Sana Klinikum Hameln-Pyrmont beteiligt sich an Protestaktion für verlässliche Krankenhausfinanzierung
Klinikpersonal fordert Nachbesserungen am geplanten GKV-Sparpaket
- Sana Klinikum Hameln-Pyrmont beteiligt sich an Protestaktion in Hannover: Gemeinsam mit Krankenhausverbänden und ver.di setzt sich das Klinikum für Nachbesserungen am geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz und eine verlässliche Krankenhausfinanzierung ein.
- Mehr Aufgaben, weniger Handlungsspielraum: Krankenhäuser sind bereit, sich zu verändern und die Krankenhausreform aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig stehen finanzielle Einschnitte, zusätzliche Regulierungen und ausbleibender Bürokratieabbau im Widerspruch zu den steigenden Anforderungen an die Versorgung.
- Versorgung im Weserbergland sichern: Das Klinikum sieht sich aktuell stabil aufgestellt, warnt jedoch vor den langfristigen Folgen einer strukturellen Unterfinanzierung und fordert verlässliche Rahmenbedingungen für eine leistungsfähige und wohnortnahe Gesundheitsversorgung.
Das Sana Klinikum Hameln-Pyrmont beteiligt sich am 10. Juni an der Protestaktion in Hannover, zu der Krankenhausverbände und ver.di im Vorfeld der parlamentarischen Beratungen des geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes aufrufen. Mit dem Gesetz verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren. Nach Einschätzung der Krankenhäuser sollen diese dabei jedoch einen erheblichen Teil der Einsparungen tragen. Allein 2027 drohen den Krankenhäusern Erlöseinbußen von rund neun Milliarden Euro. In den kommenden Jahren könnten sich die finanziellen Auswirkungen auf rund 30 Milliarden Euro summieren.
Die angekündigten Maßnahmen treffen auf ein System, das bereits heute unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht. Bundesweit schreiben rund 75 Prozent der Krankenhäuser rote Zahlen. Gleichzeitig sollen Kliniken die Ambulantisierung vorantreiben, die Notfallversorgung stärken, hohe Qualitätsstandards erfüllen und in Digitalisierung sowie moderne Versorgungsstrukturen investieren.
Zukunft der Versorgung braucht verlässliche Finanzierung
„Krankenhäuser sind bereit, ihren Beitrag zu einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung zu leisten. Wir unterstützen die Ziele der Krankenhausreform ausdrücklich und gestalten notwendige Veränderungen aktiv mit“, sagt Matthias Dürkop, Geschäftsführer des Sana Klinikums Hameln-Pyrmont. „Was jedoch nicht funktionieren wird, ist ein tiefgreifender Strukturwandel bei gleichzeitigem Entzug der dafür notwendigen finanziellen Grundlagen.“
Krankenhäuser seien zwar ein großer Ausgabenblock innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung, aber nicht die eigentlichen Kostentreiber des Systems. Viele kostenintensive Leistungen und komplexe Behandlungen werden dort gebündelt erbracht. Gleichzeitig ist der Anteil der Krankenhausausgaben an den gesamten Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung in den vergangenen Jahren gesunken. „Krankenhäuser sichern die Versorgung von Millionen Menschen rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Gerade in ländlich geprägten Regionen wie dem Weserbergland sind sie ein unverzichtbarer Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Diese Infrastruktur darf nicht durch kurzfristige Sparpolitik gefährdet werden“, so Dürkop.
Besonders kritisch sehen die Krankenhäuser die geplanten Änderungen bei der Finanzierung von Tarifsteigerungen, Pflegepersonalkosten und Krankenhausvergütungen. Gleichzeitig bleibe der seit Jahren angekündigte Bürokratieabbau bislang weitgehend aus. Krankenhäuser benötigten mehr Gestaltungsspielräume, um wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren zu können.
„Wir erleben derzeit einen Widerspruch in der Gesundheitspolitik. Einerseits sollen Krankenhäuser mehr leisten, zusätzliche Aufgaben übernehmen und hohe Qualitätsstandards erfüllen. Andererseits sollen Milliardenbeträge aus dem System genommen werden, während Kliniken der Gestaltungsspielraum durch kleinsteilige Regulierungen genommen wird. Reformen sind notwendig und richtig. Ein kalter Strukturwandel durch finanzielle Kürzungen ohne ausreichende Handlungsspielräume ist jedoch nicht der richtige Weg.“
Bedeutung für die Versorgung in der Region
Gerade im ländlich geprägten Raum wie dem Weserbergland kommt Krankenhäusern eine besondere Bedeutung zu. Sie sichern rund um die Uhr die Notfallversorgung, gewährleisten wohnortnahe medizinische Behandlung, übernehmen zunehmend Aufgaben in der ambulanten Versorgung und sind zugleich wichtige Arbeitgeber und Ausbildungsstätten der Region. „Krankenhäuser sind bereit, sich zu verändern, Versorgung neu zu denken, die Ambulantisierung voranzubringen und integrierte Versorgungsstrukturen aufzubauen“, betont Dürkop. „Wer mehr Leistungen, höhere Qualitätsanforderungen, neue Versorgungsformen und eine stärkere Notfallversorgung erwartet, muss dafür auch die erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen.“
Das Sana Klinikum Hameln-Pyrmont sieht sich aktuell stabil aufgestellt, betrachtet die künftigen Entwicklungen dennoch mit Sorge: „Es geht nicht allein um die Zukunft einzelner Krankenhäuser, sondern um die Frage, wie die Gesundheitsversorgung der Menschen in unserer Region auch künftig leistungsfähig und wohnortnah sichergestellt werden kann. Mit der Teilnahme am Protest machen wir auf die möglichen Auswirkungen aufmerksam und fordern notwendige Anpassungen am Gesetzentwurf ein. Damit nicht jene die Leitragenden sind, die tagtäglich die Versorgung der Menschen vor Ort sicherstellen“, so Dürkop. Gleichzeitig appelliert das Klinikum mit einem Schreiben an die Bundestagsabgeordneten, sich im weiteren Gesetzgebungsverfahren für tragfähige Rahmenbedingungen und eine nachhaltige Finanzierung der Krankenhausversorgung einzusetzen.
Die Protestaktion findet am 10. Juni parallel zur Gesundheitsministerkonferenz der Länder in Hannover statt. Die erste Beratung des Gesetzentwurfs im Deutschen Bundestag ist für den 11. Juni vorgesehen.
Krankenhausversorgung ist ein System aus vielen teilen und dieses Zusammenspiel hängt von verlässlichen Rahmenbedingungen ab.