bei Sana werden gezielt auf diese Aufgaben vorbereitet: In den Führungskräfte-Labs entwickeln sie ihr persönliches Führungsverständnis weiter, erproben neue Ansätze im Umgang mit Wandel und stärken ihre Veränderungskompetenz. Unterstützt durch das begleitende Change-Management lernen sie, als Treiberinnen und Treiber kulturellen Wandels zu agieren, ihre Teams durch Unsicherheiten zu führen und die digitale Transformation aktiv mitzugestalten.
Veränderungen in großem Maßstab gelingen nur mit einem strukturierten Change- oder Transformationsmanagement. Fehlen diese professionellen Strukturen, werden Transformationsprozesse oft in Eigenregie durchgeführt – mit dem Risiko, dass Erfahrungen, Methoden und Ressourcen fehlen, um den Wandel nachhaltig erfolgreich zu gestalten. Hier liegt ein zentrales Handlungsfeld, um künftige Veränderungen wirksam zu unterstützen und zu verankern.
Unser Zielbild
Wofür investieren wir all diese Anstrengungen – Digitalisierung, neue Prozesse, innovative Technologien? Wir tun es für unsere Mitarbeitenden und vor allem für unsere Patientinnen und Patienten. Um zu veranschaulichen, wie sich unsere Vision im Alltag entfaltet, stellen wir im Folgenden die exemplarische Patient Journey von Herrn Mustermann vor – eine Reise durch ein vollständig digitalisiertes Krankenhaus.
Sie steht sinnbildlich für die übergeordnete Vision der Sana: ein smartes, vernetztes und konsequent patientenzentriertes Gesundheitssystem. Diese Geschichte zeigt, wie unterschiedliche Systeme, Anwendungen und Technologien nahtlos zusammenwirken, um den größtmöglichen Nutzen für Patientinnen und Patienten zu schaffen.
Kapitel 1: Der Sturz
Beim Joggen erleidet Herr Mustermann eine Patellaluxation und schlägt mit dem Kopf auf. Ihm wird schwarz vor Augen. Als er unter starken Schmerzen wieder zu sich kommt, hört er eine Stimme aus seiner Smartwatch: Die Uhr hat den Sturz sowie die kurzzeitige Bewusstlosigkeit automatisch erkannt und direkt die integrierte Notruffunktion aktiviert. Die Leitstelle meldet sich über die Uhr, beruhigt Herrn Mustermann, informiert ihn über den alarmierten Rettungswagen und bittet um eine erste Einschätzung seiner Beschwerden. Herr Mustermann berichtet über starke Knieschmerzen und Schwindel.
Der eintreffende Notarzt dokumentiert die Verdachtsdiagnose – Patellaluxation und Gehirnerschütterung – digital über ein mobiles Notfallleitsystem. In Echtzeit erhält er die Information, dass das Sana Klinikum, das sich in der Nähe befindet, aktuell freie Kapazitäten hat. Herr Mustermann wird umgehend dorthin transportiert. Nach Eingabe der Verdachtsdiagnose wird automatisch der passende Behandlungspfad aktiviert: Ressourcen in der Klinik werden reserviert, Fachpersonal informiert. Bereits während des Transports hat das Klinikteam Zugriff auf relevante medizinische Daten wie Vorerkrankungen oder Allergien. Bei Bedarf wird das Rettungsteam digital unterstützt. Ein Clinical Decision Support System (CDSS) hilft dem Notarzt, alle wichtigen Schritte zu berücksichtigen – die medizinische Entscheidung liegt jedoch weiterhin in den Händen des Personals.
Kapitel 2: Diagnostik
Unmittelbar nach seiner Ankunft beginnt das ärztliche Team mit der Diagnostik. Unterstützt wird es dabei durch Empfehlungen des CDSS, das als Orientierungshilfe dient. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte behalten jederzeit die Entscheidungsfreiheit und können bei Bedarf vom vorgeschlagenen Pfad abweichen. Herr Mustermann wird transparent über die voraussichtliche Wartezeit für CT- und Röntgenuntersuchungen informiert. Diese basiert auf historischen Klinikdaten. Da er bereits digital angekündigt wurde, ist ein Slot für ihn reserviert – die Wartezeit beträgt nur wenige Minuten.
Alle Befunde und diagnostischen Ergebnisse – etwa CT- und Röntgenbilder oder pathologische Einschätzungen – werden digital erfasst und können unmittelbar mit allen relevanten Abteilungen geteilt werden. Auch ein sicherer standortübergreifender Austausch mit anderen Sana-Kliniken ist möglich, da alle Einrichtungen auf ein einheitliches Daten- und Workflowsystem zugreifen. Auf Grundlage der abgeschlossenen Diagnostik, der Empfehlungen des CDSS und des interprofessionellen Austauschs wird ein individueller Therapieplan für Herrn Mustermann erstellt. Die Untersuchungen bestätigen einen Bänderriss infolge der Patellaluxation, der operativ versorgt werden muss. Eine integrierte KI hat die CT-Bilder bereits analysiert und die relevanten Befunde visuell hervorgehoben.
