Sana-Krankenhaus Hürth wehrt sich gegen Benachteiligung
Die Entwürfe zur Krankenhausplanung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) NRW würden die Gesundheitsversorgung und vor allem die Notfallstrukturen im gesamten Rhein-Erft-Kreis gefährden.
Nach dem aktuellen Stand der NRW-Krankenhausplanung verlöre das Sana-Krankenhaus Hürth zum Ende des Jahres Kardiologie und Endoprothetik und damit zwei der wichtigsten Fachabteilungen. „Obwohl wir eines der wenigen Krankenhäuser in Deutschland sind, das schwarze Zahlen schreibt, als fünftgrößter Arbeitgeber der Stadt unseren 350 Beschäftigten einen sicheren Arbeitsplatz bieten und bis zum Ende des Jahres Deutschlands digitalstes Krankenhaus werden sollen, gefährdet die Entscheidung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) die wirtschaftliche Existenz des Hauses“, sagt Geschäftsführer Michael Weckmann.
Vor allem die Schließung der Kardiologie, deren Ärztinnen und Ärzte die größte Gruppe der Notfallpatienten – jene mit Herz-Kreislaufproblemen – versorgt, wäre dramatisch. Denn eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland, der Herzinfarkt, könnte nicht mehr in Hürth versorgt werden. Durch längere Fahrzeiten würden lebensrettende Maßnahmen für die Hürther Bürgerinnen und Bürger deutlich später als heute eingeleitet werden können. „Da unser Krankenhaus rund um die Uhr qualifizierte Notärzte stellt, die zu 90 Prozent aus dem Team der Kardiologie und Inneren Medizin kommen, kann ohne die Kardiologie auch die Notarztversorgung von Stadt und Region nicht mehr über unseren Krankenhausstandort aufrechterhalten werden“, bestätigt Dr. Torsten Schwalm, Chefarzt des Zentrums Innere Medizin und Ärztlicher Direktor.
Argumente des MAGS sind widerlegbar
Konkret werden für die Entscheidung des MAGS zwei Argumente in der Anhörung des Ministeriums zur interventionellen Kardiologie genannt:
- Das Sana-Krankenhaus Hürth erhält keine Zuweisung der Leistungsgruppe, da die benachbarten Standorte höhere Fallzahlen im Leistungsbereich Kardiologie erbringen.
- Nach der Flutkatastrophe 2021 konnte der Standort Marien-Hospital Erftstadt-Frauenthal die Versorgung nicht aufrechterhalten. Der Standort GFO Klinik Brühl Marienhospital hat zumindest einen erheblichen Teil dieser Versorgung übernommen. Beiden Standorten wird daher die Leistungsgruppe zugewiesen, wobei die weitere Entwicklung hier zu beobachten ist.
Diese Argumente lassen sich anhand der Zahlen aus den Qualitätsberichten der drei Krankenhäuser widerlegen. Zusammenfassend kann man sagen:
Im Jahr 2024 gibt es fünf interventionelle Kardiologien im Rhein-Erft-Kreis (Bergheim, Erftstadt, Frechen, Brühl und Hürth), die sich um die Leistungsgruppe beworben haben. Im Referenzjahr des Krankenhausplans 2019 gab es nur vier interventionelle Kardiologien (Bergheim, Erftstadt, Frechen und Hürth). Nach der Flutkatastrophe im Juni 2021 und der damit einhergehenden Schließung des Krankenhauses Erftstadt übernahm das Sana-Krankenhaus Hürth die meisten kardiologischen Patientinnen und Patienten aus Erftstadt. Dies belegen die Fallzahlen eindeutig. „Unser Team hat nach der Flut die kardiologische Versorgung aufrechterhalten. Nun soll das Sana-Krankenhaus Hürth seine Kardiologie schließen und Kolleginnen und Kollegen verlören ihren Tätigkeitsbereich.“
Unterversorgung bei Endoprothetik droht
Auch die Streichung der zertifizierten Endoprothetik (Knie und Hüfte), die die Krankenkassen in ihrem Votum noch zugesprochen hatten, überraschte die Verantwortlichen am Sana-Krankenhaus Hürth vollständig. Die Zahlen: Im Jahr 2022 wurden im Rhein-Erft-Kreis rund 1.100 Knie- und Hüftprothesen operiert. In der Planung sind künftig nur 380 Prothesen für den Rhein-Erft-Kreis vorgesehen, die von nur einem Krankenhaus erbracht werden sollen. Dies bedeutet für Patientinnen und Patienten künftig sehr lange Wartezeiten, während das Sana-Krankenhaus Hürth, als eines von zwei zertifizierten Endoprothetikzentren im Kreis, die Türen schließen müsste.
