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Ismaning,
24
April
2025
|
07:37
Europe/Amsterdam

Schlaganfallrisiko durch Loch im Herzen

Zusammenfassung

Vor der Geburt befindet sich zwischen den beiden Herzvorhöfen ein Loch, das Foramen Ovale. Normalerweise verschließt es sich bei der Geburt. Bei etwa jedem vierten Menschen ist dieser Verschluss nicht vollständig. In der Regel verursacht die Öffnung keine Beschwerden. Insbesondere bei jüngeren und ansonsten gesunden Menschen muss diese Öffnung als Schlaganfallursache in Erwägung gezogen werden.

Prof. Dr. Ulrich Sliwka

Professor Ulrich Sliwka ist Chefarzt der Klinik für Neurologie sowie Ärztlicher Direktor am Sana-Klinikum Remscheid. Er erklärt, warum ein persistierendes, also anhaltendes, Foramen Ovale, kurz PFO, ein Schlaganfallrisiko darstellt: „Durch das Loch zwischen dem linken und rechten Vorhof des Herzens können Blutgerinnsel aus dem Venensystem leicht in das Arteriensystem und von dort ins Gehirn wandern und ein Gefäß blockieren. Wir nennen dies paradoxe Embolie.“ 

Heftiges Husten, Niesen oder Pressen kann diesen Vorgang möglicherweise auslösen. Gerade bei jüngeren Patienten ohne typische Gefäßrisikofaktoren lässt sich oftmals keine eindeutige Schlaganfallursache herausfinden. Experten sprechen in diesen Fällen von einem kryptogenen Schlaganfall. Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft hängen etwa zehn Prozent der durch eine Minderdurchblutung (Ischämie) ausgelösten Schlaganfälle bei Patienten zwischen 18 und 60 Jahren mit einem PFO zusammen.

Schnelle Diagnose und Therapie sind entscheidend

Time is Brain – so lautet die bewährte Formel für die Behandlung von Schlaganfällen. Je schneller Patienten auf eine spezialisierte Station, eine Stroke Unit, kommen und die richtige Behandlung und Nachsorge mit Therapie möglicher Komplikationen bekommen, desto besser ist die Prognose. Ist die Ursache identifiziert, leiten die Ärzte darüber hinaus Maßnahmen zur Sekundärprävention ein, um weiteren Ereignissen, sogenannten Rezidiven, entgegenzuwirken.

PFO im Ultraschall

Zur Vermeidung erneuter Schlaganfälle durch ein PFO ist es wichtig, diese Ursache zu erkennen. Dann können die Spezialisten untersuchen, ob der Patient beziehungsweise die Patientin für einen Eingriff mit PFO-Verschluss infrage kommt. Das hängt unter anderem vom Alter der Betroffenen und von der Größe des PFO ab. Die Größe und Gefährlichkeit des PFO können Ärzte durch eine kontrastmittelgestützte Ultraschalluntersuchung des Herzens und der Hirngefäße feststellen. Neurologen und Kardiologen arbeiten dabei eng zusammen.

Ulrich Sliwka erläutert: „Die Untersuchung und Therapie erfolgt in enger Abstimmung mit den Experten unseres Herzkatheterlabors Dr. Christian Schnickmann und Dr. Khalil Abi Haidar. Wir besprechen die Patientenbefunde gemeinsam und entscheiden im Team, ob ein Eingriff gemäß Leitlinienempfehlungen der richtige Weg ist.“ Ist dies der Fall, plant das interdisziplinäre Ärzteteam einen interventionellen Verschluss des PFO. Das bedeutet, dass der Eingriff minimalinvasiv unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden kann und somit für die Patienten sehr schonend ist.

Ein kleines Schirmchen verschließt die Öffnung

Um die Öffnung zwischen den beiden Vorhöfen im Herz zu verschließen, kommt ein Schirmchen, in der Fachsprache Occluder genannt, zum Einsatz. Um das Schirmchen an die richtige Stelle zu führen, ist nur ein kleiner Schnitt in der Leiste erforderlich. Über einen flexiblen Schlauch, den Katheter, schieben die Kardiologen das Schirmchen bis zum Herzen vor und platzieren es an der undichten Stelle der Wand zwischen den Vorhöfen. Zur Vermeidung von Blutgerinnseln am Schirmchen bekommen die Patienten nach dem Eingriff Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung. Innerhalb weniger Monate wächst das Schirmchen dann in die Vorhofwand ein und verhindert so weitere PFO-bedingte Schlaganfälle.