Zudem wird eine leichte Gehirnerschütterung diagnostiziert. Da Herr Mustermanns Allgemeinzustand stabil ist, wird er zur Schonung nach Hause entlassen. Die Knieoperation ist für die Folgewoche geplant und wurde in Abstimmung mit einer orthopädischen Fachpflegekraft terminiert. Noch am selben Tag erhält Herr Mustermann per E-Mail die Terminbestätigung sowie eine persönliche Begrüßung und erste Informationen zu seinem Aufenthalt. Gleichzeitig erhält er Zugangsdaten für sein digitales Patientenportal.
Kapitel 3: Vorbereitungen
Mit seinen Zugangsdaten loggt sich Herr Mustermann in die Plattform ein. Dort kann er bereits vor dem Klinikaufenthalt verschiedene Services nutzen:
- tagesaktuelle OP-Hinweise abrufen (z.B. zur Ernährung)
- medizinische Unterlagen hochladen oder mit der elektronischen Patientenakte verknüpfen
- Angaben zu Vorerkrankungen und Kontaktpersonen hinterlegen
- Informationsmaterialien einsehen und Fragen per Chatbot stellen
- Behandlungs- und Anästhesieaufklärung per Videoanruf durchführen und digital unterzeichnen
- Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie Angebote der Klinik kennenlernen
- Menüauswahl treffen und Wahlleistungen buchen
- OP-Termine verwalten
Kapitel 4: Der Krankenhausaufenthalt
Am Tag der OP wird Herr Mustermann von einem Angehörigen in die Klinik begleitet. Um den Aufnahmeprozess so angenehm wie möglich zu gestalten, hat er vorab per E-Mail und App eine Mitteilung über den Self-Check-in erhalten. Dieser kann bequem über das eigene Smartphone oder über ein Check-in-Terminal im Eingangsbereich erfolgen. Mittels Ausweises und elektronischer Gesundheitskarte identifiziert sich Herr Mustermann und erhält sein Patientenarmband.
Da alle administrativen Schritte bereits im Vorfeld abgeschlossen wurden, kann Herr Mustermann direkt zur chirurgischen Station 1a gehen. Dort wird er herzlich vom Pflegepersonal empfangen und auf sein Zimmer begleitet. Als ihm auffällt, dass er seinen Bademantel vergessen hat, bestellt er unkompliziert einen neuen über das Patienten-Tablet.
Bis zur OP-Vorbereitung nutzt Herr Mustermann das digitale Entertainment-Angebot. Die vorherige Kommunikation mit seiner Operateurin hat viele seiner Fragen geklärt. 30 Minuten vor Beginn wird er vorbereitet. Dank des digitalen Behandlungsplans konnten bereits alle Materialien im OP bereitgestellt werden.
Die Identifikation vor der OP erfolgt per Armband-Scan. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Anästhesisten beginnt der Eingriff. Während der Operation werden alle Vitaldaten in Echtzeit überwacht. Bei einer ungewöhnlichen anatomischen Situation holt sich der behandelnde Arzt per Video eine Expertenmeinung ein. Nach der OP werden alle Daten automatisch archiviert. Im Aufwachraum sorgen digitale Sensoren für eine kontinuierliche Überwachung der Vitalwerte. Vor der Verlegung auf Station wird Herr Mustermann über den Verlauf informiert. Der Transfer wird ebenfalls per Armband-Scan dokumentiert.
Auf Station begleitet das Pflegepersonal die Mobilisation, überprüft Verband und Vitalzeichen und passt die Schmerztherapie an. Ein intelligentes System erkennt Auffälligkeiten frühzeitig. Bedürfnisse kann Herr Mustermann direkt über den Patientenbildschirm an die Pflege melden. Die Pflegekräfte dokumentieren ihre Maßnahmen per Sprachsteuerung. Noch am selben Tag startet die Physiotherapie, unterstützt durch eine Übungs-App für zu Hause.
Am Folgetag wird die Entlassung vorbereitet. Der Arztbrief wird automatisch erstellt und von der Ärztin freigegeben. Herr Mustermanns Ehemann wird per SMS über den Entlasszeitpunkt informiert. Bei der Verabschiedung erhält Herr Mustermann Hinweise zur Wundheilung und Zugang zu weiteren Informationen über die Klinik-App. Da sein Hausarzt Teil der integrierten Gesundheitsregion ist, kann er nahtlos auf alle Behandlungsdaten zugreifen und die Nachsorge übernehmen.
Kapitel 5: Perspektiven der Mitarbeitenden: Ärztinnen und Ärzte und Pflege im Smart Hospital
Die digitale Transformation verändert nicht nur die Patientenerfahrung, sondern hat auch tiefgreifende Auswirkungen auf den Arbeitsalltag der Mitarbeitenden. Insbesondere Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte profitieren von smarter Unterstützung, die ihnen wieder mehr Zeit für das Wesentliche gibt: die Zuwendung zu den Patientinnen und Patienten.