Geschäftsführer Michael Weckmann: „Wir blicken auf eine 110-jährige Krankenhausgeschichte in Hürth zurück und haben gemeinsam mit den Mitarbeitenden so viel Positives für die Bevölkerung erreicht. Die aktuellen Zahlen und die damit verbundene Benachteiligung unseres Hauses können wir alle nicht verstehen. Wir werden für die Notfallversorgung in Hürth und dem Rhein-Erft-Kreis kämpfen.“
Michael Weckmann ist Geschäftsführer im Sana-Krankenhaus Hürth und für das Cluster Rheinland der Sana Kliniken. Er kritisiert die Streichungspläne des Gesundheitsministeriums NRW. (Foto: Jane Stockdale)
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Chefarzt Dr. Torsten Schwalm und sein Team der Kardiologie wären von den Streichungsplänen des Gesundheitsministeriums NRW betroffen. Dabei ist die Klinik eine der leistungsfähigsten und erfahrendsten im gesamten Rhein-Erft-Kreis. (Foto: Stephan Hubrich)
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Über das Sana Krankenhaus Hürth
Das Sana-Krankenhaus Hürth ist ein hochmodernes Haus der gehobenen Grund- und Regelversorgung in der Metropolregion Köln-Bonn, das die medizinische Versorgung der Bevölkerung in Hürth und dem Rhein-Erft-Kreis mit seinen Fachabteilungen für Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesie sicherstellt. Rund 350 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich jährlich um über 20.000 Patientinnen und Patienten im stationären und ambulanten Bereich.
Das Hürther Krankenhaus wurde 1984 durch Sana übernommen und war damals deutschlandweit das erste kommunale Haus, das privatisiert wurde. Die Übernahme war mit einer mindestens 20-jährigen Bestandszusage verbunden. Seitdem wurde das Sana-Krankenhaus Hürth mehrfach erweitert, saniert und (medizinisch) modernisiert. Mit seinen zukunftsfähigen Voraussetzungen für die qualifizierte medizinische Versorgung der Bevölkerung gewinnt es zunehmend an Bedeutung für die gesamte Region.
Über die Sana Kliniken AG
Die Sana Kliniken AG ist ein führender integrierter Gesundheitsdienstleister im deutschsprachigen Raum. Die ganzheitliche Gesundheitsversorgung für jährlich drei Millionen Patientinnen und Patienten erstreckt sich von Präventionsangeboten über die ambulante und stationäre Versorgung bis hin zu Nachsorge, Rehabilitation und Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln. Diese Leistungen werden bundesweit in 43 Krankenhäusern, 51 MVZ-Gesellschaften mit knapp 600 Arztsitzen sowie zusammen rund 60 Sanitätshäusern und Präventionspraxen erbracht. Darüber hinaus bietet Sana als B2B-Services auch Dienstleistungen und Beratung für externe Kliniken unter anderem in den Bereichen Einkauf, Logistik, Medizintechnik sowie Managementverträge an. 2023 erwirtschafteten die rund 38.600 Beschäftigten (Stand Dezember 2023) einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro. Eigentümer der 1976 gegründeten Sana Kliniken AG sind 24 Private Krankenversicherungen.