Für Ärztinnen und Ärzte bedeutet die Integration digitaler Systeme eine spürbare Entlastung bei administrativen Tätigkeiten. Die automatisierte Dokumentation medizinischer Maßnahmen, das Clinical Decision Support System (CDSS) und die strukturierte Verfügbarkeit aller relevanten Informationen ermöglichen eine fundierte Entscheidungsfindung – ohne zeitraubende Recherche. Befunde, Laborwerte und Bilddaten stehen konsolidiert und strukturiert zur Verfügung, sodass sich Ärztinnen und Ärzte auf das medizinisch Wichtige konzentrieren können. Die Kommunikation im Behandlungsteam wird durch digitale Tools erleichtert, interprofessionelle Zusammenarbeit gestärkt. So gewinnen Ärztinnen und Ärzte Zeit, um sich intensiver mit ihren Patientinnen und Patienten auszutauschen und individuelle Therapieentscheidungen zu treffen.
Auch für Pflegekräfte bedeutet die Digitalisierung einen echten Fortschritt. Viele Routineprozesse – wie die Vitalzeichenkontrolle oder Dokumentation – erfolgen teilautomatisiert und sprachgesteuert. Informationen über Patientinnen und Patienten sind direkt am Bett digital abrufbar, wodurch Doppelungen, Laufwege und Papierarbeit reduziert werden. Unterstützt durch sensorbasierte Frühwarnsysteme und mobile Endgeräte kann die Pflege schneller reagieren und mehr Zeit in persönliche Betreuung investieren. Zudem wird durch die digitale Erfassung aller pflegerischen Maßnahmen auch deren Sichtbarkeit und Relevanz im interprofessionellen Team gestärkt.
Darüber hinaus schaffen digitale Schulungsangebote, Wissensdatenbanken und Kommunikationsplattformen neue Möglichkeiten der kontinuierlichen Weiterbildung und Vernetzung. Die Mitarbeitenden werden so zu aktiven Mitgestalterinnen und Mitgestaltern der digitalen Transformation – unterstützt durch eine lernorientierte, partizipative Unternehmenskultur, die Innovation ermöglicht und Sicherheit im Wandel gibt.
Abschließende Gedanken
Wir blicken stolz auf die Entwicklung von Sana zurück – ein Weg, der geprägt ist von mutigen Schritten in Richtung Digitalisierung, Vernetzung und Innovation. Diese Transformation ist keine leichte Aufgabe, aber sie eröffnet uns die Chance, die Gesundheitsversorgung von morgen aktiv zu gestalten: smarter, effizienter und vor allem konsequent patientenzentriert.
Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck: Sie schafft Raum für mehr Zeit mit den Patientinnen und Patienten, entlastet Mitarbeitende und macht Abläufe sicherer und transparenter. Doch Technologie allein reicht nicht – es sind die Menschen, ihr Engagement und ihre Offenheit für Neues, die diesen Wandel lebendig machen.
Gemeinsam haben wir in den letzten Jahren viel erreicht. Doch die digitale Reise ist noch lange nicht zu Ende. Jetzt geht es darum, das Erreichte weiter auszubauen, neue digitale Möglichkeiten mutig zu nutzen und Prozesse noch stärker zu vernetzen. So schaffen wir eine Gesundheitswelt, die allen zugutekommt – Patientinnen und Patienten, Mitarbeitenden und der gesamten Gemeinschaft.
Autorin: Stefanie Kemp
Ihre berufliche Laufbahn begann die 1963 geborene Stefanie Kemp als Kinderkrankenpflegerin. Vor über 35 Jahren wechselte sie dann über die Pharmabranche in den Bereich der Informations-Technologie – sowohl auf Lieferanten- als auch auf Anwenderseite. 2011 erhielt Stefanie Kemp den „Global Exchange Award“ und wurde als „CIO des Jahres“ ausgezeichnet. Nach Stationen bei RWE/innogySE und Lowell gründete sie 2019 ihr eigenes Unternehmen. Von 2020 bis 2022 leitete sie die Geschäfte für das Technologieunternehmen Oracle in Deutschland. Stefanie Kemp führt seit dem 1. September 2022 als Chief Transformation Officer (CTO) das Vorstandsressort Transformation der Sana Klinken AG. In dieser Funktion treibt sie die Weiterentwicklung des Konzerns zum integrierten Gesundheitsdienstleister voran.
Literatur
- Birkinshaw J, Gibson C (2004) Building Ambidexterity Into an Organization. Harvard Business Review
- Edmondson AC (2004) Learning from Failure in Health Care: Frequent Opportunities, Pervasive Barriers In: Quality and Safety in Health Care 13(2), ii3–ii9
- Kane GC et al. (2015) Strategy, Not Technology, Drives Digital Transformation. MIT Sloan Management Review
- Schein EH (2010) Organizational Culture and Leadership. (4th ed.)
- Westerman G, Bonnet D, McAfee A (2014) Leading Digital: Turning Technology Into Business Transformation